Staßfurt l Natürlich klagte sie in den vergangenen zwei Saisons immer wieder über Schulter- und Knieprobleme. Natürlich ist sie „nicht mehr die Jüngste, was Handball angeht“. Ein Grund war Yvonne Sachse dann aber natürlich der mit Abstand wichtigste: Die 35-Jährige ist im siebten Monat schwanger und erwartet demnächst Nachwuchs. Damit fiel ihr die Entscheidung nicht so schwer, nach der vergangenen Saison ihre Karriere zu beenden. Nach 20 Jahren. Ihre große Leidenschaft Handball tauscht sie nun gegen das familiäre Glück ein.

Fakt ist: Die gebürtige Magdeburgerin lebt Handball. Der Sport hat immer zu ihrem Leben dazugehört. Dennoch kostete die Entscheidung nicht sonderlich fiel Überwindung. Nicht nur aufgrund des anstehenden Nachwuchses, auch die miserable Vorsaison spielte eine Rolle. „Es lief einfach schlecht“, berichtet sie. „Der Spaß ist irgendwann verloren gegangen“, gibt Sachse ehrlich zu. Nach ihrer erfolgreichen und langen Karriere war die Frau, die in Wellen bei Irxleben wohnt, schon ein wenig erfolgsverwöhnt. Sich im April dann nur mit dem zehnten Platz in der Sachsen-Anhalt-Liga verabschiedet zu haben, tat ihr schon ein bisschen weh. „Ein erfolgreicherer Abschluss der Karriere wäre schöner gewesen, aber ich gehe trotzdem mit einem guten Gefühl. Immerhin haben wir den Klassenerhalt geschafft.“

Ausgleich zum „Auspowern“

Sachse sieht oft das Positive. Auch das hat „Maus“, seit Jahren ihr Kosename, in ihrer Karriere weitergebracht. Der Handball hat sie immer angetrieben. „Es war stets ein guter Ausgleich, ich konnte mich immer gut auspowern.“ Doch wie hat sich diese Leidenschaft überhaupt entwickelt? „Mein Bruder hat Handball gespielt, deswegen habe ich auch angefangen.“ 1998 schmetterte Sachse zum ersten Mal einen Handball in die Maschen. Mit 15 Jahren war sie zwar eine „Spätstarterin“, die fehlenden Grundkenntnisse glich sie aber durch ihren Ehrgeiz wieder aus. Denn während ihr Bruder „nach drei, vier Jahren wieder aufgehört hat“, wuchs das Interesse am Handball bei Sachse ständig.

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Damals war sie bei der weiblichen Abteilung des SC Magdeburg aktiv. Ihr größter Förderer war die Magdeburger Trainer-Legende Hubert Lindner. Unter ihm wurde sie Deutsche Jugendmeisterin mit den B-Juniorinnen. „In dieser Zeit habe ich angefangen, auf Leistung zu gehen“, erinnert sie sich. Der Handball nahm einen immer größeren Stellenwert in ihren Leben ein. Spätestens mit 17 Jahren, als sich die Frauen des SCM zum HSC 2000 Magdeburg ausgliederten und Sachse Teil des Teams wurde, nahm ihre Karriere ihren Lauf. Denn in den folgenden Jahren realisierte sie mit dem HSC den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Mehrere Jahre war sie in der zweithöchsten Spielklasse aktiv. In elf Jahren im Erwachsenenbereich „gab es auch öfter mal Spielgemeinschaften“, berichtet Sachse. Auch für die SG Bandtis Magdeburg/Barleben war sie aktiv. „Ich war aber immer in Magdeburg.“

Biem HCS zur Leaderin gereift

Warum sie ihre Heimat dann doch verlassen hat? Victoria Göpel „war der springende Punkt“. Die Linkshänderin, die noch bis zur Vorsaison ihre Mitspielerin war und Freundin ist, spielte in der Saison 2010/11 für den HCS 2000. „Doch sie wollte wieder zurück.“ Und berichtete Sachse von ihrem Ex-Verein, dem HC Salzland. Gemeinsam mit Kristin Schüler entschied sich das Trio dann für den Wechsel. Es schlossen sich viele gute Jahre in der dritten Liga an. Sachse entwickelte sich zu einer absoluten Leaderin, die das Team prägte. „Ich war schon immer der Typ, der gerne zugefasst hat in der Abwehr. Die Rolle als Leaderin hat sich aber erst entwickelt.“ Bei Salzland hat sich ihr Stellenwert in der Mannschaft stets gesteigert, egal ob in der dritten Liga oder in den letzten Jahren in der Sachsen-Anhalt-Liga. „Ich hab mich in der Rolle wohl gefühlt. Ich wusste, dass ich den Mund aufmachen darf und muss.“

Und auch wenn eine Tätigkeit als Trainerin oder Betreuerin vorerst nicht in Frage kommt, blickt Sachse überglücklich auf ihre sieben Jahre beim HC Salzland 06 zurück. „Der Wechsel damals war die richtige Entscheidung. Ich hatte sehr viel Spaß bei Salzland. Hier sind Freundschaften und tiefe Bindungen entstanden.“ Und durch den Handball hat Sachse auch Pierre Altnau kennengelernt, den Trainer des HCS in den vergangenen beiden Saisons. Mit dem sie jetzt ein gemeinsames Kind erwartet. Das zeigt: Handball kann mehr als Sport sein, er kann schöne Geschichten schreiben und letztlich auch ein Stück weit dazu beitragen, dass neues Leben entsteht.