Hecklingen l Den bisherigen Höhepunkt der sportlichen Laufbahn erlebten sie dabei bei der Europameisterschaft in der Slowakei. Es war Spannung pur. Und die Verantwortung lastete auf den Schultern des gerade einmal zehnjährigen Sebastian Haubold. Bei den Deutschen Ländermeisterschaften des Nachwuchses, die am vergangenen Wochenende in Würzburg stattfanden, gehörte er gemeinsam mit seinem Bruder Christian zum achtköpfigen Team aus Sachsen-Anhalt.

Und in der letzten Runde traf die Landesauswahl auf Berlin. Die Hauptstädter lagen schon mit 3:0 in Front, doch Sachsen-Anhalt gab nicht auf und kämpfte sich auf 4:3 heran. Es spielte anschließend mit „Basti“ eben nur noch der Jüngste des Teams, das gesammelt die Daumen drückte. Und das Hecklinger Schach-Talent schaffte es und besiegte die Berlinerin Luise Schnabel und sicherte damit das 4:4.

Neue Trophäen

In der Gesamtwertung gab es für Sachsen-Anhalt mit dem dritten Rang deshalb die beste Bewertung aller Zeiten. Das Team um Trainerin Tatjana Melamed war hochzufrieden und die Haubold-Zwillinge durften mal wieder zwei neue Pokale für den Trophäenschrank mit nach Hause nehmen.

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Und das war in letzter Zeit häufiger der Fall. Denn zuletzt feierten die beiden Spieler der SG Einheit Staßfurt auch Erfolge beim 11. Emanuel-Lasker-Schnellschachturnier. „Chrisi“ glänzte dabei mit dem Sieg in der Altersklasse U 14. „Basti“, dessen Steckenpferd nachweislich das Schnellschachspielen ist, gewann sogar in der U 18 und ließ deutliche ältere Konkurrenz hinter sich.

Das größte Erlebnis waren allerdings die Europameisterschaften in der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Allein die Reise war es wert. Denn Familie Haubold nutze das natürlich auch als kleinen Familientrip, reiste mit dem Auto und einem Zwischenstop in Prag gen Osten. Und dann stand in der Donaustadt ganze elf Tage lang der Schach im Mittelpunkt. 40 Kinder aus Deutschland waren dabei. Und Sebastian (58.) und Christian (91.) konnten mit den Platzierungen in ihrer Altersklasse mit 150 Startern sehr zufrieden sein. „Die beiden haben sich super geschlagen. Das war eine tolle Erfahrung und ihr bislang größtes Erlebnis“, berichtet Mama Anja Haubold stolz.

Doch wie muss man sich so eine EM vorstellen? „Als wir ankamen, wurden wir erstmal vom Bundestrainier begrüßt und eingewiesen.“ Dazu bekamen die Brüder auch die Trikots mit dem Bundesadler darauf. Am Vormittag stand dann meist Vorbereitung und ein wenig Freizeit auf dem Plan, nach dem Mittagessen wurde erneut trainiert. „Um 14 Uhr fuhr dann immer der Shuttle-Bus zum Spielort“, so Haubold. Ein Spiel stand pro Tag an, aber das reichte auch, denn „vor 19.30 Uhr waren wir nie wieder zurück am Hotel.“ Nachbereitung und Analyse folgten anschließend auch noch.

Kommunikation mit Händen und Füßen

So erging es beiden gleich neun Tage lang. Denn so viele Spiele standen auch an, wovon Sebastian fünf und Christian vier für sich entscheiden konnten. Doch die Umstände waren natürlich ganz andere als sonst. Es war ein andere Schachkultur. Und die Hecklinger spielten gegen internationale Konkurrenz mit einer teilweise viel höheren Wertzahl. „Mit der Kommunikation war es schwierig, das ging meist nur mit Händen und Füßen“, berichtete die Mutter, die davon aber kaum etwas mitbekam. „Das ist ein ganz anderes Spielen als in Deutschland. Die Kinder wurden von oben bis unten gefilzt. Das war wie am Flughafen.“ Es waren keine Mützen, Uhren oder Stifte erlaubt – und eben erst recht kein Blickkontakt zu den Eltern.

Doch die Zeit konnte ja auch mit Sightseeing überbrückt werden. Und so trübte das die Stimmung nicht wirklich. Es bleibt die Erinnerung an eine „sehr gelungene Reise“, so Haubold. Und ihre Söhne blicken auch schon voraus: „Wenn sie nochmal die Möglichkeit haben, wollen sie wieder an einer EM teilnehmen.“