Staßfurt l Nur eine Minute lag zwischen kleiner Euphorie und großem Enthusiasmus. Als Paul Hoffmann nach einem Konter zum 14:10 für den HV Rot-Weiss Staßfurt traf, zeigte sich vor allem eine kleine Gruppe weiblicher Fans mit Jubelrufen beeindruckt. Als im Gegenzug dann aber Sebastian Schliwa stark parierte, brach die gesamte Tribüne in Freude aus (27.). In dieser Phase des Spiels kippte das Sachsen-Anhalt-Liga-Duell der Staßfurter gegen den HSV Magdeburg ganz klar zugunsten der Gastgeber, die am Ende deutlich mit 37:20 (16:11) siegten.

Und die beiden Aktionen verdeutlichten auch, warum es so ein klarer Sieg wurde. Schliwa ließ nämlich noch zahlreiche Paraden folgen. Gleich 20 Mal war der Mann zwischen den Staßfurter Pfosten Sieger im Eins-gegen-eins, drei Mal auch bei Strafwürfen. „Er hat sehr stark gespielt, deshalb wurde der Sieg so deutlich“, lobte Trainer Sebastian Retting den Kapitän. Aber nach seinen Paraden passten eben auch meist die Konter, die Hoffmann und Co. gut nutzten. „Wir waren von der Geschwindigkeit überlegen und haben viele einfache Tore erzielt“, freute sich Retting.

Zu Beginn war das jedoch noch nicht der Fall. „Da haben wir uns noch schwer getan und die Konter nicht gut ausgespielt“, analysierte der Coach. Zwar war vor allem Danijel Arapovic gut drauf und markierte die ersten drei Tore. Die Magdeburger haben aber auch immer wieder Lücken gefunden und blieben deshalb bei den Zwischenständen 4:4 (7.) und 6:6 (11.) dran. Die 7:6-Führung, die Oliver Jacobi nach guter Arapovic-Vorarbeit markierte, ließen sich die Staßfurter dann aber nicht mehr nehmen. Doch der HSV blieb bis zum 10:11 (22.) von Michael Jahns dran. Den 2,01-Meter-Mann bekamen die Bodestädter insgesamt aber sehr gut in den Griff, teilweise auch durch eine Manndeckung vom einen Kopf kleineren Mario Meißner.

Anschließend trafen die Staßfurter vier Mal in Folge und durften sich kurz vor der Pause schon recht sicher fühlen. Richtig deutlich wurde es dann aber erst nach dem Seitenwechsel. Und dabei spielte wieder der Ex-Profispieler Jahns eine Rolle. Der 42-Jährige sah in der 34. Minute nämlich glatt Rot. „Das war berechtigt. Es war keine Absicht, aber er hat Danijel voll getroffen“, beschreibt Retting das Foul an Arapovic. Dieser war folglich dann zwar angeschlagen, aber nicht so sehr wie der Gegner, dem ohne Jahns sämtliche Stabilität in der Deckung verloren ging. „Der HSV hatte danach nichts mehr entgegenzusetzen“, beobachtete auch der Staßfurter Coach.

Mehrere Staßfurter zeichnen sich aus

Und so konnten sich die Hausherren Tor um Tor immer weiter absetzen. Und gleich mehrere Spieler zeichneten sich dabei aus. Bester Werfer war der ohnehin formstarke Tim Steffen mit acht Toren. Aber auch Alexander Ernst war treffsicher und vor allem gnadenlos effizient. „Er hat sieben Mal aufs Tor geworfen und alle Bälle waren drin“, drückte Retting anhand einer Statistik aus, wie zufrieden er mit Ernst war. „Auf ihn ist immer Verlass, in Angriff und Abwehr.“ Auch Außenspieler Lieven Rach war im Konterspiel „sehr sicher“ und kam auf sechs Buden.

So wie bei seinem Doppelpack zum 27:15 (46.), mit dem das Duell gegen das neue Schlusslicht (0:10 Punkte) längst entschieden war. Die Staßfurter probierten folglich taktisch noch ein bisschen was aus, agierten auch mal mit einem siebten Feldspieler und gaben Florian Lück erste Einsatzminuten nach seiner Handverletzung. „Wir haben am Ende verdient gewonnen. Wären wir noch ein bisschen cleverer gewesen, hätten wir auch 40 Tore machen können“, gab Retting an, drückte aber gleichzeitig auf die Euphoriebremse. „Wir dürfen das Ergebnis nicht überbewerten.“

Zumindest eine Woche lang stehen die Staßfurter aber wieder auf dem ersten Rang. Am kommenden Wochenende, wenn die Staßfurter spielfrei haben, könnten die drei Verfolger jedoch vorbeiziehen. Der HV Rot-Weiss will die zwei Wochen Spielpause aber mit intensiven Training und auch einem Testspiel gegen den HC Aschersleben nutzen. Am 26. Oktober steht dann erneut ein Heimspiel gegen die SG Kühnau an.

Staßfurt: Schliwa, Kleineidam - Stapf (2), Ernst (7), Jacobi (5), Steffen (8), Steinbrink, Rach (6), Hoffmann (1), Strnad (2), Schöne (1), Lück, Arapovic (4), Meißner (1)

Siebenmeter: Staßfurt 4/4 - HSV 6/3 Zeitstrafen: Staßfurt 3 - HSV 5 Rot (o.B.): Jahns (34.)