Osterburg/Staßfurt l Die Spieler des HV Rot-Weiss Staßfurt schauten sich gegenseitig etwas verdutzt an, als sie zur Erwärmung in die Sporthalle in Osterburg einliefen. „Das war schon sehr gewöhnungsbedürftig“, beschrieb Sebastian Retting, der Coach der Staßfurter, die zum Auswärtsspiel der Sachsen-Anhalt-Liga bei der HSG Osterburg gastierten. „Der Boden war rutschig und die Halle sehr klein. Es gab keine Anzeigetafel und keinen Hallensprecher. Da war unsere alte Merkewitz-Halle ein Schloss dagegen“, beschrieb der Trainer die schwierigen Bedingungen in der Altmark.

Genau das ist für ihn auch der Grund, kombiniert mit dem „hausbackenen“ Handball der Osterburger, warum schon einige Teams dort scheiterten. Und auch, warum sich der Tabellenzweite „streckenweise schwer getan“ hat. Doch der HV Rot-Weiss trotzte den Bedingungen und setzte sich am Ende verdient mit 34:28 (14:13) durch. „Mit sechs Toren musst du dort erstmal gewinnen“, lobte Retting. „Am Ende war es eine Kraftfrage.“ Die Gäste hatten die bessere Puste in der winzigen Halle.

Schon der Start verlief für den Aufstiegsanwärter sehr vielversprechend. Mit 5:1 führte die Retting-Sieben in der elften Minute und durfte sich dabei vor allem bei Torhüter Sebastian Schliwa bedanken, der zahlreiche Bälle entschärfte. Weil vorne die Tore gemacht wurden, sah es komfortabel aus für die Staßfurter. Doch das hielt nicht lange an. „Es kamen Fehlwürfe dazu und unglückliche Schiedsrichter-Entscheidungen“, sagte Retting. Die Osterburger kamen zunächst auf zwei Tore heran (8:10, 22.) und glichen dann fast aus (12:13, 29.). „Da hatten wir Glück, sie hätten zur Pause sogar führen können.“

Doch der Coach wusste, was falsch lief: „Wir hatten Probleme auf der linken Deckungsseite, da haben wir zu viele einfache Tore kassiert.“ Zudem stellte auch der Osterburger Mittelmann die Staßfurter immer wieder vor Probleme, so dass Retting reagierte: „Wir haben ihn dann auf Manndeckung genommen, das hat gut funktioniert.“ So erarbeiteten sich die Gäste nach der Pause wieder eine deutlichere Führung (17:14, 37.). Weil es aber weiter Lücken in der Deckung gab, glich die HSG erneut zum 17:17 aus (41.) und blieb dran.

Jedoch nicht mehr in der Schlussviertelstunde. Dann nutzte RWS die konditionellen Vorteile und setzte sich bis zur Schlusssirene klar ab. „Wir waren dann überlegen trotz unserer beiden Ausfälle. Ich bin froh, dass wir das so über die Bühne gebracht haben. Am Ende zählen die zwei Punkte, die waren sehr wichtig“, bilanzierte der Staßfurter Trainer.

Denn klar: Es war Spiel eins ohne die wichtigen RückraumSpieler Nils Hähnel und Martin Strnad, die sich zum Ende des Vorjahres schwer verletzten. Dadurch sind die Staßfurter gezwungen umzustellen. Sowohl offensiv als auch defensiv. Dass da noch nicht alles klappt, ist dem Trainer klar. Aber er war zufrieden. Das Staßfurter Spiel war nicht mehr so auf den Rückraum fixiert, auch wenn Robert Reiske mit neun Toren erneut bester Werfer war.

Schon ein Blick auf die Statistik verrät, dass Kreis und Außen eine wichtigere Rolle einnehmen: 18 Tore und damit deutlich mehr als üblich fielen von diesen Positionen. „Das ist schon gut, muss aber mit der Zeit noch wachsen“, fordert Retting. Was ihn schon überzeugte, war das kollektive Auffangen der beiden Ausfälle. Neuzugang Andy Beinhoff überzeugte mit vier Toren, Oliver Jacobi (6) nahm am Kreis eine wichtige Rolle ein und auch Marian Spadt, der in der zweiten Hälfte auf Halbrechts spielte, verdiente sich ein Sonderlob: „Er hat das sehr gut gelöst. Marian ist beweglich und hat im Eins-gegen-eins überzeugt“, sagte Retting.

Wenn sein Team so weiter spielt und in den kommenden Wochen weiter an der Athletik feilt, blickt der Trainer optimistisch auf die kommenden Aufgaben. Das nächste Spiel steht jedoch erst in drei Wochen gegen Langenweddingen an.

Staßfurt: Schliwa, Tuchen - Beinhoff (4), Zimnick (1), Reiske (9), Ernst (4), Jacobi (6), Vadaszi, Steinbrink, Spadt (2), Schöne (5), Meißner (3)

Siebenmeter: Osterburg 7/5 - Staßfurt 2/2 Zeitstrafen: Osterburg 3 - Staßfurt 6