Magdeburg/Salzlandkreis l Aus China ist das Coronavirus inzwischen auch flächendeckend nach Europa geschwappt. Und hat das gesellschaftliche Leben hierzulande damit voll im Griff. Außerdem sorgt die Krise rund um das Virus auch dafür, dass viele Sportfunktionäre einem weiteren „Exportschlager“ aus dem Reich der Mitte immer ähnlicher sehen – dem Shar-Pei. Diese bekannte Hunderasse zeichnet sich durch ihre überaus üppigen Falten aus. Und diese machen sich auch auf den Stirnen von Sachsen-Anhalts Handballfunktionären immer mehr breit. Es sind Sorgenfalten, die auf der Frage basieren: Wie soll, wie kann es weitergehen mit dem Spielbetrieb im Land?

Derzeit ist der Spielbetrieb in allen Ligen bis einschließlich 19. April ausgesetzt. Was danach kommt? Niemand kann dies derzeit seriös beantworten. Alle Gremien sind derzeit permanent „untereinander in Kontakt“, berichtet Matthias Becker. Der Spielausschuss-Vorsitzende im HVSA kann aber im Moment auch nur Gedankenspiele machen. „Ich würde spekulieren und sagen, ab 22. April kann es weitergehen. Aber ich werde mich schwer hüten. Wir verschließen die Augen ja nicht vor der Realität. Deswegen müssen wir uns auch der Diskussion über die Einstellung des Spielbetriebes stellen, denn in näherer Zukunft ist es wohl aussichtslos“, meint Becker mit Blick auf eine Saisonfortsetzung. Allerdings sagt der Vorsitzende des Spielausschusses auch, dass die entsprechenden Gremien nur Vorschläge zuarbeiten können. Die Entscheidung müsse in der Geschäftsstelle beziehungsweise im Präsidium fallen.

Hier ist das Thema natürlich auch allgegenwärtig, bestätigt HVSA-Geschäftsführer Denis Engel. Er beschreibt auch, wie vielfältig die bestehende Problematik ist und das der Verband nicht auf eigene Faust Entscheidungen treffen will. „Prinzipiell schauen wir, was die anderen Bundesländer machen. Wir wollen Alleingänge vermeiden, damit im Nachgang einer Entscheidung nicht die berechtigten Fragen kommen, warum wir es in Sachsen-Anhalt so machen und beispielsweise in Niedersachsen andere Regelungen gelten“, sagt Engel.

Hallennutzung stellt zusätzliches Problem dar

Neben Auf- und Abstiegsregelungen, die getroffen werden müssen, ist auch die Hallennutzung ein Problem. Also selbst wenn man sich entscheiden würde, irgendwann weiterzuspielen, müssten auch die Kommunen die Weichen dafür stellen. „Die meisten Vereine sind ja nicht Eigentümer der Hallen, sondern nutzen Schulsporthallen. Wenn diese nicht nutzbar sind, kann man natürlich auch nicht spielen“, stellt der Geschäftsführer fest. Auch deswegen hat sich der HVSA eine klare Marschroute auferlegt: „Wir warten auf einen Vorschlag des DHB (Deutscher Handballbund/ Anm. d. Red.)“, sagt Engel.

Außerdem hoffen die Verantwortlichen, wie wohl alle Menschen weltweit, darauf, dass die Corona-Fallzahlen sinken. Doch bis das passiert, ist erstmal viel Gehirnschmalz vonnöten, der in die unterschiedlichsten Gedankenspiele fließt. Verschiedene Szenarien zur Spielfortsetzung werden dabei durchdacht, aber sie alle sind nur graue Theorie. Denn niemand weiß, wie sich die Corona-Lage weiter entwickelt. Derzeit gibt es täglich neue Informationen. Verbindlich ist für den HVSA deshalb im Moment nur eins, die Planung für die neue Saison. „Wir müssen die reguläre Saison vorbereiten. Wenn man sich am Beispiel China orientiert, wo man uns ja sechs bis acht Wochen voraus ist, könnte zumindest die neue Saison nach aktuellem Stand regulär starten. Ob man das dann eventuell statt Anfang September erst im Oktober macht, müsste man dann diskutieren“, so Engel. Ob es tatsächlich so kommen kann, ist aber natürlich nicht klar. Man weiß es derzeit einfach nicht. Beim Handballverband denkt man auch darüber nach, den Meldetermin zur Saison 2020/2021 für die Mannschaften nach hinten zu verschieben. Aktuell gilt aber für alle erstmal der reguläre Termin.

Vielen Stimmen, die sich dafür aussprechen, die laufende Spielzeit sofort zu beenden, erteilt Denis Engel indes (noch) eine klare Absage. „Wir wollen einen Abbruch solange wie möglich hinauszögern“, so Engel. Eine plausible Begründung für diese Vorgehensweise liefert der HVSA-Geschäftsführer gleich mit: „Ziehen wir zu früh den Stecker, rauben wir uns alle Optionen auf eine Fortsetzung der Saison.“

Dennoch zeigt Engel Verständnis für die Fürsprecher einer sofortigen Absage. „Viele sitzen derzeit zuhause, haben viel Zeit, sich Gedanken zu machen und wollen natürlich schnellstmöglich eine Entscheidung haben. Das verstehe ich. Aber ich denke auch, dass uns im Moment nichts zu einer schnellen Entscheidung hetzt“, findet Engel.

Immerhin hat der Handballverband durch seine Spielordnung eine gewisse Flexibilität in Sachen Auf- und Abstiegsregelung. Diese könnte auch bei einem Abbruch für Klarheit sorgen. Paragraph 52 der DHB-Spielordnung ermöglicht bei höherer Gewalt nämlich eine Entscheidung der spielleitenden Stelle, wenn Auf- oder Absteiger nicht sportlich ermittelt werden können.

Und auch eine weitere Frage stellt sich. Wie geht es nach Corona für die Vereine weiter? Selbst ohne den Faktor der Pandemie gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Vereine, die aufgrund wirtschaftlicher Probleme von der Bildfläche verschwanden. Prominente Beispiele aus dem Salzlandkreis sind der SV Concordia Staßfurt und die SG Eintracht Glinde.

Vereinen drohen wirtschaftliche Folgen

Ähnliche Szenarien könnten nun auch die Corona-Auswirkungen natürlich befeuern. „Das ist abhängig davon, wie es wirtschaftlich nach der Krise weitergeht. Läuft alles wieder gut an, können Sponsoren sicher auch weiter unterstützen. Ich sehe das Problem aber in allen Ligen. Selbst in der Bezirksliga haben die Vereine Kosten durch den Spielbetrieb, die über Zuschauereinnahmen finanziert werden müssen. Das ist aber ein Problem, was jetzt nicht an erster Stelle steht“, so Denis Engel. Dazu fügt der Geschäftsführer auch an: „Ich will nicht hoffen, das es aus wirtschaftlichen Gründen zu einem Vereinssterben kommt. Dennoch sind auch wir als Verband gefragt, für solche Fälle, Lösungsansätze zu erarbeiten. In der Politik wird ja auch über Unterstützung für kleinere Unternehmen etc. beraten.“

In allererster Linie wünscht HVSA-Geschäftsführer Engel sich aber, dass alle gesund bleiben und bald absehbar ist, wann wieder Handball gespielt werden kann. Bis dahin bleibt zu hoffen, dass den handelnden Personen im Verband allzu viele Sorgenfalten erspart bleiben. Nicht, dass der Shar-Pei, der chinesische Faltenhund, am Ende noch als neues Maskottchen des HVSA herhalten muss.