Staßfurt l „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Das Lied der „Höhner“ dürfte jedem Fan des Handballs ein Ohrwurm sein, hat es doch 2007 bei der Weltmeisterschaft letztlich auch mit zum Titelgewinn der Deutschen beigetragen. Die Nationalmannschaft hat die Frage der Kölner Band damals eindrucksvoll beantwortet. Doch was macht der HV Rot-Weiss Staßfurt heute Abend um 19 Uhr in der Merkewitz-Halle? Denn da dürfte bezüglich eines Sieges in der Mitteldeutschen Oberliga nichts anderes als dieses Motto gelten. Es kommt zum Duell zwischen dem Schlusslicht aus Staßfurt und dem Vorletzten HC Glauchau/Meerane.

Vorzeichen verbessert

Dass ein Sieg in diesem Spiel Pflicht ist für die Staßfurter, ist für Enrico Lampe klar. „Das ist aber auch nicht anders als in jedem anderen Saisonspiel“, sagt der verletzte Mittelmann, der das Team aktuell interimsmäßig leitet. Die Vorzeichen haben sich aber „ein wenig verbessert“, so Lampe. Der Grund? Eine sehr gute Trainingswoche. „Wir haben intensiv trainiert. Ein Lob an die Spieler, die sehr gut mitgezogen haben.“ Am Montag und Dienstag waren jeweils zwischen zehn und zwölf Spieler dabei. „Es war ein gutes Arbeiten möglich“, beschreibt Lampe. Die Einheiten standen bereits unter der Leitung von Neucoach Sven Liesegang. „Er konnte seine Vorstellungen schon in die Tat umsetzen“, sagt Lampe. So stand am Montag erstmal nur Fitness auf dem Programm. Denn da haben die Staßfurter in der schnellen Liga „vor allem bei den schweren Spielern noch ein paar Defizite“.

Kanoniere in Schach halten

Zusätzlich haben sich die Rot-Weissen aber auch taktisch auf den kommenden Gegner eingestellt. Dabei ist den Staßfurtern in erster Linie aufgefallen, dass die Sachsen über eine „starke Aufbaureihe“ verfügen. „Sie machen viele Tore aus zehn oder elf Metern“, so Lampe. Und das will der HV Rot-Weiss unterbinden. Die Rückraumspieler des Gegners, die „Kanoniere“, sollen in Schach gehalten werden. „Wir müssen verhindern, dass diese Stärke des Gegners zum Tragen kommt.“ Im Angriff haben die Bodestädter nichts anderes trainiert als schon in der Vorwoche. Im offensiven Bereich geht es laut Lampe vor allem darum, „gewisse Standards und Sicherheit reinzubekommen.“

Und Sicherheit ist für das Spiel gegen Glauchau/Meerane auch ein entscheidendes Stichwort. „Es wird wichtig sein, die Nervosität abzulegen“, sagt Lampe, mit der Ergänzung: „Wir dürfen nicht nach links und rechts gucken. Wir müssen Vertrauen ins uns selbst haben, die Fehler minimieren und die gute Leistung aus dem Training auf die Platte bringen.“ Denn die Leistung unter der Woche ist entscheidend. So wie du trainierst, spielst du auch. Das wissen die Staßfurter. Und das dürfte für diese Woche ein Pluspunkt sein.

Doch nicht nur beim Training war die Beteiligung groß, auch für das Kellerduell der Mitteldeuschen Oberliga sieht es für die Staßfurter personell seht gut aus. Einzig hinter dem angeschlagenen Andreas Steinbrink steht noch ein Fragezeichen. Sonst sind alle Spieler dabei, sogar Marvin Frank wird aus der Schweiz anreisen. Im vergangenen Heimspiel gegen Burgenland war er übermotiviert, musste schon nach 59 Sekunden mit Rot runter. „Er ist heiß und wird zeigen wollen, dass es auch anders geht“, ist sich Lampe sicher.

Der Interimscoach könnte vor dem Krisenduell kaum zuversichtlicher sein. „Es kommen nicht viele Mannschaften in dieser Liga gerne nach Staßfurt, das sollten wir nutzen.“ Dass heute Abend der Vorletzte in Staßfurt gastiert, ist Lampe fast egal. „Wenn wir vor unserer eigenen Tür kehren“, dann dürfte laut dem Coach nichts anbrennen. Dann dürfte es in der Merkewitz-Halle auch wieder für die zwei Punkte reichen. Denn: „Wenn nicht hier, sag mir wo und wann?“