Hamburg/Staßfurt l Am Anfang war da die Ernüchterung. Was in Sachsen-Anhalt viele Badegäste vor ein großes Problem stellte, blieb auch den Teilnehmern des Ironman in Hamburg nicht erspart. Weil die Blaualgen-Konzentration in der Alster zu hoch war, fiel die erste Disziplin des Langstrecken-Triathlons ins Wasser. Oder eben gerade nicht. Stattdessen mussten zusätzlich sechs Kilometer gelaufen werden. Etwas geknickt schaute da auch Maik Löwe drein. „Das war echt richtig blöd, ich bin ja kein schlechter Schwimmer. Und wenn du am Ironman teilnimmst, willst du auch alle Disziplinen absolvieren.“

Doch die Enttäuschung konnte der Triathlet der Gaensefurther Sportbewegung dann doch recht zügig abschütteln. So ein paar Blaualgen sollten dieses spektakuläre Event nicht vermiesen. Zu lange hatte sich Löwe auf diesen Tag vorbereitet. Der 28-Jährige kommt ursprünglich vom Laufsport, ging dann aber vor einigen Jahren den Weg, den viele Athleten einschlagen. Am Löderburger See absolvierte er 2013 seinen ersten Triathlon. „Da habe ich Blut geleckt und anschließend überall teilgenommen.“ Waren es anfangs noch die Sprintdistanzen, die den GSB-Triahlet gereizt hatten, mussten es mit der Zeit immer mehr Kilometer werden. „Seit zwei Jahren trainiere ich intensiv.“ Das heißt kontinuierlich und nach Plan.

Und währenddessen fasste der ehrgeizige Sportler den Entschluss, die Ironman-Distanz (3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Rad und 42,195 Kilometer Laufen) angehen zu wollen. Den 2017 in der norddeutschen Metropole ins Leben gerufene Ironman Hamburg fasste er dabei schnell ins Auge. Im Oktober des Vorjahres meldete er sich an. „Ich war gut in Form, das wollte ich nutzen.“ Neben ihm schrieben sich auch die Gaensefurther Steffen Fleischer und Marco Hofer ein.

20 Stunden Training pro Woche

Haben sich die drei gemeinsam vorbereitet? „Nein“, meint Löwe. „Triathlon ist ein Einzelsport. Wir haben uns aber immer wieder ausgetauscht, das hat geholfen.“ Mit dem großen Ziel vor Augen intensivierte Löwe sein Training weiter. Im Winter arbeitete er an seiner Schwimmperformance und absolvierte Intervall-Läufe. Im Frühling kamen wieder etliche Kilometer auf dem Fahrrad dazu. Die Wochen vor dem Ironman „waren dann echt hart.“ 20 Stunden hatte er sich pro Woche für Training vorgenommen.

Außer dem Job und dem „Schuften“ für das große Ziel gab es nichts mehr in seinem Leben. Und dann stand Löwe in Hamburg. Neben ihm etliche Triathleten aus aller Welt. Vor dem Startschuss war sein Kopf aber nicht frei. „Ich habe überlegt, wie ich es angehe“, berichtet er. Denn die Schwimmdistanz wurde durch eine weitere sechs Kilometer lange Laufstrecke ersetzt. Der Triathlon wurde zum Duathlon. Und sein Entschluss stand fest. Er ging die kurze Strecke schneller an als den später folgenden Marathon. Und dabei wurde Löwe von der Kulisse getragen. Schon beim Start um 7.30 Uhr war die „Stimmung gut“.

Gute Stimmung treibt Löwe an

Auf der Radstrecke war der 28-Jährige dann wie beflügelt. Natürlich, das Radfahren ist nicht nur seine Lieblingsdisziplin, die Strecke war auch gut. „Ich konnte richtig gut Gas geben und war mit der Zeit sehr zufrieden.“ 4:44:35 Stunden benötigte Löwe für die 180 Kilometer. Was für den „Otto-Normal-Sportler“ schon wie etwas aus weit entfernten Galaxien klingt, war für den GSB-Mann erst der Anfang. Es folgte ein Marathon, bei dem ein „richtig geiles Stimmungsbild“ herrschte, schwärmte der Athlet. „Es waren einfach überall Zuschauer.“

Natürlich gab es auch Probleme. „Ich habe den Fehler gemacht, beim Wechsel zu viele Gels zu mir zu nehmen, ich hatte zu viel im Magen.“ Leichte Magenkrämpfe waren die Folge. „Ich hatte Angst, beim Marathon einzubrechen“, gibt Löwe im Nachhinein ehrlich zu. Doch er biss auf die Zähne, kämpfte weiter und trank viel Wasser. Die Magenprobleme waren behoben, doch „nach 30 Kilometern wurde es kritisch, das ist oft so“, berichtet er. Natürlich hatte er dann schon mehrere Stunden extremer Belastung hinter sich. Und auch die Umstellung am Anfang machte sich bemerkbar. Denn beim Laufen „musst du deinen Körper, anders als beim Schwimmen, selbst tragen“, berichtet der erfahrene Sportler.

Doch das alles war vergessen, als Löwe nach vier Runden den letzten Wendepunkt erreichte. „Auf den letzten Kilometern vor dem Ziel fliegst du nur noch, da sind das pure Glücksgefühle“, versuchte er, sein Empfinden zu beschreiben. Doch das war natürlich kaum in Worte zu fassen. Der Moment des Zieleinlaufs war dann einfach eine Mischung aus Glück und Erleichterung. Monatelanges Training für diesen einen Moment, den Löwe niemals vergessen wird.

Mit seiner Gesamtzeit von 8:56:14 Stunden war er sehr zufrieden. Platz 178 in der Gesamtwertung. Platz 26 in der Altersklasse. Am Rathausmarkt durfte er sich bejubeln lassen. Und auf seine GSB-Kollegen warten. Hofer finishte nach 9:16:50 Stunden, Fleischer erreicht die Ziellinie nach 9:22:58 Stunden. Gemeinsam konnten sie noch den Moment genießen. Und sich in den darauf folgenden Tagen auch mal Erholung gönnen. „Ich habe erstmal eine Woche gar nicht trainiert und Urlaub gemacht“, erzählte Löwe.

Traum von Hawaii

Mit etwas Abstand zum Ironman denkt er aber natürlich auch schon wieder weiter. Er will wieder Triathlons über die Mitteldistanz angehen, er will einen Marathon mal in unter drei Stunden schaffen. Aber vor allem will er nochmal an einem Ironman teilnehmen. Auch mal komplett. In gewisser Weise war sein erster Ironman in diesem Jahr auch ein nächster Schritt zum großen Traum. Denn die Ironman World Championships auf der Insel Hawaii sind sein Ziel. „Das würde ich schon sehr gerne mal erleben.“ Eines Tages. „In diesem Jahr fehlten mir 40 Minuten zu einem Qualifikationsplatz.“ Er wird weiter trainieren und hart arbeiten. Und dann ist ihm vieles zuzutrauen. Vielleicht auch der Ironman auf Hawaii.