Staßfurt l Am Anfang stand der Ärger. Vor allem bei Sebastian Retting, Coach der ersten Mannschaft des HV Rot-Weiss Staßfurt. Klar, einerseits freuen sich alle beim Sachsen-Anhalt-Ligisten auf das Duell mit der eigenen Reserve aus der Verbandsliga Nord. Doch morgen, nach dem Viertelfinale des HVSA-Pokals um 16 Uhr, wird halt auch eins der Teams ausgeschieden sein. Denn die Statuten des HVSA sahen es so vor, dass die beiden Staßfurter Teams spätestens in dieser Runde aufeinander getroffen sein müssen. „Ich finde das zweifelhaft. Beide Teams hätten es verdient, im Halbfinale zu stehen“, sagt Retting.

Doch ein Team kann es nur. Und auch, wenn es ein Verein ist, Freunde gibt es während der 60 Minuten nicht. Das versichern beide Trainer. „Wir gehen das so an wie ein ganz normales Pflichtspiel“, macht Retting klar. Absprachen, dass eventuell die zweite Mannschaft nur „auf Sparflamme“ agiert, gab es absolut nicht.

Die einzigen Gespräche, die im Vorfeld stattfanden, waren organisatorischer Natur. Wer ist Hallensprecher? Wer läuft zuerst ein? Wer trägt Schwarz und wer Rot? Das Heimrecht liegt nominell natürlich beim Verbandsliga-Team von Coach Mario Kutzer. Und das war schon zweimal ein gutes Omen. Im bisherigen Turnierverlauf bekam es die Reserve schon zweimal mit einem Sachsen-Anhalt-Ligisten zu tun. Und sowohl gegen die SG Spergau (30:29) als auch gegen den Titelverteidiger BSV 93 Magdeburg (30:23) ging die Kutzer-Sieben als Sieger von der Platte. Was auch Retting etwas Respekt einflößt: „Das wird keine einfache Aufgabe. Sie werden auch uns ärgern wollen.“ Doch dem Spielertrainer der ersten Mannschaft ist es egal, „ob wir gegen einen Drittligisten oder ein Verbandsliga-Team spielen. Wir werden immer alles geben.“

Die Favoritenrolle liegt ohne Zweifel beim Tabellendritten der Sachsen-Anhalt-Liga, der zuvor acht Jahre fester Bestandteil der Oberliga war. „So wollen wir auch auftreten“, versichert Retting. Zwar ist ausgerechnet Robert Reiske, der beste Spieler beim HV Rot-Weiss in dieser Saison, mit einer Erkältung ein bisschen angeschlagen, selbst wenn der Rückraum-Shooter aber nicht bei 100 Prozent ist, soll das nicht als Ausrede hinhalten.

Denn die Staßfurter wollen nicht nur unbedingt in das Halbfinale einziehen, sondern auch eine kleine Negativserie beenden. 1:3 Punkte ist die Bilanz aus den vergangenen beiden Punktspielen. Vor allem die 16:19-Derbypleite gegen die TSG Calbe schmerzte sehr. Und soll mit einem Sieg jetzt vergessen gemacht werden.

Was muss besser werden?

Was dafür besser werden muss, liegt auf der Hand: Die Wurfquote. Diese war in Calbe unterirdisch. Und so war das Training in dieser Woche sehr auf den Abschluss ausgerichtet. „Wir müssen den Instinkt zum Tor verbessern und abgezockter werden“, fordert Retting.

Doch natürlich muss auch die Defensive sicher stehen. Denn nur weil es für die Zweite in der Verbandsliga derzeit nicht so gut läuft, hat sie einige gute Spieler in den Reihen, das weiß auch Retting, der zum Beispiel bereits mit Keeper Andreas Jesse zusammenspielte. Der zuverlässige Schlussmann der Reserve könnte ein Faktor sein. Genauso wie Eike Rach, der bei der Zweiten mal wieder aushelfen soll und stets Gefahr ausstrahlt. „Es sind auch einige Spieler dabei, die perspektivisch etwas für die Erste sind“, so Retting. Er lobte da den „technisch sehr starken“ Steve Ilgenstein oder den „sehr schnellen“ Paul Hoffmann.

Natürlich trifft mit Toni Fanselow ein weiterer Spieler auf seine alten Mannschaftskollegen. Als „verlorenen Sohn“ bezeichnete Retting den 21-jährigen Spieler, der aus privaten Gründen nur noch für die zweite Mannschaft spielt. „Er ist einer der talentiertesten Spieler aus unserem Nachwuchs überhaupt“, lobt Retting.

Es ist klar: Das Vereinsduell bietet Zündstoff an allen Ecken und Enden. Es wird ein brisantes Duell, in dem es sicher zur Sache gehen wird. Retting: „Wir sind ein Verein, aber Handball ist Vollkörperkontaktsport. Und das wird auch in diesen 60 Minuten so sein.“ Danach, egal wie es ausgeht, werden beide Teams gemütlich beisammensitzen. Denn bei aller Rivalität im Pokalspiel: Es bleibt ein Verein.