Calbe/Staßfurt l Die Fans fiebern dem Spiel entgegen, die Spieler sind motiviert bis in die Haarspitzen und die Trainer können den Anpfiff kaum erwarten. Das Duell zwischen der TSG Calbe und dem HV Rot-Weiss Staßfurt um 17 Uhr in der Hegersporthalle begeistert schon im Vorfeld alle Beteiligten. Die Volksstimme blickt in verschiedenen Punkten auf das Derby und Topspiel der Sachsen-Anhalt-Liga voraus.

Aktuelle Saison

Vor allem das Hinspiel blieb beiden Parteien in Erinnerung. Denn es ging in Staßfurt mit 27:19 klar an den Außenseiter aus Calbe. Die TSG spielt auch davon ab eine überragende Saison und steht mit 13 Siegen aus 15 Spielen an der Tabellenspitze. Die Staßfurter hingegen mussten als großer Aufstiegs-aspirant schon in vier Spielen Punkte abgeben (zwei Niederlagen, zwei Remis). „Calbe ist dieses Mal der Favorit“, sagt der Staßfurter Coach Sebastian Retting. Sein Gegenüber, Andreas Wiese, geht dabei aber nicht mit: „Die Staßfurter haben sich zum Ziel gesetzt, aufzusteigen. Da können sie die Favoritenrolle nicht einfach wegschieben.“ Fakt ist: Die Kräfteverhältnisse sind nicht so verschieden wie im Hinspiel. Dieses Mal treffen zwei absolute Topteams der Liga aufeinander.

Die Trainer

Er ist handballverrückt. Und lebt diesen Sport. Eine Aussage, die sowohl zu Retting als auch zu Wiese passt. Der Calbenser übernahm das Team in der Saison 16/17 und führte es ständig nach oben. Nach dem dritten Platz im Vorjahr winkt in dieser Saison der Landesmeistertitel. „Ihn zu holen, war ein absoluter Glücksgriff. Er ist fachlich und menschlich ein Top-Trainer“, lobt TSG-Abteilungsleiter Gunnar Lehmann.

Nicht weniger Lorbeeren erntet aber Retting in Staßfurt. Im Vergleich zu Wiese ist er zwar erst seit dieser Saison Trainer, kennt die Mannschaft und den Verein aber über Jahre. Mitte Oktober übernahm er das Amt von Sven Liesegang und führt sein Team, für das er als Spielertrainer nur im Notfall auch auflaufen will, seitdem ungeschlagen durch die Liga (16 Punkte aus neun Spielen).

Beide Übungsleiter füllen ihre Aufgaben mit der maximalen Akribie aus. Bezeichnend: Nachdem Wiese letzte Woche die Staßfurter gegen Langenweddingen beobachtete (30:30), ließ es sich auch Retting nicht nehmen, den 22:20-Sieg der Calbenser beim BSV 93 Magdeburg zu beobachten. Beide haben ihre Schlüsse gezogen und werden ihr Team entsprechend aufstellen.

Personal

Zum Ende der Hinrunde mussten die Staßfurter gleich zwei Hiobsbotschaften schlucken. Denn mit Nils Hähnel und Martin Strand haben sich zwei Rückraumspieler schwer verletzt und werden in dieser Saison nicht mehr zur Verfügung stehen. Das ist ohne Zweifel ein riesiger Verlust, der beim Remis gegen den SV Langenweddingen erstmals sehr ins Gewicht fiel. Davon ab sind gegen Calbe aber alle Spieler dabei, auch die Winterneuzugänge Andy Beinhoff und Patrik Postelt.

Der Gastgeber muss mit Daniel Gieraths und Ron Barby ebenfalls auf zwei wichtige Spieler verzichten. „Aber elf Spieler werden da sein. Wir müssen die Ausfälle in der Breite ersetzen und als Einheit auftreten“, sagt Wiese.

Angriff und Abwehr

„Die Calbenser haben eine sehr gute Abwehr mit starken Torhütern, das ist ihr Prunkstück“, lobt Retting den Gegner. Und auch ein Blick auf die Statistik zeigt: Mit nur 344 Gegentoren stellt die TSG die beste Defensive der Liga. Die Abwehr um Nils Rätzel und Martin Sowa steht bombenfest. Während sich die Calbenser wieder auf diese Stärke berufen will, kann sich Staßfurt eher auf die gute Offensivabteilung verlassen. Auch ohne Hähnel liegt der Vorteil im Angriff noch leicht beim HV Rot-Weiss. „Sie haben die besseren Individualisten und gute Entscheider im Eins-gegen-eins“, sagt Wiese. Vor allem Rückraum-Shooter Robert Reiske und Kreisläufer Oliver Jacobi bringen jede Abwehr zum Zittern.

Halle und Fans

„Wir erwarten eine volle Halle und rechnen mit 500 bis 600 Zuschauern“, blickt Lehmann freudig voraus. „Für den Fall der Fälle würden mit Stehplätzen auch bis zu 750 Zuschauer in die Halle passen.“ Die Stimmung wird beim Derby eine große Rolle spielen. Und muss nicht unbedingt nur für das Heimteam ein Vorteil sein. Auch aus Staßfurt werden bis zu 150 lautstarke Unterstützer erwartet.

Fazit

Es bliebt festzuhalten: Keines der Teams geht mit großen Vorteilen in das Derby. Beide Mannschaften weisen in bestimmten Bereichen Vorteile auf. Es wird eine umkämpfte Partie. Ein heißes Derby. Und sicher ein enges Spiel. „Das werden Emotionen pur“, sagt Wiese. „Wir freuen uns sehr und gehen es mit breiter Brust an.“ Auch Retting macht klar: „Ich musste vorher wirklich keinen motivieren.“