Staßfurt l Gut eine Minute vor dem Ende der Partie sah für den HV Rot-Weiss Staßfurt noch alles gut aus. Im Auswärtsspiel der Sachsen-Anhalt-Liga führte der Tabellenzweite mit 28:26 bei der SG Kühnau. Und war auch im Ballbesitz. Doch ausgerechnet der Spielertrainer Sebastian Retting, der aufgrund personeller Probleme 60 Minuten durchspielen musste und mit den Kräften am Ende war, leistete sich dann zunächst einen Abspielfehler auf Oliver Jacobi, der zum 27:28 führte, und spielte folglich erneut einen Fehlpass, der den 28:28-Ausgleich nach sich zog.

So oft der 34-Jährige in seiner langen Karriere schon Spiele positiv entschieden hat, an diesem Abend trug er eine Mitschuld am Punktverlust. „Die entscheidenden Bälle habe ich zu leicht hergegeben“, sagte Retting. Und es wurmte ihn auch zwei Tage später noch sichtlich. Vor allem nach dem „super Spiel“, das sein Team zeigte. „Vorher hätte ich aufgrund der Konstellation ein Unentschieden unterschrieben.“ Denn mit Robert Reiske und Alexander Ernst fehlten zwei Rückraumspieler, die es zusammen immer auf zehn Tore bringen. „Nach dem Spielverlauf war das aber sehr ärgerlich“, so Retting. „Aber es war der Kraft geschuldet.“

Denn der Coach musste 60 Minuten durchspielen, in Defensive und Offensive. Und ist das nicht mehr gewohnt mit fast 35 Jahren. Und auch wenn das späte Remis im Rennen um Platz eins ärgerlich ist, sagt Retting: „Es ist nicht zu ändern. Die Chancen auf den Sieg waren da. Wir müssen daraus lernen.“

Schnell die richtigen Mittel gefunden

Und die Staßfurter können auch einige positive Erkenntnisse aus dem Spiel mitnehmen. Zwar ging der Start noch schief (1:4, 6.), doch die Gäste haben danach schnell die richtigen Mittel gefunden und offensiv gut gedeckt. „Die Kühnauer kamen nur über die rechte Seite“, so Retting. So kam Außenspieler Ben Zimdahl zwar zu elf Toren, doch das reichte den Gastgebern lange Zeit nicht. Die Rot-Weissen kamen schnell zum 4:4 (8.) und erspielten sich dann sogar eine Vier-Tore-Führung (10:6, 15.).

Die Kühnauer steckten aber nicht auf, kamen mit einem 4:0-Lauf zum 10:10-Ausgleich (18.). Bis zur Pause erarbeiteten sich jedoch die Gäste wieder einen kleinen Vorsprung, den Christian Schöne zu Beginn der zweiten Halbzeit mit einem Doppelpack zum 20:16 ausbaute (32.). Doch es folgte ein kleiner Schockmoment für Staßfurt. Schöne zog sich eine Zerrung zu, konnte nicht weiterspielen.

Damit kam ein kleiner Bruch ins Spiel der Gäste. „Wir haben dann zu viel verworfen“, bemängelte Retting. Die Kühnauer kamen wieder zum Ausgleich (23:23, 44.). Es ging dann bis zum Ende sehr ausgeglichen zu. Dass die Partie nicht gänzlich zugunsten der Kühnauer kippte, hatte der HV Rot-Weiss dann vor allem dem Schlussmann Sebastian Schliwa zu verdanken.

Schliwa schier unüberwindbar

„Er hat überragend gehalten“, lobte Retting und belegte das auch mit Zahlen. Elf Paraden zeigte der Sohn des Präsidenten. Und war dabei vor allem bei Siebenmetern eine schier unüberwindbare Barriere für die Gastgeber. Sieben Mal trat die Spielgemeinschaft zum Strafwurf an, fünf Mal konnte Schliwa entschärfen. „Der Gegner hat alles probiert, hatte drei verschiedene Schützen.“ Vor allem in der Schlussphase blieb die Staßfurter Führung dadurch so lange bestehen.

In den letzten zehn Minuten war dann aber spätestens spürbar, dass beim HV Rot-Weiss mittlerweile gleich drei wichtige Spieler fehlten. Jacobi erzielte gut acht Minuten vor dem Ende das letzte Tor der Gäste zum 28:25. Drei gehaltene Siebenmeter und eine glatt Rote Karte gegen den Staßfurter Patrick Postelt später, kam es dann in der Schlussminute zu den beiden entscheidenden Fehlern. Auch einen letzten Wurf ließ Retting noch liegen, denkt aber schon jetzt an das Heimspiel am Sonnabend gegen den BSV 93 Magdeburg.

Staßfurt: Schliwa, Tuchen - Beinhoff (1), Retting (6), Jacobi (6), Vadaszi (3), Steinbrink (1), Spadt, Strnad (1), Schöne (5), Postelt (4), Meißner (1)

Siebenmeter: Kühnau 7/2 - Staßfurt 2/1 Zeitstrafen: Kühnau 4- Staßfurt 5 Rot (o.B.): Postelt (58.)