Staßfurt/Glinde l Er ballte die Faust. Erst Richtung Fans. Dann zur eigenen Bank. „Jetzt haben wir sie“, brüllte Michael Kreyenberg zu seinen Teamkollegen, nachdem der beste Torschütze des Glinder HV „Eintracht“, gerade den 20:21-Anschlusstreffer (50.) im Verbandsliga-Auswärtsspiel beim HV Rot-Weiss Staßfurt II erzielt hatte.

Doch warum kam diese Aussage vom Spitzenreiter erst so spät? Ganz einfach: Die Glinder taten sich in Staßfurt sehr lange schwer. Die RWS-Reserve bestimmte vor allem in der ersten Halbzeit das Spiel und hatte auch im zweiten Durchgang, der von stabilen Deckungsreihen auf beiden Seiten geprägt war, die Nase vorn. Als Kreyenberg die Gäste zehn Minuten vor dem Ende auf einen Treffer heranbrachte und den Staßfurter Coach Mario Kuter damit zu einer Auszeit brachte, ließ er seiner Erleichterung freien Lauf.

Doch was danach folgte, waren sehr packende zehn Minuten. Nach der Auszeit „hatten“ die Glinder den Gegner nämlich noch nicht. Die Staßfurter setzten sich erneut auf 24:11 (56.) ab. Richtig brisant wurde es dann in der Schlussminute. Nachdem Toni Fanselow eine Zeitstrafe kassierte (59.), mussten die Staßfurter bis zum Schluss in Unterzahl spielen. Max Kreyenberg brachte die Gäste per Strafwurf zunächst auf 23:24 heran. Weil die Rot-Weissen auch den folgenden Angriff verschenkten, glich der Spitzenreiter 40 Sekunden vor dem Ende durch Philipp Weingarte aus. Erstmals im Spiel.

Es folgte ein Gegenstoß der Kutzer-Sieben, bei dem Florian Panzer von Michael Kreyenberg von den Beinen geholt wurde. Die Folge? Rot für den mit 13 Toren besten Werfer an diesem Tag. Aber es gab eben keinen zusätzlichen Siebenmeter, wie es das Reglement vorgesehen hätte. Sondern nur ein Freiwurf, der verpuffte und einen Gegenzug des GHV einleitete. Max Kreyenberg erzielte den umjubelten Siegtreffer.

Auf der anderen Seite herrschte entsprechend Frust, Trauer und Enttäuschung. „Das war sehr ärgerlich“, fasste Kutzer zusammen. „Ich ärgere mich hauptsächlich darüber, dass wir nicht cool genug waren, das Spiel über die Zeit zu bringen. Aber eben auch über die Schiedsrichter.“

Die Referees, die zunächst damit argumentierten, das Spiel sei unterbrochen gewesen, haben ihren Fehler, so hieß es von Vereinsseite, sogar eingesehen. „Das bringt aber auch nichts mehr. Für meine Spieler war es nach dieser Entscheidung schwierig, sich auf das Spiel zu konzentrieren. Wir sind auch mal dran, uns zu belohnen“, spielte der Coach auf die gute Partie zuvor gegen Haldensleben an, in dem es auch keine Punkte gab.

Die Gründe für die Pleite fasste er dann aber passend in drei Faktoren zusammen: „Fehlende Konzentration und Kondition sowie die Schiedsrichter.“ Und Nutznießer davon war dann eben der Glinder HV. Coach Peter Pysall bezeichnete die Schlussphase schlichtweg als „furios“ und ergänzt: „Aufgrund der Steigerung in der zweiten Hälfte war das nicht unverdient.“

Unzufriedenheit

Mit dem ersten Durchgang war er jedoch überhaupt nicht zufrieden: „Da hat die Aggressivität gefehlt und wir haben zu viele Fehler gemacht“, so Pysall, der auch auf das Fehlen von wichtigen Spielern wie Arvid Schmidt und Oliver Kowaczeck verwies. Doch weil vor allem die Kreyenberg-Brüder (zusammen 19 Tore) und Sebastian Weiß im Tor überzeugten, drehte der Spitzenreiter das Spiel so spät. Ob da auch die Coolness des Tabellenführers eine Rolle spielte? Das wollte Pysall so nicht sagen, wusste aber: „Das zieht sich ja bei uns durch die Saison. Immer wieder müssen wir neue Varianten finden.“ Und das hat auch dieses Mal geklappt. Auch wenn der Gegner und die Schiedsrichter mitspielten.

Staßfurt: Sieland, Jesse - Korin (6), Fanselow (1), Kunze (2), Dittmar (3), Loose, Panzer (5), Hagemeyer, Hoffmann (3), Ilgenstein (4)

Glinde: Weiß, Giesemann, Bartels - Bauer, Weingarte (1), Rosemeier, Maynicke, Max Kreyenberg (6), Kralik (4), Mi. Kreyneberg (13), Herrmann (1)

Siebenmeter: Staßfurt 4/3 - Glinde 7/6 Zeitstrafen: Staßfurt 3 - Glinde 3 Rot (o.B.): Kunze (15.), Mi. Kreyenberg (60.)