Aschersleben l Die Sonnenbrille hatte Uwe Werkmeister immer in Griffweite. Seinen rechten Fuß hatte der Trainer von Oberligist HV Rot-Weiss Staßfurt auf dem Knie seines linken Beines geparkt. Der Handball-Lehrer strahlte auf der Stahltribüne in der Herrentribüne in Aschersleben in den Morgenstunden am Sonnabend Gelassenheit aus. Unten – unter freiem Himmel – duellierten sich auf ungewohntem Gummiboden beim „Megawoodstock“ zahlreiche Handball-Mannschaften bei dem bunten Spektakel.

Auch die Staßfurter waren dabei. Sie waren erst am späten Vormittag das erste Mal gefordert. Und so blieb allerlei Zeit für Beobachtungen. Wie der Trainer die Zeit so überbrückte, trug eine gewisse Aussagekraft in sich. Ein paar Meter weiter auf den Zuschauerrängen saßen die Handballer vom HV Rot-Weiss und strahlten ähnliche Gelassenheit aus. Was den Beobachtern auffallen musste: Die Spieler sahen sich die anderen Partien zusammen an.

Neue Charaktere bei Staßfurt

In dieser selbstverständlich anmutenden Szenerie steckte aber auch ein Bild mit Symbolkraft. Denn die Staßfurter Männer sind keineswegs eine eingespielte Truppe. Mit sechs Neuzugängen stehen die Handballer vor einer Nagelprobe, was die Integration angeht. Viele neue Charaktere, handballerisches Frischblut, dazu mehr denn je ein großes Altersgefälle zwischen den Spielern. Es prasselt viel ein auf den HV Rot-Weiss, bevor im September die neue Saison in der Mitteldeutschen Oberliga startet. Da war es schön zu beobachten, dass die ersten Gehversuche der bunt zusammengewürfelten Truppe in Aschersleben gut gingen.

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Für ein gutes Gefühl. Das könnte die Überschrift über die erste große Zusammenkunft der Handballer sein. „Es ist wirklich schön zu sehen, wie die Mannschaft funktioniert. Das geht aber nur, wenn sie intakt ist“, sagte HVS-Trainer Uwe Werkmeister. „Da kann ich mich dann auch mal zurückziehen und das von außen beobachten.“ Weil die Mannschaft von allein zusammenschweißt.

Handballerisch gesehen waren die Spiele natürlich nicht all zu aussagekräftig. Immerhin: Es gab vier Siege und ein paar gelungene Spielzüge. Was aber Werkmeister viel wichtiger war: „Jeder hatte die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Das Ergebnis war nicht so wichtig.“ So führten die Staßfurter im ersten Spiel gegen den Liga-Kontrahenten HC Aschersleben zur Halbzeit des 20-minütigen Spiels mit drei Toren. Werkmeister wechselte – wie in jedem Spiel – trotzdem konsequent durch.

Vor allem die jungen Spieler um Kevin Reiske, Marvin Frank oder Bilal Shagluf bekamen ihre Chance. Der HV Rot-Weiss verlor noch 10:13. Aber so konnten die Jungspunde sehen, wie es zugehen könnte in der Oberliga. „Für die neuen Spieler war es wichtig für den Kopf zu wissen, dass der Abstand zur Oberliga nicht so groß ist“, sagte Werkmeister. Das galt wohl vor allem Kevin Reiske und Marvin Frank. Frank (20) spielte beim Post SV Magdeburg in der Sachsen-Anhalt-Liga. Reiske (24) war letzte Saison vorrangig bei Anhalt Bernburg II in der Verbandsliga aktiv.

Ortmann coacht HC Salzland

Am Ende wurde der HV Rot-Weiss Fünfter. Damit war Werkmeister zufrieden. „Nicht alles lief perfekt, aber das war eine kleine Standortbestimmung.“ Auch, weil die Staßfurter nicht so oft gegen andere Oberligisten testen werden. Mit dem HC Aschersleben und dem HC Glauchau-Meerane gab es nun gleich zwei Liga-Kontrahenten vor Ort.

Für den HC Salzland 06 aus der Sachsen-Anhalt-Liga stand noch mehr als beim HV Rot-Weiss der Spaß im Vordergrund. Und auf der Trainerbank saß ein bärtiges, bekanntes Gesicht: Tobias Ortmann leitete die Frauenmannschaft.

Wobei. Ein richtiger Trainer war er nicht. „Es ging eher darum, dass jemand die Wechsel koordiniert“, sagte der langjährige Spieler vom HV Rot-Weiss Staßfurt, der im Vorjahr seine Karriere beendete. „Yvonne Sachse hatte mich gefragt, ob ich das übernehme. Ich hatte zufällig Zeit.“ So kam „Orti“ zum Job des Frauen-Coaches. Es war sein erster Auftrag als Trainer einer Frauen-Mannschaft, aber das Gefühl, nur an der Seitenlinie zu stehen, kannte er bereits. „Ich habe auch schon mal aushilfsweise die A- und B-Jugend von Staßfurt trainiert“, erzählte Ortmann. Ihm gefiel die Idee, Nachwuchsspieler technisch zu formen und weiter zu entwickeln. „Ich kann mir das auch später mal vorstellen.“ Wobei natürlich für den angehenden Mediziner immer die Frage im Raum steht, wie er das mit der Arbeit verbinden kann.

Wo liegt aber der Unterschied zwischen Frauen- und Männerhandball? „Frauenhandball ist anders“, berichtete er völlig ohne Wertung. Vielleicht nicht ganz so körperlich, aber technisch und taktisch ebenso ausgereift.

Ortmann jedenfalls hatte Spaß. „Die Vereine sind ja auch miteinander befreundet“, sagte der 25-Jährige. Und für ihn persönlich ist der Draht zum HC Salzland 06 ein ganz kurzer. Seine Freundin Maria Geipel spielte selbst bei den Staßfurterinnen, bevor sie sich im letzten Jahr aus dem Handball zurückzog. Am Wochenende lief sie nochmal auf. „Das wurde alles ganz locker gesehen“, so Ortmann.

HC Salzland verpasst Titelverteidigung

So war es dann auch nur halb so schlimm, dass die als Titelverteidigerinnen angetretenen Salzländerinnen am Ende nur den fünften Platz belegten. „Wichtig war, dass keiner sich verletzt hat“, erklärte Coach Ortmann. „Es wurde dann noch ein bisschen gefeiert und auch ein bisschen getrunken.“ Dann ging es zurück.