Wolmirsleben l Da kam sich dann auch Sven Klippstein ein bisschen veralbert vor. 19:28 lagen die Handballer vom SV Germania Borne am Sonnabend im Derby der Verbandsliga gegen Wacker Westeregeln zurück, da griff der Co-Trainer in der 45. Minute zur Auszeit, um an einfache Dinge zu erinnern. „Jetzt macht mal ein bisschen Druck hier“, hörte man ihn da schimpfen. Oder: „Jetzt wehrt euch doch mal.“ Keine konkreten Dinge wollte er sehen, er appellierte an die Moral. Und kopfschüttelnd musste er nur eine Viertelstunde später einsehen: Keine seiner Worte waren angekommen. „Das war enttäuschend. Es ist, als ob du mit einer Wand sprichst.“

Denn im einseitigsten Derby aller Zeiten gewann Wacker am Sonnabend mit 38:23 (16:12) beim SV Germania Borne. Und Klippstein, der den kurzfristig verletzten Benjamin Prosowski als Chefcoach ersetzt hatte, war vor allem von der zweiten Halbzeit irritiert. „Das war ja Standhandball. Vorn haben wir uns gequält und hinten gab es überhaupt keine Abwehr.“ Mit einem Sieben-Tore-Lauf zogen die Gäste vom schon deutlichen 27:19 (44.) auf 34:19 (51.) davon. Das war mindestens ein Zwei-Klassen-Unterschied im einst heiß umkämpften Derby.

Bei Wacker freute man sich freilich über den höchsten Derbysieg aller Zeiten. Vor allem darüber, mit wie viel Tempo die Grün-Weißen spielten. „Wann haben wir denn mal einen Positionsangriff gespielt?“ fragte Wackers Co-Trainer Rene Loewe. Die Antwort: fast nie. Das Mittel war simpel und effektiv. Nach Ballgewinnen in der Abwehr oder gehaltenen Bällen von Torwart Andreas Howahl flog der Ball immer wieder über 20 Meter quer über das Feld. Meist war Rückraumspieler Jimmy Klockmann ein dankbarer Abnehmer. Er sprang kurz hoch, zielte und traf. Am Ende waren es 15 Buden.

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Kuhle zeigt sich als Anführer

Aber auch Mittelmann Florian Kuhle lief zur Hochform auf. Sein Geschwindigkeitsvorteil gegenüber der äußerst trägen Borner Abwehr war signifikant. Immer wieder tänzelte Kuhle an den stocksteifen Bornern vorbei und traf. Und traf und traf. Am Ende acht Mal. „Florian hat mir sehr gefallen, er hat sich als Anführer gezeigt“, lobte Loewe. Und auch die Manndeckung gegen Klockmann störte überhaupt nicht. „Daran sind wir ja gewöhnt.“ Dann sprangen eben die anderen in die Bresche.

Dass Borne sich in Halbzeit zwei so schwer tat im Angriff, lag auch daran, dass Christian Fink fehlte. Der routinierte Rückraumspieler war kurzfristig erkrankt. „Er fehlt mit seiner Qualität. Wir haben im Rückraum nicht so viele Alternativen“, meinte Klippstein. „Es ist leicht gesagt, dass die anderen dann in die Bresche springen müssen.“ Das gelang nur in der ersten Halbzeit.

Denn 20 Minuten sah es so aus, als könnte Borne das Duell auf Augenhöhe gestalten. Sebastian Scholz, der zwischen Linksaußen und Rückraum hin- und herpendelte, zerrte da immer wieder an den Ketten. Florian Willner auf Rechtsaußen gelangen immer wieder Tore aus dem Positionsangriff. Auch ohne Fink waren Geduld und Lücken vorhanden. Das verdankte Borne auch einem zu Beginn prächtig aufgelegten Daniel Brinkmann im Tor. Da gab es sogar Lob vom Gegner. „Er hat super gehalten“, so Loewe. Als dieser aber keine Hand mehr an den Ball bekam und Willner und Scholz die Lücken nicht mehr fanden, drehte sich die Negativspirale immer tiefer ins Borner Unglück.

Schaulaufen der Westeregelner

Da verkam die zweite Halbzeit zum Schaulaufen der Westeregelner. Loewe imponierte da auch, wie der kleine Kader mit den vielen Zeitstrafen umging. Marcel Pufahl hatte schon in der 16.  Minute die zweite Bestrafung bekommen, Sebastian Schneider folgte in der 27. Minute. Beide mussten sich folglich zurückhalten, um nicht die dritte Strafe zu bekommen, die eine Rote Karte nach sich gezogen hätte. „Das hat die Mannschaft gut gelöst“, sagte Loewe. Der Dominanz tat das keinen Abbruch.

Am Ende konnte sogar Christian Jakobi, der vergangene Woche noch der Matchwinner im Tor war, als Kreisläufer seinen Körper einsetzen und vier wuchtige Tore erzielen. „Er ist eine unfassbare Verstärkung“, sagte Loewe. Nicht nur ihm gelang auf Wacker-Seite an diesem Sonnabend alles. „Mir fehlen die Worte“, sagte Klippstein. Wacker aber tanzte nach dem Spiel im Kreis. Borne schüttelte den Kopf. Es war vielleicht das vorerst letzte Derby, Borne steht kurz vor dem Abstieg. Es tat den Gastgebern weh, dass dieser Eindruck vom Sonnabend vielleicht für Jahre hängen bleiben wird.

Borne: Brinkmann, Schulz - Lahne, Faatz, Klippstein (2), Schafflik, Dietze, Scholz (9/1), Schulze, Neugebauer, Wegener (6), Th. Halfpap, Willner (6)

Wacker: Howahl - Kuhle (8), Liebscher (2), Chrzan (1), Klockmann (15), Gorges (4), T. Fischer (3), Schneider (1/1), Jakobi (4), Pufahl, Linke

Siebenmeter: Borne 2/1, Wacker 2/1 Zeitstrafen: Borne 9, Wacker 7

Rot(3x2): Pufahl (60.)