Staßfurt l Ein Mann großer Worte ist Andreas Jesse nicht. Er weiß aber dennoch genau, was er will. Und kommt auch freimütig auf den Punkt. „Nein, eigentlich nicht“, lauteten die drei Wörter, die er auf die Frage entgegnete, ob ihm der Handball gefehlt hat. Der Keeper des HV Rot-Weiss Staßfurt II hatte ihm Sommer seine Karriere beendet. Jahrelang war er der sichere Rückhalt des Verbandsligisten. Doch dann hatte er einen Haken hinter den Sport gesetzt, wollte deutlich mehr Zeit mit der Familie verbringen.

Nur ein gutes halbes Jahr später ist er aber zurück. Beim ersten Punktspielsieg der Staßfurter am vergangenen Wochenende, nach zuvor drei Pleiten schlug die RWS-Reserve den Güsener HC mit 38:30, war er dabei und stand eine Halbzeit im Tor. Und der Keeper hatte dabei auch großen Anteil am Sieg.

Rückblick: Nach dem doch relativ spontanen Rücktritt von Jesse wurde der Mann hinter ihm plötzlich zur neuen Nummer eins. Doch für den jungen Chris Sieland kam dieser Schritt eventuell etwas zu früh. Coach Mario Kutzer vermisste in den ersten Saisonspielen die Sicherheit, die zuvor von Jesse stets auf die Deckungsreihe abfärbte. Dazu kam, dass der Back-Up Erik Stein auch gerade erst aus der A-Jugend kam und künftig auch nicht mehr zur Verfügung stehen wird.

So war es auch schon gegen Güsen. Sieland wäre der einzige Torwart gewesen. Deshalb fragte Kutzer kurzfristig bei Jesse an. Dennoch stieß der Staßfurter Trainer seinem eigentlichen Stammtorwart keineswegs vor den Kopf. Sieland spielte die erste Halbzeit durch. „Er hat gute Paraden gezeigt, hatte aber auch Fehler dabei und war manchmal nicht achtsam genug“, berichtete Kutzer. „Ich hätte eher reagieren können, aber ich wollte, dass jeder Torwart eine Halbzeit spielt.“

Und so kam es im zweiten Durchgang, beim Stand von 17:17, zum Comeback von Jesse. Und selbst Statistiker werden da schon einen Unterschied festgestellt haben. Denn die zweite Hälfte endete 21:13. Und bis auf Jesse gab es zunächst keine personellen Wechsel. Allein seine Anwesenheit hat aber die Abwehr stabilisiert, das wusste auch Kutzer: „Er hat sehr viel Sicherheit ausgestrahlt. Er hat diese Erfahrung und bleibt dann auch einfach mal stehen.“ Er zeigte Parade um Parade und trug somit dazu bei, dass die Staßfurter in Führung gingen und diese stets ausbauen konnten. „In der zweiten Halbzeit standen wir viel sicherer“, bemerkte Jesse vom Tor aus auch selbst. „Wir haben aber auch vorn gut durchgezogen.“

Jesse will helfen, wenn Not am Mann ist

Dass seine Rückkehr Einfluss auf den Ausgang des Spiels hatte, kann wohl niemand abstreiten. Gerne würde Kutzer auch in den kommenden Spielen wieder auf Jesse setzen. Er selbst ist sich da nicht sicher, was weitere Einsätze angeht: „Es kommt darauf an, wie es personell aussieht. Wenn Not am Mann ist, bin ich auch bereit zu helfen.“

Das klingt zwar nicht nach einer festen Zusage, aber auch keinesfalls nach einer endgültigen Absage. So ein bisschen hat es ihm dann eben doch gefallen in der neuen Salzland-Spothalle. Wenn er Paraden zeigte. Und damit für Applaus ihm Publikum sorgte. Wenn er vom Hallensprecher verbal gefeiert wurde. Und ihm sein Trainer und die Mitspieler vertrauensvoll zunickten. „Wenn man gewinnt, macht es ja trotzdem Spaß.“ Auch das ist ein Satz, der mit wenigen Wörtern viel aussagt und sicher den einen oder anderen Staßfurter auf weitere Einsätze des Torwarts hoffen lässt.