Löbnitz (sbö/tzs) l Nachdem im Frühjahr hauptsächlich Etappen rund um Staßfurt und Löderburg beschrieben wurden und auch Hecklingen, Groß Börnecke und Förderstedt erkundet sind, schließt sich diesmal ein Sonntagslauf von Löbnitz über Neugattersleben, nach Hohenerxleben an.

Renate Liedtke ist in der Gaensefurther Sportbewegung nicht nur die Leiterin der Abteilung Leichtathletik. Sie ist auch mit Herz und Verstand bei der Sache, wenn Sponsoren für Laufprojekte begeistert werden sollen oder die Streckenverpflegung bei den Trainingsläufen sichergestellt werden muss. Wie bei einem Kaufladen öffnet sie dann im heimatlichen Löbnitz ihr großes Küchenfenster und präsentiert der durstigen Läuferschar das kühle Nass in allen Geschmacksrichtungen.

Für ihre Lieblingsstrecke hat sie sich ganz besonders vorbereitet und steht mit Spickzetteln bereit, um den Lauffreunden an kulturellen Höhepunkten Rede und Antwort zu stehen. Ausreichend Platz zum Parken bietet sich am östlichen Ortsausgang, Höhe Löbnitzer Winkel, dem Startpunkt ihrer zehn Kilometerrunde. Also hört man Renate in Kommandomanier: „Liebe Leute, Arme anwinkeln – und los!“ Es geht vorbei am frisch restaurierten Vogelschutzturm und sogleich mündet der Neugatterslebener Weg in einen schmalen Wiesenweg. Dass bedeutet für die Bode-Runners, den so beliebten „Gaensemarsch“ einzunehmen, mit dem sich die Läufer bereits nach wenigen Metern im Landschaftsschutzgebiet „Bodeniederung“ wiederfinden. Und es könnte gar nicht besser passen, auch die Bode wird den Staßfurter Läufern mit dem gleichen Namen auf ihrer Runde nicht mehr von der Seite weichen.

Bilder

Der Weg wird breiter und rechter Hand biegt der lange „Gaensemarsch“ nach knapp einem Kilometer in den wunderschönen Schlosspark Neugattersleben ab. Bevor es aber über die Bode geht, delegiert Renate ihre „Gaense“ linker Hand auf einen verschlungenen Pfad, den Weinberg hinauf. Die Anstrengung wird belohnt, wenn sich einem ungeahnt der versteckte Kaiser-Wilhelm-Turm auftut. Als Aussichtsturm 1910 zu Ehren Wilhelm II erbaut, ist eine Ehrenrunde Pflicht und auch dem angrenzenden Sportplatz von Neugattersleben wird ein kurzer Besuch abgestattet.

Auf historischen Wegen unterwegs

Es geht den Weinberg wieder hinab und über die Bode führt eine schmale, aber stabile Eisenbrücke an das andere Ufer. Auf dem Weg über die saftige Bodeaue gelangt man wieder in den Eichenwald, den wir dann über die Friedensstraße kurz verlassen. Liedtke führt die Läufer genau über die Brücke, die 1809 Major von Schill mit seinen 400 Husaren schon passiert hat und auch Napoleon wird nachgesagt, diese auf seinem Weg nach Russland überquert zu haben. So geschichtsträchtig geschult, erblickt man nicht viel vom Neugatterslebener Schloss, deren Erzählungen bis in das 12. Jahrhundert zurückgehen. „Jetzt ein kurzer Abstecher nach rechts!“, delegiert sie ihre Läufer zum nächsten Streckenhighlight. Die älteste Eiche im Park, genannt „Missionseiche“, braucht tatsächlich sechs Bode-Runners, um sie einmal komplett zu umfassen. Wir befinden uns wieder auf Kurs und somit auch auf einem Abschnitt vom Europa-Radweg R1, der nach einer weiteren Brückenquerung Ausblicke auf den Bodelauf zulässt.

Eine knackige Steigung hinauf zum durch fortlaufende Restaurationen immer schöner werdenden Hohenerxlebener Schloss wird gesprintet oder ganz gemütlich gegangen. Wir verweilen kurz vor der um 1200 erbauten Burg, bevor der Rückweg über eine Brücke führt, die erst 1984 von der VEG Hohenerxleben gebaut wurde und damit den Wirtschaftsweg nach Löbnitz ermöglichte. Statt der Straße zu folgen, führt die Strecke direkt an der Bode über einen herrlichen Wiesenweg zurück. Das zu unterquerende Viadukt darf auf keinen Fall unerwähnt bleiben.

Die einstige Kanonenbahn über die Bode mit der strategisch wichtigen Strecke Güsten-Güterglück-Berlin war noch bis in die 90er Jahre in Betrieb. Vorbei am liebevoll gestalteten Löbnitzer Seniorenheim wird freundlich gegrüßt, denn die Sonne verwöhnt nicht nur die Bode-Runners. Zehn wunderbar interessante Kilometer durch die Heimat liegen hinter den Läufern und Liedtkes Küchenfenster öffnet sich: „So ihr Lieben, was darf ich euch anbieten?“