Staßfurt l Damit hätte kaum jemand gerechnet: Beim Blick auf das Protokoll wurde klar, der BSV 93 Magdeburg reiste zum Achtelfinale nach Staßfurt, um dort beim Verbandsligisten weiterzukommen. Doch für den amtierenden Pokalsieger kam es ganz anders. Der HV Rot-Weiss erwies sich als Pokalschreck und machte den Magdeburgern einen Strich durch die Rechnung. Mit dem 30:23 (10:13)-Sieg zieht die Sieben von Mario Kutzer ins Viertelfinale ein. Und begeisterte den Trainer: „Der Kampf und der Wille waren entscheidend. Dass der BSV mit der vollen Kapelle anreiste, hat die Jungs nur noch zusätzlich motiviert.“

Schon in der ersten Hälfte war der Klassenunterschied deshalb kaum zu sehen. Beim Stand von 2:2 in Unterzahl zeigte Andreas Jesse zwei gute Paraden, Tino Korin tankte sich vorn gegen zwei Spieler durch und brachte die Hausherren in Führung (3:2, 8.).

Es war ein offener Schlagabtausch. Der reaktivierte Eike Rach erzielte nach seiner ersten Einwechslung mit dem ersten Ballkontakt das 5:5 (14.). Dass der Rückraumspieler dabei war, trug auch zum Erfolg bei: „Wir wollten über die komplette Spielzeit schnell spielen. Und dadurch konnten wir durchwechseln und immer wieder mit voller Power kommen“, sagte Kutzer. Und die gleichwertigen Wechseloptionen in der Aufbaureihe waren nicht nur ein Vorteil in der Fitness, sondern trugen auch zur Unberechenbarkeit bei.

Unterzahl

Dennoch haben die Gastgeber bis zur Pause etwas den Faden verloren. Und das lag vor allem am für die Staßfurter leidigen Thema Überzahl. Dass der wurfgewaltige Magdeburger Falko Nowak eine Zeitstrafe kassierte (21.), war nicht etwa ein Vorteil. Weil Rach und Paul Hoffmann vergaben und der Sachsen-Anhalt-Ligist auch in Unterzahl eiskalt agierte, zog er auf 11:8 davon (23.). Diese Drei-Tore-Führung verteidigte der Favorit bis zur Pause.

Doch für Kutzer war das noch kein Grund zur Sorge. „Drei Tore sind kein Ding“, machte er seinen Schützlingen in der Halbzeit klar. Er wusste natürlich, dass den Gastgeber in der ersten Hälfte „ein paar unnötige Fehler“ unterliefen, dennoch entschied er, nicht von der Taktik abzuweichen.

Und seine Spieler gaben ihm recht: Mit einem 3:0-Lauf kamen sie schnell zum Ausgleich (35.). „Danach war es ein offener Schlagabtausch“, beobachtete der Coach. Eine Viertelstunde lang war alles offen. Dann kam der „Knackpunkt“ nach 50 Minuten: Zweifache Zeistrafe gegen Janis Auerbach. „Das konnten wir glücklicherweise endlich mal nutzen und haben richtig aufgedreht.“

Zunächst blieben die Gäste noch dran (23:25, 54.), dann aber sorgten drei starke Aktionen der Staßfurter für die Entscheidung. „Wir haben den BSV hinten kaputtgemacht. Unsere Deckung war stark. Wir haben am Ende offensiver gedeckt und so drei Bälle herausgefischt.“ Dreifacher Ballgewinn, dreimal startete Hoffmann und vollendete stark. Nach seinem Dreierpack stand es 28:23 und alle wussten: Die Partie ist entschieden. Und selbst dann legte der Pokalschreck nochmal nach und krönte einen sehr erfolgreichen Nachmittag.

Staßfurt: Jesse, Sieland - Rach (3), Richter (2), Langewald, Korin (4), Kunze (5), Dittmar (1), Panzer, Hoffmann (8), Engelhardt (5), Ilgenstein (2)

Siebenmeter: Staßfurt 3/2 - BSV 5/3 Zeitstrafen: Staßfurt 4 - BSV 3 Rot (m.B.): BSV-Trainer Thorsten Lantzsch (57. Beleidigung)