Staßfurt l Gestern lag Tobias Ortmann noch gemütlich am Strand in der Türkei und ließ sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Heute ist er beim wichtigen Spiel des HV Rot-Weiss Staßfurt in der Mitteldeutschen Oberliga gegen die SG Pirna/Heidenau (Anwurf 19 Uhr) schon wieder dabei. Wie das geht? „Wir haben die Flüge extra so gelegt, dass ich pünktlich wieder da bin“, berichtet Ortmann.

Das zeigt, wie wichtig ihm seine „neue“ Aufgabe ist. Seit dieser Saison gehört der noch 26-Jährige, der morgen Geburtstag hat, wieder zum festen Kader der Staßfurter. Während seines Medizinstudiums hatte er sich etwas zurückgezogen, jetzt möchte er der Mannschaft wieder helfen. So begleitete er das Team zum Trainingslager und merkte in Testspielen, dass es immer noch gut klappt.

Nach Gesprächen mit den Trainern war schnell klar, dass Ortmann wieder in das Team integriert werden soll. „Wenn es Zeit und Schulter zulassen, bin ich dabei“, sagt er. Und das sind seine beiden Schwierigkeiten. Zum einen arbeitet der Arzt über 50 Stunden in der Woche, schafft es aber dennoch einmal die Woche zum Training. „Zu den Spielen organisiere ich es dann immer so, dass ich dienstfrei bekomme.“ Zum anderen leidet er nach wie vor etwas an einer Schulterverletzung, die damals auch zu seinem „Kürzertreten“ geführt hatte. „Es schmerzt noch etwas und ich kann dadurch nicht ganz so hart werfen wie zuvor, aber es geht schon.“

Die Mannschaft entlasten

Dass er beim HV Rot-Weiss aber nicht in erster Linie durch einen harten Wurf glänzt, weiß Ortmann selbst: „Ich möchte die Mannschaft entlasten und von den Emotionen her vorneweg gehen.“ Er möchte seinen Teil dazu beitragen, dass der HV Rot-Weiss „nichts mit dem Abstieg zu tun bekommt“, sagt er selbst. Auf seinen Stammpositionen Linksaußen und Mitte ist er dabei variabel einsetzbar.

Aber der Mediziner ist nicht der einzige Rückkehrer. Auch Patrick Tuchen und Nils Hähnel sind seit dieser Saison wieder fester Bestandteil des Teams und bringen „eine Menge Erfahrung“ mit. Genauso wie die wirklich Neuen Christian Schöne und Andreas Steinbrink, „die perfekt in das Mannschaftsgefüge passen und einfach nur einen Gewinn darstellen“, so Ortmann. Dieses deutlich erfahrene Team will nun den nächsten Schritt mit einem Heimsieg gegen die SG Pirna/Heidenau machen.

Der Gegner, in der vergangenen Saison haben sie die Staßfurter als ESV Lokomotive Pirna zweimal besiegt, ist laut Ortmann „leicht verändert“. Dennoch warnt der Staßfurter: „Sie bringen eine hohe individuelle Klasse mit.“ Bislang sind sie nach drei Spielen jedoch noch punktlos. Chance oder Gefahr? Auch Ortmann sieht das zwiegespalten: „Wir werden sie nicht unterschätzen. Aber die zwei Punkte sind Pflicht. Wir wollen zuhause ungeschlagen bleiben. Wir hoffen auf so eine klasse Stimmung wie im Derby zuletzt.“ Zwar werden den Staßfurtern gegen Pirna/Heidenau einige Spieler fehlen, das werden sie aber nicht zuletzt auch durch Emotionalität ausgleichen wollen. Und da kommt auch ein Tobias Ortmann als Leader ins Spiel. Ein Heimsieg wäre für ihn ein schönes vorgezogenes Geburtstagsgeschenk.