Salzlandkreis l Lange Zeit war es ruhig von Seiten des Handball-Landesverbands. Seit der Ankündigung am 27. November 2020, dass der Spielbetrieb vorerst bis zum Jahresende ruht, hatte das Präsidium keine „Wasserstandsmeldungen“ mehr herausgegeben. Am Mittwoch dann der Paukenschlag. „Gedanken und Szenarien, die bisher von einer Wiederaufnahme der Spiele bis zur Mitte des März 2021 ausgegangen sind, können nicht weiterverfolgt werden“, heißt es in der Pressemitteilung des HVSA. Oder anders ausgedrückt: Die Spielzeit 2020/21, welche nur wenige Spieltage alt wurde, wird annulliert.

Für die Verantwortlichen in der Region kommt diese Entscheidung wenig überraschend. „Wir hatten uns insgeheim schon lange von dem Gedanken verabschiedet, dass wir den Spielbetrieb für diese Saison nochmal aufnehmen. Wir haben aber auch Verständnis, das die Entscheidung so lange gedauert hat“, erklärt beispielsweise Marcel Pufahl, Trainer der Verbandsliga-Sieben von Wacker Westeregeln. „Der Abbruch war unumgänglich, aber dennoch schade, wenn man sieht, was unsere Vereinsführung beispielsweise für die Erstellung eines Hygienekonzeptes investiert hat.“

Ähnlich sieht es Mario Kutzer, Übungsleiter bei Rot-Weiss Staßfurt II. „Wie will man das den Leuten erklären, dass ,alles‘ verboten oder geschlossen ist, aber wir spielen Handball, schwitzen und berühren uns. Mir fehlt da schon im Profisport das Verständnis, aber bei uns Amateuren noch mehr“, so der Trainer. Beide Verbandsligisten werden somit auch in der Spielzeit 2021/22 in der Nord- beziehungsweise Süd-Staffel an den Start gehen, denn Auf- und Absteiger wird es laut Pressemitteilung nicht geben.

Genau dieser Punkt stößt Kutzers Vereinskollegen und Trainer der ersten Mannschaft, Sebastian Retting, sauer auf. „Ich habe kein Verständnis, dass man nicht die Entwicklung der Corona-Pandemie abwartet und dann im April eine Entscheidung trifft“, erklärte er am Mittwoch. Er und seine Mannschaft hatten gehofft, dass der Verband sich wenigstens zu einer Playoff-Runde durchringen würde. „Die aufstiegswilligen Teams aus der Thüringen-, Sachsen- und Sachsen-Anhalt-Liga könnten – wenn es wieder möglich ist – die Aufsteiger in Turnierform ausspielen. Das hätte ich wesentlich besser gefunden, als Mithilfe bei der Organisation von Freundschaftsspielen anzubieten.“

Was für ihn aber letztlich das Fass zum Überlaufen brachte, war die Ankündigung des Mitteldeutschen Handballverbandes (MHV) zum Abbruch der Mitteldeutschen Oberliga. Darin steht, dass Aufsteiger zur 3. Liga zugelassen werden, falls diese ausgeschrieben werden. „Ich finde, das ist eine Frechheit. Aus der vierten Liga dürfen Vereine aufsteigen, aber die Vereine in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gehen leer aus, obwohl wir das Grundgerüst für den MHV bilden“, so Retting aufgebracht. Fest steht: Der HV Rot-Weiss hat – ebenso wie die Spitzenteams aus den Nachbarbundesländern – viel investiert, um erfolgreich Handball zu spielen. Wenn es sportlich nicht zum Aufstieg reicht, „habe ich Verständnis, aber so wurde uns, genau wie Spergau, Calbe oder auch Hermsdorf, ohne Not frühzeitig die Chance genommen.“

Einig sind sich aber alle: Die Gesundheit geht vor. Die weitere Unterbrechung ist berechtigt. Doch wie kann es weitergehen? „Ich befürchte, dass uns eine sehr schwierige Zeit bevorsteht. Gerade auch im Jugendbereich müssen unsere Übungsleiter alles tun, um die Jungs bei Laune zu halten“, merkt Pufahl an. Zumindest im Männerbereich hoffen jedoch alle drei Trainer, dass ihre Teams zusammenbleiben.