Staßfurt l „Manchmal habe ich den Eindruck, ich bin der Einzige in diesem Land, der mehr ans Training glaubt, als an Transfers“, sagte Fußball-Trainer Jürgen Klopp einst über die Transferpolitik der direkten Konkurrenten in der Fußball-Bundesliga.

In ein ähnliches Horn stießen zuletzt die Verantwortlichen bei Handball-Sachsen-Anhalt-Ligist BSV 93 Magdeburg. Die Wechsel von gleich drei Stammspielern zum HV Rot-Weiss Staßfurt waren den Landeshauptstädtern sauer aufgestoßen. Allen voran Sportchef Jens Ziegler, der verkündete, dass seine Mannschaft im kommenden Jahr auf Grund des kleineren Kaders in der Verbandsliga an den Start gehen wird und in diesem Zusammenhang verlauten ließ: „Unsere Nachwuchsarbeit ist aber nach wie vor top. Was man von Vereinen wie Staßfurt nun wirklich nicht sagen kann. Spieler in der fünften Liga mit Geld zu locken, halte ich für sehr bedenklich.“

Eine Aussage, die man in der Bodestadt so nicht auf sich sitzen lassen will. „Was die Spieler gereizt hat, war in erster Linie die sportliche Perspektive, das ist in den Gesprächen klar geworden“, erklärt Vereinschef Patrick Schliwa. „Die Spieler wollen in die Mitteldeutsche Oberliga, genau wie der Verein. Dieses Ziel wollen wir mit Spielern aus der Region erreichen und da zähle ich Magdeburg mit dazu.“

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Dass man sich in Sachen Nachwuchsarbeit jedoch (noch) nicht mit den Landeshauptstädtern messen kann, ist auch klar. Während die beiden Magdeburger Mannschaften mit 15 (BSV 93) beziehungsweise elf Nachwuchsteams (HSV Magdeburg) auf den größten Jugendkader aller Teams in der vergangenen Sachsen-Anhalt-Liga-Saison blicken können, waren es bei den Rot-Weissen nur fünf. Doch der Grund dafür ist schnell ausgemacht. Die Nachwuchsarbeit bei den Bodestädtern „wächst von unten“, wie Schliwa es beschreibt. „Wir haben zwei E-Jugend-Mannschaften und bis zur B-Jugend Teams in allen Altersklassen. Allzu schlecht kann unsere Nachwuchsarbeit also auch nicht sein.“

Um diese weiter voranzutreiben, wird bei den Staßfurtern auch in den kommenden Jahren sehr viel Wert auf die Nachwuchsförderung gelegt. Eine männliche A-Jugend wird es noch nicht geben. Um drei A-Junioren aus der Bodestadt dennoch die Chance zu geben, in ihrer Altersklasse Handball zu spielen, werden diese für Aschersleben an den Start gehen. Auch in der C-Jugend wird es eine Kooperation geben. Gespielt wird gemeinsam mit den Altersgenossen aus Westeregeln. „Wir wollen mit dieser Maßnahme altersschwache Jahrgänge überbrücken“, gibt Schliwa zu verstehen.

Doch spätestens nach Ende ihrer Zeit im Jugendbereich sollen die Spieler nach Staßfurt zurückkehren. „Wir legen großen Wert darauf, dass wir in der Zukunft wieder Spieler aus den eigenen Reihen in die Männermannschaften aufnehmen können. Denn diese zeichnet eine besondere Verbundenheit zum Verein aus, auch wenn es einmal weniger gut laufen sollte“, so der Präsident des HV Rot-Weiss. Einer, der diese Verbundenheit in der Vergangenheit gelebt hat, ist Christian Schöne. Für die neue Saison wurde sein Vertrag für die erste Mannschaft nicht verlängert, doch Schliwa hatte bereits angekündigt, dass man hoffe, dass der Außenspieler dem Verein dennoch erhalten bleibt. Nun haben die Staßfurter ihm angeboten, die männliche B-Jugend zu trainieren und gleichzeitig in der zweiten Mannschaft weiterzuspielen. Schöne habe jedoch noch keine Entscheidung getroffen.

Tradition aufleben lassen

Bis aus dem eigenen Nachwuchs Spieler in den Sachsen-Anhalt-Liga-Kader aufrücken können, schaut man beim Zweiten der abgelaufenen Saison vorerst bei den benachbarten Vereinen, ob ein Spieler die Mannschaft sinnvoll verstärken würde. „Dabei fließen jedoch keine Unsummen, um die Akteure von uns zu überzeugen, sondern lediglich eine Aufwandsentschädigung, was auch in Liga fünf nicht ungewöhnlich ist“, gibt Schliwa zu verstehen. „Schließlich ist es unser Ziel, nicht in dieser zu bleiben, sondern die alte Tradition von höherklassigem Handball in Staßfurt wiederaufleben zu lassen.“ In der Vergangenheit spielten die Salzstädter für kurze Zeit auch in der DDR-Liga, zuletzt als SV Concordia in der Regionalliga.

In ähnliche Höhen will Schliwa mit dem HV Rot-Weiss wieder vorstoßen. Dafür muss und will der Verein weiterhin Geld in die Hand nehmen. Die Sponsoren stehen hinter dieser Entscheidung, das wurde kürzlich in einer Sponsorensitzung deutlich. Die gesamte Region lechzt danach, an die früheren Erfolge anzuknüpfen.