Borne/Westeregeln l Der Vorfall liegt schon vier Wochen zurück, sagt aber alles aus über das anstehende Spiel am heutigen Sonnabend. Rene Loewe, Co-Trainer vom Handball-Verbandsligisten Wacker Westeregeln, wurde vor dem Spiel gegen Klein Oschersleben gefragt, ob das aufgrund der Nachbarschaft der beiden Vereine denn eigentlich ein Derby wäre. Entschieden hatte Loewe damals geantwortet: „Nein, das ist kein Derby. Für uns gibt es nur ein Derby. Und das ist das gegen Germania Borne.“

Nur zehn Kilometer Luftlinie

Nicht einmal zehn Kilometer liegen zwischen der Sporthalle Wolmirsleben, in der der SV Germania seine Heimspiele austrägt, und der Sporthalle Westeregeln. Man versteht also das Statement Loewes. Am Sonnabend nun kommt es ab 16.30 Uhr in Wolmirsleben zum 24. Aufeinandertreffen der beiden Erzrivalen nach der Wiedervereinigung. Die Bilanz spricht dabei deutlich für die Grün-Weißen. 18 Siege konnte Wacker gegen Borne einfahren. Nur fünfmal gingen die Schwarz-Gelben als Sieger vom Parkett.

Und auch für das Duell am Sonnabend sind die Ausgangslagen mehr als eindeutig. Borne ist das abgeschlagene Schlusslicht, Wacker steht im gesicherten Mittelfeld. Auch das Hinspiel ging an Westeregeln. Mit 35:22 schossen die Wacker-Männer den Rivalen am 28. Oktober 2017 aus der eigenen Halle.

Einig sind sich die beiden Teams über einen Fakt: Heute wird es eine engere Kiste. „Die Trainersituation ist eine andere“, erklärt Loewe. Auch das Personal ist ein anderes. „Mit Guido Lahne hat Borne ja einen Spieler reaktiviert.“ Der im Hinspiel noch verletzt war. Auch Florian Willner ist heute an Bord. Auch dieser fehlte im vergangenen Oktober. Und dann ist da ja noch Benjamin Prosowski. Nicht nur, dass der Ex-Coach der Borner seit November wieder an der Seitenlinie steht. In den vergangenen Partien sah man ihn sogar wieder als spielenden Trainer auf dem Parkett. Und er gab dem stark verunsicherten Team vor allem in der Deckung sehr viel Halt, strömte dem abgeschlagenen Schlusslicht wieder neues Selbstbewusstsein ein. Nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten.

Ob das auch heute eine Option ist? Borne hält sich bedeckt. „Das ist bei ihm auch immer ein Bauchgefühl“, erklärt Co-Trainer Sven Klippstein. Erst beim Abschlusstraining am gestrigen Freitag wurde das entschieden. Und hätte Klippstein es schon am Nachmittag gewusst: Er hätte das der Öffentlichkeit wohl nicht mitgeteilt. Kleine Überraschungen und Geheimnisse soll es dann doch geben.

Klar ist aber auch: Darüber hinaus gibt es kaum Geheimnisse. Zu oft sind die Teams gegeneinander angetreten, zu oft wurden in den vergangenen 20 Jahren die Klingen gekreuzt. Borne weiß: Im Rückraum läuft fast alles über Jimmy Klockmann. „Dazu spielt Wacker ja gern über den Kreis und sehr schnell. Das müssen wir unterbinden“, erklärt Klippstein. Wie? Ganz einfach. „Wir müssen vorn das Tor machen, dann kommt Wacker nicht in den schnellen Gegenangriff.“ Was es noch braucht gegen favorisierte Westeregelner: „Eine gute Abwehr, eine gute Chancenverwertung, die Fehler müssen wir zudem minimieren“, erklärt Klippstein.

Am Dienstag waren die Borner im Training zu acht. Das kommt nicht so oft vor. Da konnten noch einmal ein paar Abläufe in Angriff und Abwehr im 4:4 trainiert werden. „Wir haben gut trainiert“, so Klippstein. Zudem tritt Borne mit der wieder breiteren Brust an nach dem 26:25-Erfolg vor einer Woche gegen die SG Seehausen. Es war der erste Sieg nach zuvor acht Pleiten in Serie. Aber der Erfolg gegen Seehausen hatte sich angedeutet. Schon in den Wochen davor zeigte Germania eine ansteigende Formkurve. „Wir haben doch nichts zu verlieren. Wir haben keinen Druck, die Spieler sollen einfach Spaß haben.“ Und vielleicht hilft der Derbycharakter? „Ach, für uns ist das ein Spiel wie jedes andere, so gehen wir auch da rein“, sagt Klippstein.

Anders ist das bei Wacker der Fall. Da sind schon Emotionen drin. Gerade, weil Westeregeln in den vergangenen Jahren sehr oft Sieger war im Derby, geht auch Rene Loewe mit einer gewissen Vorfreude in das Spiel. „Ich würde lügen, wenn ich sage, dass die positive Bilanz für uns mich nicht freut. Da schaut man gerne hin.“ Aber auch Wacker weiß, wo die entscheidenden Schaltstellen beim SV Germania sind. Christian Fink und Sebastian Scholz sind nach wie vor die wichtigsten Shooter. „Diese beiden dürfen wir nicht heiß laufen lassen“, warnt Loewe. „Darauf liegt unser Augenmerk.“

Und Loewe hat auch eine schöne Derbyerinnerung, die ihn anspornt. Der heutige Co-Trainer saß am 7. Januar 2012 im Publikum, als Wacker in Egeln den SV Germania mit 28:27 besiegen konnte. Clemens Grafenhorst, der heute beim HC Aschersleben in der Oberliga spielt, warf den Siegtreffer in der letzten Sekunde für Grün-Weiß. „Das war ein schönes Erlebnis“, sagt Loewe. Das will Wacker Westeregeln wiederholen. Und auch wenn die Feindschaft nicht mehr ganz so groß ist wie früher. Nachbarschaftshilfe im Abstiegskampf wird es von Wacker nicht geben. „Niemals“, sagt Loewe. „Dafür ist die Rivalität zu groß.“