Staßfurt l Besondere Momente brauchen besondere Aktionen. Das dachten sich wohl auch die Vereinsverantwortlichen vom HV Rot-Weiss Staßfurt und die Vertreter der Stadt Staßfurt. Am Sonnabend absolvierte der Sachsen-Anhalt-Ligist sein Premierenspiel in der neuen und schicken Salzland-Sporthalle und hatte dazu ein freilich buntes Rahmenprogramm zusammengetrommelt. Neben dem Grußwort des Oberbürgermeisters Sven Wagner gab der Sound der Blaskapelle dem offiziellen Debüt einen schmucken Rahmen.

Nein, lumpen ließen sich die Staßfurter am Wochenende nicht. Und weil auch die Mannschaft dem pompösen Programm in nichts nach stehen wollte, feuerte der Aufstiegsfavorit in der Sachsen-Anhalt-Liga auch ein sportlich attraktives Zeichen ab. Mit 40:19 (24:9) schoss der HV Rot-Weiss den Aufsteiger HSG Osterburg aus der Halle. Ein Spektakel, das die rund 500 Zuschauer, von denen es die meisten mit dem Gastgeber hielten, verzückte. Besonders die erste Halbzeit hielt einige Zungenschnalzer bereit.

Doch im Angesicht des Beginns der neuen Ära musste auch die Mannschaft erst einmal in das Spiel finden und lernen, mit dem Druck umzugehen, der definitiv da war. „Wir waren anfangs verunsichert in der Abwehr“, sagte Trainer Sven Liesegang. „Danach wurden aber die Zuspiele besser. Über eine super Abwehr und einen guten Torwart haben wir uns dann befreit.“

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Viele Gegenstöße beim HV Rot-Weiss

So zog Staßfurt nach dem 5:2 (7.) schnell auf 10:4 (13.) und 20:6 (25.) davon. In dieser Phase ratterte kein Rädchen im Getriebe. Welches System oder welchen Spieler die Gastgeber auch ins Laufen brachten, am Ende mussten die Osterburger immer hinterherschauen. Frank Götzky im Tor der Gäste konnte dem neutralen Zuschauer leid tun. Was auffiel: Besonders das schnelle Spiel funktionierte prächtig. Schon in der ersten Halbzeit gelangen den Rot-Weissen mehr als ein halbes Dutzend Tore durch Gegenstöße. Die Routiniers um Sebastian Retting, Oliver Jacobi, Nils Hähnel und Christian Schöne, die das Vertrauen des Trainers in der Startsieben bekommen haben, stellten eine gut funktionierende Abwehr, die mit leichten Ballgewinnen einfache Tore einleitete. Weil auch die zweite Welle und der Positionsangriff funktionierten, hatten sich die Bodestädter schon zur Halbzeit ein stattliches 24:9-Polster erspielt. Die Begegnung war bereits zur Pause entschieden.

Auch deshalb nutzte Liesegang die zweite Halbzeit für Experimente. Jacobi, Hähnel, Retting und Schöne brauchten überhaupt nicht mehr einzugreifen. Nun bekamen besonders die Neuzugänge Martin Strnad, Robert Reiske und Gabor Vadaszi ausgedehnte Spielzeiten. Sukzessive wurde der Vorsprung weiter ausgebaut, doch die nötige Durchschlagkraft fehlte nun in einigen Momenten. „Es war schwierig für uns, die Konzentration hochzuhalten“, meinte Liesegang. „Im Rückraum haben wir einige schlechte Entscheidungen getroffen. Durch die Wechsel kam bei uns ein Bruch ins Spiel.“

Zweite Garde hat noch Reserven

Was nach Meckern auf hohem Niveau klang. Aber auch verdeutlichte, dass Staßfurt keineswegs am Limit gespielt hat. Gerade das Zusammenspiel in der zweiten Garde funktionierte noch nicht reibungslos. „Man hat gemerkt, dass wir im Rückraum dann ohne Linkshänder gespielt haben“, so Liesegang. Trotzdem zeigten Strnad und Reiske anschaulich, welchen Wert sie für die Mannschaft haben können. Beide wechselten permanent die Positionen im Rückraum und verhalfen dem Staßfurter Spiel zu ungeahnter Schnelligkeit. Staßfurt wird noch viel Freude an dem Rückraum-Duo haben. Auch Vadaszi und Mario Meißner, der in der Start-Sieben randurfte, versteckten sich nicht und ließen ihr Potential erkennen.

„Heute gab es noch keine Stresssituation. Es wird spannend zu sehen, wie die Mannschaft das dann löst, wenn wir andere Gegner haben“, sagte Liesegang. Denn Osterburg war an diesem Sonnabend – so hart das auch klingt – Kanonenfutter für Staßfurt.

Auch wenn die Gastgeber kaum gefordert wurden, für den Moment konnten alle Beteiligten zufrieden sein. Das zeigte sich auch in der Verteilung der Treffer. Elf verschiedene Schützen durften sich ins Protokoll eintragen. Alle Spieler durften Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben tanken. Und der Blick auf die Tabelle tut ebenfalls gut. Denn der erste Tabellenführer der Sachsen-Anhalt-Liga in der Saison 2018/2019 ist der HV Rot-Weiss Staßfurt. Der Grundstein für den sofortigen Wiederaufstieg in die Mitteldeutsche Oberliga ist gelegt.

Staßfurt: Schliwa, Tuchen – Fanselow (4), Reiske (4), Retting (3/2), Jacobi (5), Vadaszi (2), Steinbrink (5), Frank (1), Spadt, Strnad (4), Schöne (3), Hähnel (6), Meißner (3)

Siebenmeter: Staßfurt 2/2 – Osterburg 4/3 Zeitstrafen: Staßfurt 2 – Osterburg 2