Staßfurt l Uwe Werkmeister kannte ein konkretes Ziel, so kurz nach dem Spiel, noch voller emotionaler Aufgewühltheit. Forschen Schrittes marschierte der lächelnde Trainer vom Handball-Oberligisten HV Rot-Weiss Staßfurt auf den neben der Bank sitzenden Cosmin Tiganasu zu, klopfte ihm zweimal auf die linke Schulter und sagte: „Glückwunsch, Cosmin. Das war ein wirklich gutes Spiel.“

Sonderlob für Tiganasu

Man muss wissen: Werkmeister ist kein Coach, der mit Sonderlob inflationär umgeht. Immer steht bei ihm die mannschaftliche Geschlossenheit und der Teamgeist an erster Stelle. Dass er nun nach dem tollen 29:26 (11:11)-Erfolg seiner Staßfurter am Sonnabend gegen Concordia Delitzsch mit der eigenen eisernen Regel brach, sagte viel über Tiganasu aus. Und das Spiel.

Nach vier Niederlagen am Stück konnte der HV Rot-Weiss den Negativtrend stoppen und zog nach Punkten mit dem Gegner gleich. Staßfurt machte einen Sprung vom vorletzten auf den elften Rang und ist punktgleich mit vier weiteren Mannschaften, die vor den Bodestädtern stehen. Es war natürlich ein kleiner Befreiungsschlag. Der aber ganz und gar nicht glücklich ausfiel. Die Staßfurter zeigten beinahe von der ersten bis zur letzten Minute eine engagierte Partie. „Über weite Strecken haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht“, analysierte Werkmeister. „Wir haben uns an den Matchplan gehalten. Wir wollten geduldig spielen, in die Tiefe gehen und Räume schaffen. Es war eine überragende Mannschaftsleistung. Vorn und hinten.“

Aus der vielleicht zwei Spieler herausragten. „Ich denke, man muss Nils Hähnel hervorheben“, sagte Abwehrchef Andreas Steinbrink. Logisch: Mit acht Toren war der bullige Linkshänder der beste Werfer des Tages. Seine dauerhafte Rückkehr in den Kader hat sich schon bezahlt gemacht.

Und dann war da natürlich Tiganasu. Der Rumäne war in seiner Körpersprache wie verwandelt. Als Mittelmann gestikulierte er viel, sagte Spielzüge an, traf zudem fleißig. Aber am wichtigsten war: Er blieb positiv. Die ganze Zeit. „Ich weiß, dass manchmal noch mein Kopf runter geht. Ich will mehr, ich kann mehr“, sagte der Rückraumspieler. „Das war heute 50 Prozent von dem, was ich kann.“ Das klang nach strenger Selbstkritik.

„Er darf Fehler machen“, meinte Werkmeister. „Aber er sollte nicht so hart mit sich selbst ins Gericht gehen. Er muss Optimismus ausstrahlen, uns ein Lächeln gönnen, eine positive Körpersprache zeigen.“ Dann wird der 26-Jährige unverzichtbar. Nachdem der im Sommer 2016 gekommene Rumäne ja lange Anlaufschwierigkeiten hatte. Nun hat er soviel Selbstvertrauen, dass er in der 39. Minute einen „No-Look-Pass“ auf Oliver Jacobi ansetzte. Der Kreisläufer bedankte sich mit dem 17:15.

Offenes Spiel

Tiganasu war aber freilich nur einer von vielen Leistungsträgern in einem hart umkämpften Spiel. Zwar lag Staßfurt nie hinten, kam aber nie auf mehr als drei Tore weg. Die Delitzscher um die überragenden Sascha Meiner (neun Tore) und Danny Trodler (sechs Treffer) fanden trotz der „unglaublichen Abwehrarbeit“, wie Werkmeister betonte, immer wieder Lücken in Staßfurts Defensive. Beim 7:7 (20.), 11:11 (30.) und zuletzt beim 19:19 (46.) glichen die Sachsen aus. Am Ende setzte Delitzsch alles auf eine Karte und setzte Rot-Weiss mit einer offenen Manndeckung unter Druck. Staßfurt blieb cool. „Auch in hektischen Phasen haben wir uns an den Fahrplan gehalten“, lobte Werkmeister. Marvin Frank nutzte das wilde Kuddelmuddel auf dem Feld, lief mit dem Ball durch und warf das 28:25 (59.). Das war die Entscheidung. Der Rest war Jubel, den der Trainer aber gleich wieder dämpfte. „Für den Moment können wir uns freuen.“ Spätestens heute beginnt aber die Vorbeitung auf das Spiel am Sonnabend in Freiberg.

Staßfurt darf sich eben nicht ausruhen auf den kleinen Lorbeeren. Das gilt auch für Tiganasu. Das würde dieser aber sowieso nie tun. Er weiß ja, dass er es noch viel besser kann. Das lässt hoffen für Rot-Weiss.

Staßfurt: Tuchen, Schliwa - Kaiser (1), Fanselow, Ortmann, Retting (4), Jacobi (5), Steinbrink (1), Frank (1), Spadt (1), Schöne (4/4), Hähnel (8/1), Wilke, Tiganasu (4)

Siebenmeter: Staßfurt 7/5 - Delitzsch 7/7; Zeitstrafen: Staßfurt 8 - Delitzsch 5

Rot: Maurice Wilke (26:27, o.B.)