Staßfurt l Es wurde gebrüllt und geschubst. Wie zwei Streithähne gingen Andreas Stops und Sebastian Retting kurz vor dem Spielende aufeinander los. Dass sich der Co-Trainer und der Kapitän des HV Rot-Weiss Staßfurt in die Haare bekamen, war sinnbildlich für das Spiel der Staßfurter in der Mitteldeutschen Oberliga gegen den SV 04 Plauen/Oberlosa. Denn in diesem brodelten die Emotionen im zweiten Durchgang über. Der Frust war groß bei den Rot-Weissen, sah es doch nach der ersten Hälfte so aus, als könne das Schlusslicht gegen den Tabellendritten punkten. Doch mit dem 24:28 (14:11) zogen die Elbestädter wieder einmal den Kürzeren.

Doch was war passiert zwischen Stops und Retting? Der Kapitän handelte sich eine unnötige Zeitstrafe ein (58.). Und auch wenn Stops bezüglich der kleinen Rauferei zugibt: „Das sieht für die Zuschauer blöd aus und tut mir leid.“ Er sagt genauso: „Es gibt Sachen, die gehen nicht, auch nicht für den Kapitän.“ Er konnte über diese Aktionen nach dem Spiel schon wieder scherzen: „Wir hatten eine Meinungsverschiedenheit und haben uns eben nett umarmt.“ Dem Co-Trainer zeigen solche Aktionen nur, dass „wir das nicht einfach so wegstecken“. Der Adrenalinpegel war am Sonnabend sehr hoch.

Das bekam auch Oliver Jacobi zu spüren. Der Kreisläufer wurde von Linus Roth überhart gefoult (52.). Er regte sich dabei so sehr auf, dass er sich dazu hinreißen ließ, dem Gegenspieler einen Vogel zu zeigen. Die Schiedsrichter quittierten das mit der Blauen Karte. Die Verhältnismäßigkeit zum unfairen Zweikampf des Gegenspielers, der „nur“ die Rote Karte sah, sei einmal dahingestellt. Das anschließende Pfeifkonzert sprach für sich. Zu diesem Zeitpunkt führten die Gäste mit 23:20, das Spiel war spätestens mit dieser Aktion gelaufen. Die Gastgeber brachten sich selbst um die Punkte. Wieder einmal.

Starke Anfangsphase

Denn zu Beginn des Spiels spiegelten sich die Kräfteverhältnisse der Tabelle auf der Platte keineswegs wider. Die Staßfurter überzeugten mit guter Abwehrarbeit und souveränen Abschlüssen. Auch Patrick Tuchen erwischte im Tor einen sehr guten Tag, entschärfte einige Angriffe von Plauen/Oberlosa und leitete Konter ein. Das 5:3 von Retting (12.) zwang die Gäste zu einer Auszeit. Doch auch die nützte nichts. Tobias Ortmann tankte sich durch die Mitte und stellte auf 6:3 (13.).

Diese Drei-Tore-Führung hatte über die ersten 30 Minuten Bestand. Weil Staßfurt nie nachließ. Auch in doppelter Unterzahl gelang den Gastgebern durch Jacobi ein Tor (17.). Das 10:7 von Nils Hähnel nach 22 Minuten war ebenfalls sinnbildlich. Der mit acht Toren beste Werfer hatte den Ball nach einem Pass zunächst nicht gefangen, setzte aber nach und markierte den Treffer dennoch. „Das war super in der ersten Hälfte. Wir haben es dem Gegner sehr schwer gemacht“, lobte auch Stops.

Doch mit der Pause kam auch ein Bruch im Spiel. Die ersten zehn Minuten nach dem Seitenwechsel blieb der HV Rot-Weiss ohne Tor. Die Drei-Tore-Führung verpuffte. Die Gäste gingen durch Roth in Führung (15:14, 40.). „Wir waren im Angriff überhaupt nicht mehr koordiniert“, klagte Stops. Zwar konnte Hähnel das Spiel mit einem Doppelpack wieder drehen (16:15, 42.), doch das Blatt wendete sich nicht mehr. Die Gäste zogen innerhalb von drei Minuten auf 19:16 davon, die Staßfurter schauten nur zu.

Auch die fehlende Kondition spielte eine Rolle. „Unsere Spieler sind auch alle keine 21 Jahre mehr. Uns fehlten adäquate Wechseloptionen“, so Stops. Zwar saß mit Paul Hoffmann auch ein junger Außenspieler auf der Bank. Der hatte aber nicht nur das Spiel der Zweiten in den Knochen, sondern war auch leicht angeschlagen. So mussten Leistungsträger wie Hähnel, Retting und Jacobi nahezu durchspielen. Dass dann irgendwann die Kräfte versagen, ist verständlich.

Nach der Blauen Karte erhöhten die Gäste sogar noch auf 24:20 (54.). Die Staßfurter konnten zwar nochmal auf 22:24 (55.) und 23:25 (56.) verkürzen, wirklich gefährdet war der Auswärtssieg des Tabellendritten in der Schlussphase aber nicht mehr. „Eine gute Halbzeit reicht in dieser Liga leider nicht für einen Sieg“, wusste Stops.

Nach der siebten Niederlage der Staßfurter in Folge war es dann schon fast verständlich, dass Stops und Retting aneinander gerieten. Wichtig war in diesem Zusammenhang aber auch eine Aktion nur wenige Sekunden später. Die beiden Streithähne klatschten sich ab und signalisierten: Es ist alles okay. Der Teamgeist ist nach wie vor vorhanden beim HV Rot-Weiss. Nur die Punkte fehlen.

Staßfurt: Tuchen, Schliwa - Hoffmann, Zimnick, Ortmann (1), Engelhardt (1), Retting (5), Jacobi (6), Steinbrink, Spadt (3), Schöne, Hähnel (8)

Siebenmeter: Staßfurt 1/1 - Plauen 7/6 Zeitstrafen: Staßfurt 10 - Plauen 4 Rot (o.B.): Roth (52.), Ortmann (60.) Rot (m.B.): Jacobi (52.)