Staßfurt/Schönebeck l Dirk Schedlo musste in den Auszeiten schreien. Seine Stimme hatte der Trainer der Handballerinnen der SG Lok Schönebeck schon fast verloren. Es war Fluch und Segen, dass die etwa 20 mitgereisten Fans der Elbestädterinnen im Gastspiel der Sachsen-Anhalt-Liga am Sonntag beim HC Salzland 06 in Staßfurt so viel Alarm gemacht hatten. „Das hat sich angehört wie bei einem Heimspiel“, sagte Schedlo. „Das war eine gute Unterstützung und hat Auftrieb gegeben.“

Das Kreisduell zwischen dem HCS und Lok am Sonntag endete 26:26. Ein Remis, mit dem beide Seiten leben konnten. „Das war ein stark erkämpfter Punkt“, so Schedlo. Und auch Pierre Altnau, Trainer beim HC Salzland, konnte nur loben. „Das war ein gewonnener Punkt. Mannschaftlich haben wir uns sehr geschlossen präsentiert.“

Dabei gehörte die erste Halbzeit dem Gastgeber. Nach einer Abtastphase schüttelte der HCS das zuvor fehlende Selbstvertrauen ab und erarbeitete sich zur Halbzeit eine 14:10-Führung. Kurz nach dem Seitenwechsel führte Staßfurt sogar 15:10. „Die Abwehr war zu schlecht“, analysierte Lok-Coach Schedlo. „Wir waren im Kopf noch nicht bereit. Das waren zu viele Fehler.“ Mental auf der Höhe war aber der HCS. Auch dank eines kleinen Psychotricks des Trainers. „Ich habe in der Ansprache vor dem Spiel nur zwei Finger hochgehalten. Ich wollte einen schönen Angriff sehen mit sauberem Spiel und eine aggressive 6:0-Abwehr. Danach habe ich mit der Co-Trainerin die Kabine verlassen. Das hat maximal 30 Sekunden gedauert.“

Blaupause für die Weiterentwicklung

Sonst dauern die detaillierten Einstimmungen schon einmal bis zu zehn Minuten. So waren die Staßfurterinnen diesmal ein wenig auf sich allein gestellt. Mussten selbst Matchpläne entwickeln, Lösungen erarbeiten und Verantwortung übernehmen. Was funktionierte. Das Spiel am Sonntag war die Blaupause dafür, was Altnau immer wieder fordert: Weiterentwicklung.

Dass es nicht zum Sieg reichte, lag aber auch am starken Gegner. Vor allem über die Abwehr kämpfte sich Schönebeck zurück in das Spiel. „Die erfahrenen Damen haben es in die Hand genommen“, erklärte Schedlo. Namentlich Janka Bauer, Carolin Schedlo und Luisa Bertelmann, die trotz leichter Erkältung einen guten Job erledigte. So zwangen die Elbestädterinnen die HCS-Spielerinnen immer wieder ins Zeitspiel. Einfache Tore gab es kaum noch für den Gastgeber.

Beim 23:21 durch Carolin Schedlo (54.) hatte sich Lok sogar eine Zwei-Tore-Führung erarbeitet. Auch in der letzten Minute ging Lok noch einmal durch die Linkshänderin mit 26:25 in Führung. Doch Jessica Zeidler warf 19 Sekunden vor dem Ende mit einem Tor von Linksaußen nach einem abgefangenen Pass von Laura Nahrendorf den Ausgleich. Coach Schedlo war trotzdem zufrieden. „Wir hatten in den letzten fünf Minuten zwei Zeitstrafen und waren trotzdem in der Lage, diesen Punkt zu holen. Da muss man ein Kompliment machen“, so Schedlo.

Manndeckung fast ein Eigentor

Und auch Altnau haderte nicht. Im Gegenteil. „Es war bezeichnend, dass diesmal nicht Yvonne Sachse oder Jo-Ann Brunne die entscheidenden Spieler waren am Ende der Partie, sondern Jessica Zeidler und Laura Nahrendorf.“ Auch Theresa Hähnel machte einen „super Job“. Für den HCS-Coach war es der Beweis dafür, dass die Mannschaft – nach einer bisher schwierigen Saison – dazu in der Lage ist, sich selbst aus dem Sumpf ziehen zu können. So konnte das Team auch sehr gut mit der Manndeckung gegen Sachse umgehen. „Da haben wir sonst immer Probleme. Diesmal haben sich die Spielerinnen sehr, sehr gut bewegt. So wurde die Manndeckung gegen Sachse fast zum Eigentor für Schönebeck“, sagte Altnau.

Auf Seiten der Gastgeberinnen überzeugte im Angriff Vanessa Goldgraebe, die kleine Schwester von Vivien Goldgrabe, die auf fünf Tore kam. Zweifelsohne eine prima Leistung. „Aber auch die Vorbereitung war sehr gut. Totti (Carolin Schedlo, Anm. d. Red.) hat gute Pässe gespielt“, lobte Dirk Schedlo. Denn auch für Lok galt: Es war eine mannschaftlich geschlossene Leistung, in der jede Spielerin ihren Anteil am erkämpften Punkt hatte. So gingen beide Übungsleiter mit einem zufrieden Gesicht aus der Paul-Merkewitz-Halle in Staßfurt. An diesem Sonntag gab es auf beiden Seiten Sieger.

HC Salzland: Braune, Ellermann, Grenzer – Zeidler (3), Wolff-Reike (1), Mittwollen (3/2), Nahrendorf, Sachse (6), Kriebel (3), Hähnel (3)

Lok: Krakau, Nowicki – Sejdovic, Va. Goldgraebe (5), Schedlo (6), Bauer (2), Depta (3), Bertelmann (1), Krause (1), Sauer (1), Vi. Goldgraebe (7/6), Schrader, Hoffmann, Bullert

Siebenmeter: HCS 5/5 – Lok 6/6 Zeitstrafen: HCS 8 – Lok 7 Rot (3x2): Theresa Hähnel (56.)