Staßfurt (hsc/tzs) l Niemand hatte im Frühjahr Erfahrung mit einem solchen Szenario. So war jeder Verein, jeder Trainer erst einmal auf sich gestellt. „Wir versuchten mit gewissen Übungsaufgaben das Trainingspensum so gut es ging durch Übermittlung von Aufgaben aufrecht zu halten“, erinnert sich Hendrik Schmidt, Trainer der männlichen D-Jugend des HC Salzland.

Nach den ersten Lockerungen fanden sich die Spieler des HC Salzland im kleinen Kreis unter dem Motto „Zurück zum Training“ zusammen. „Nach unseren damaligen Möglichkeiten stimmten wir uns ab, wie wir schnell wieder in den Trainingsbetrieb einsteigen können. Das erste Mal in der Vereinsgeschichte wurde ein 38-seitiges Hygienekonzept entwickelt. Dieses wurde seitens der Stadt Staßfurt abgesegnet und somit stand den ersten Schritten in Richtung Training nichts mehr im Weg“, berichtet Schmidt über das Ende der ersten Unterbrechung im vergangenen Sommer.

Hoffnung auf erfolgreiche Saison

Zuerst war das Training nur in Kleingruppen möglich und bedurfte bei Mannschaftsstärken von über 14 Kindern ein gewisses logistisches Geschick. Im August war es dann soweit und unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen waren auch wieder Kontaktsportarten wie Handball möglich. Die ersten Testspiele fanden statt und auch der auf Oktober verschobene Start in die neue Saison rückte immer näher.

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Für die männliche D-Jugend des HC Salzland verliefen die ersten Punktspiele sehr positiv. Es zeichnete sich schon früh ab, dass in der laufenden Spielsaison eine gute Platzierung möglich ist. „Wir arbeiteten im Training an unsere Schwächen und bauten unsere Stärken weiter aus“, blickt Schmidt zurück.

In Anbetracht der steigenden Corona-Fallzahlen zeichnete sich jedoch bereits ab, dass eine erneute Spiel- und Trainingsunterbrechung kurz bevorstand. „Nach dem letzten Heimspiel gegen Anhalt Bernburg mussten wir den Kids noch in der Kabine verkünden, dass wir erneut den Trainingsbetrieb auf unbestimmte Zeit einstellen müssen.“ In die enttäuschten Augen der Kinder zu blicken, ging auch am Trainerteam um Schmidt und Steffen Panzer nicht spurlos vorbei.

„Sie bauen einen Turm aus Bausteinen und sie versuchen diesen Turm immer höher und höher zu bauen. Der Turm wird während der Bauphase vor dem Einstürzen geschützt. Jedoch kommt nun jemand und wirft diesen Turm, trotz aller vorherigen Schutzvorkehrungen, um. Wie oft baut sich dieser Turm wieder auf, ohne daran die Lust zu verlieren?“, versucht Schmidt die Situation zu beschreiben.

„Das ist schon als Trainer schwer zu verstehen. Wie schwer mag das erst für die Kinder und Jugendlichen sein? In den Schulen treffen sie sich, stehen vor dem Schulgelände und in den Hofpausen zusammen und machen Schulsport. Aber in einer Sporthalle auf einer Fläche von fast 1000 Quadratmetern dürfen sie ihre geliebte Freizeitaktivität nicht wahrnehmen“, zeigt der Salzland-Übungsleiter Unverständnis.

„Ich möchte die Situation nicht bewerten müssen. Hoffnung, dass der offene Brief des HVSA an Ministerpräsident Reiner Haseloff mit der Bitte um Lockerungen im Nachwuchsbereich etwas bewirkt, haben wir im Verein dennoch“, hält Schmidt fest. Eine Antwort der Landesregierung steht bis dato aus.

Um fit zu bleiben und die sozialen Kontakte aufrechtzuerhalten, begab sich das Trainerteam Schmidt/Panzer auf neue Wege. Oberstes Ziel ist es, die wöchentliche Kontinuität der Trainingseinheiten hochzuhalten. Dazu nutzen sie zum ersten Mal die Möglichkeiten der modernen Medien in Form einer Videokonferenz. Die Idee eines virtuellen Trainings war geboren. Schmidt und Panzer wollten die Verantwortung nicht an die Eltern abgeben, sondern selbst mit den Jungs im persönlichen Kontakt bleiben. Die Zustimmung und Akzeptanz war schnell gewonnen und das erste virtuelle Training stand bevor.

Zunächst waren noch kleine Hürden zu überwinden. „Aber jeder von den Jungs kennt sich bestens mit den modernen Medien aus und die Trainingsbeteiligung liegt, wie schon beim Präsenztraining in der Salzland-Sporthalle, im zweistelligen Bereich“, freut sich Schmidt. Grundvoraussetzung für ein virtuelles Training ist ein Internetzugang, Smartphone, Tablet oder PC mit funktionsfähigem Mikrofon, Lautsprecher und Kamera. Sind diese Hürden erstmal genommen, steht einem erfolgreichen Onlinetraining nichts mehr im Wege.

„Um einen gewissen Rhythmus beizubehalten, legten wir die Trainingseinheiten auf die gleichen Tage wie beim Präsenztraining“, erklärt das Trainerduo, dessen Kreativität während der Einheiten gefragt ist. Mit Materialien aus dem Haushalt und den örtlichen Gegebenheiten sind die Möglichkeiten und der Bewegungsfreiraum begrenzt. Deshalb sind Körperspannung, Muskelaufbau und Koordination die Kernaufgaben.

Gezielte Übungen für Oberkörper, Rumpf und Beine sind mit und ohne Utensilien wie auch mit und ohne Handball die Herausforderungen der letzten Wochen gewesen. Auch Trainingseinheiten wie Aerobic stehen auf dem Trainingsplan. „Die Jungs sind bei jeder Trainingseinheit mit großer Begeisterung dabei“, freut sich HCS-Coach Schmidt, dass das virtuelle Training so gut angenommen wird.

Positives Fazit nach virtuellen Einheiten

Auch die Möglichkeit, dass Eltern im Hintergrund – natürlich außerhalb des Kamerawinkels – mitmachen dürfen, besteht. Das mal ein Haustier oder kleineres Geschwisterkind durchs Bild huscht oder sich mit dem Bildschirm beschäftigt, sind lustige und willkommene Abwechslungen.

Nach den ersten gemeinsamen Einheiten zieht das Trainerteam der männlichen D-Jugend des HC Salzland ein positives Fazit. „Diese Art von Trainingsgestaltung ist zwar noch sehr ungewöhnlich und neu, aber eine absolut gewinnbringende Erfahrung und Möglichkeit in der so aktivgeprägten Sportart Handball. Es wird den Handballsport in der Sporthalle zwar nicht ersetzen können, jedoch ist es eine sehr gute Alternative, bevor gar nichts passiert.“

Schmidt und Panzer macht es großen Spaß und die beiden haben sich dazu entschlossen, diese Art des Trainings solange beizubehalten, wie es notwendig erscheint.