Staßfurt l Als Familie Schwenke 2018 in den Urlaub nach Österreich aufgebrochen ist, wussten die Staßfurter noch nicht, dass sie auf der Rückfahrt einiges mehr an Gepäck dabei haben werden. Denn in Innsbruck fand das Kinderschachfestival statt. Und Mia-Lisanne Schwenke, die leidenschaftlich gern und erfolgreich Schach spielt, durfte spontan daran teilnehmen. Und landete auf dem ersten Platz. Dafür gab es nicht nur den bisher größten Pokal ihrer üppigen Sammlung, sondern auch ein Geschenk von einem Tisch voller Spielzeug. Und Mia durfte als Gewinnerin zuerst wählen, entschied sich für ein Plüschtier, das fast so groß war wie sie selbst.

Schach ist das größte Hobby der Zehnjährigen, die auch Saxophon spielt. „Mir wird viel beigebracht und ich lerne einige Leute kennen“, begründet sie. Doch wie ist das etwas schüchterne aber doch sehr freundliche Mädchen darauf gekommen? Dabei spielte auch ein Ausflug eine Rolle: „Ich war mit meinem Papa mit dem Wohnmobil im Urlaub und er hatte ein Schachbrett dabei“, berichtet sie. „Ich wollte lernen, wie das funktioniert.“ Und die kindliche Neugier, immerhin war das im Sommer 2015, als Mia gerade einmal sechs Jahre alt war, hielt an. In dem Kurzurlaub lernte sie die Grundlagen. „Mir hat es gleich gefallen.“ Nur gut drei Monate später trat sie schon in den Verein ein.

Und das war der Anfang einer Erfolgsgeschichte. Mia ist neben Christian und Sebastian Haubold, mit denen sie auch oft zusammen spielt, eines der größten und erfolgreichsten Talente bei der SG Einheit Staßfurt. Und die Förderung im Verein hat ihr sehr geholfen, wie auch Vater Andreas Schwenke weiß: „Dass Mia im Schach so gut ist und so viel Spaß daran hat, ist zu großen Stücken der SG Einheit zuzuschreiben. Die Mitglieder bringen sehr viel Enthusiasmus mit und opfern viel Zeit.“ Und so freut sich auch Mia immer schon auf das Ende der Schulwoche, weil freitags von 16 bis 19.30 Uhr das Training im Verein ansteht. „Selbst in den Ferien ist immer jemand da“, lobt Schwenke, der weiß, dass seine Tochter viel Talent mitbringt. „Aber das muss auch gefördert werden.“

Und bei der SG Einheit ist Mia dabei komplett an der richtigen Adresse. Der Verein um den akribischen Vorsitzenden Andreas Mann stellt die Nachwuchsförderung in den Vordergrund. Und ist damit erfolgreich, befindet sich von den Erfolgen fast auf Augenhöhe mit den Schachzwergen Magdeburg mit über 800 Mitgliedern. Die Staßfurter zählen gut 50 Schachspieler, davon 30 Kinder.

Förderungen

Doch Mia wird auch an anderen Stellen gefördert. Trainiert sie auch zuhause? Nur bedingt. „Es hätte ja keinen Sinn, wenn ich gegen sie spiele. Selbst wenn sie mir hilft, verliere ich“, begründet ihr Vater lachend. Aber auch am Dr. Frank-Gymnasium ist sie in der Schach-AG und wird, weil ihre schulischen Leistungen passen, so gut es geht unterstützt.

Training steht auch oft an den Wochenenden an. Denn Mia ist seit dem Sommer 2018 im Landeskader von Sachsen-Anhalt. In Magdeburg oder Halle wird regelmäßig auf einem noch höheren Niveau trainiert. „Es gibt sogar Schach-Hausaufgaben“, berichtet Mia, die diese keinesfalls als Last ansieht. Es macht ihr viel Spaß, auf den Arbeitsblättern den besten Zug zu ermitteln.

Und das viele Training zeichnet sich auch entsprechend aus. Mia war im vorigen Jahr Vizelandesmeisterin der weiblichen U 10, nahm zudem an zahlreichen bundesweiten Turnieren teil und schloss stets gut ab. So wie kürzlich beim Turnier „Ran an den Turm“ in Wittstock. Dabei waren in ihrer Leistungsklasse (Deutsche Wertungszahl von 1250 bis 1500) gut 50 Spieler dabei. Nach fünf Runden über jeweils mehrere Stunden hatte sich die Staßfurterin vier von fünf Punkten erspielt, blieb auch gegen einige Erwachsene ohne Niederlage (drei Siege, zwei Remis) und durfte sich am Ende über einen starken zweiten Platz freuen.

Ist da auch der Erfolgshunger vorhanden, der Ansporn auf Platz eins? Eher weniger. Mia hat sich keine großen Ziele gesetzt, will einfach weiter Spaß haben. Das gilt auch für die Offenen Deutschen Meisterschaften, die am Sonnabend starten. Beim „größten Ereignis im Jahr“, so ihr Vater, erwarten Mia neun Spiele über mehrere Stunden an acht Tagen. „Ich möchte mindestens an der Position bleiben, an der ich gesetzt bin“, sagt sie.

Das ist natürlich auch mit hohen Kosten verbunden, über 1500 Euro werden durch Anreise, Unterkunft, Verpflegung und Betreuung durch die Kadertrainer fällig. Bei aller Bescheidenheit von Mia hält ihr Vater doch fest: „Das was sie macht, ist Leistungssport. Aber sie macht es mit Begeisterung und solange sie es möchte, unterstützen wir das gern.“

Deshalb geht es auch gut zwei Wochen später, am 29. Juni, erneut nach Österreich. Wieder zum Kinderschachfestival in Innsbruck. „Wir dachten schon, wir bekommen keine Einladung“, sagt Schwenke nach dem Erfolg seiner Tochter im Vorjahr. Doch dem war nicht so. Und so reisen die Schwenkes erneut nach Österreich. Dieses Mal ohne Urlaub. Freitag acht Stunden mit dem Zug hin, Sonntag zurück. „Ein bisschen verrückt muss man auch sein“, sagt Schwenke lächelnd. Für seine Tochter ist er das aber gern.