Halle/Staßfurt l Ganz am Ende stand für die eine oder andere Spielerin noch der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt in Halle an. Unbeteiligte müssen sich dabei doch stark gewundert haben, wer diese Frauen eigentlich sind, die da mit einem riesigen Grinsen besinnlich an den Ständen vorbeigeschlendert waren. Das waren natürlich die Volleyballerinnen vom VC 97 Staßfurt aus der Landesoberliga, die allen Grund hatten, ihre Lebensfreude in die Welt herauszustrahlen.

Am Sonnabend stand die 3. Runde im VVSA-Pokal an. Die Staßfurterinnen haben da einen großen Überraschungscoup gelandet. Nach dem 3:0 (23, 21, 24)-Pflichtsieg nach Sätzen im ersten Spiel gegen den Landesligisten und Gastgeber TSV Halle-Süd besiegte der VC 97 im Halbfinale direkt danach auch den USV Halle aus der Regionalliga Nordost mit 3:1 (-13, 19, 18, 18) Sätzen. Damit zogen die 97er ins Landesfinale am 3. März 2018 ein. Was sich so nüchtern als Erfolgsmeldung liest, war aber ein absolutes Gänsehauterlebnis für alle, die es mit den Staßfurterinnen hielten. „Wahnsinn. Einfach nur geil“, freute sich Trainer Dirk Schambier. Schon während des Spiels gegen den USV hatte er Gänsehaut.

Arbeitssieg gegen TSV Halle

Dabei hatte der Ausflug in den Süden Sachsen-Anhalts mit einem durchwachsenen Spiel begonnen. Denn gegen den Underdog TSV Halle-Süd gab es zwar ein souveränes Ergebnis, die Sätze waren aber immer eng. Da fehlte noch viel zum ausgeschöpften Leistungspotential. „Wir kamen mit der Höhe der Halle nicht zurecht, haben Eigenfehler produziert und uns dem Niveau des Gegners angepasst“, erläuterte Schambier. Der Erfolg gegen den unterklassigen Landesligisten ließ sich getrost als Arbeitssieg einstufen.

Dann kam das Spiel gegen das zweite hallesche Team. Mit eher bescheidenen Zielen waren die Staßfurterinnen in das Spiel gegangen. „Wir wollten einen Satz holen“, so Schambier. „Schon das ist eine riesige Hausnummer.“ Und zu Beginn nahm die Partie einen erwartungsgemäßen Lauf. Nur 13 Punkte holten die 97er im ersten Satz. Doch dann zogen jene mentalen Elemente in das Spiel ein, die der Coach gebetsmühlenartig immer wieder von seinen Frauen abverlangt. „Wir haben den Respekt vor dem Gegner abgelegt“, erklärte Schambier. „Das sage ich immer wieder: Das ist Kopfsache.“

Großer Kampf

Einmal die Denkzentrale durchgespült und schon lief es. Mit druckvollen Aufschlägen und gutem Block entnervten die Gäste den Favoriten zunehmend. In allen drei folgenden Sätzen gab Staßfurt den Ton an und brachte die Führung ins Ziel. „Das war fantastisch anzusehen, wie sich gegenseitig gepusht wurde“, sagte Schambier. Natürlich war Halle „technisch und spielerisch besser und hat sehr viele Bälle zurückgebracht. Immer und immer wieder. Aber durch den Kampf haben wir das wettgemacht.“ So schlug David Goliath. Obwohl Staßfurt zum Beispiel ja ohne Libera angetreten war. „Alle drei waren krank“, sagte Schambier. „Aber wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Unter diesen Bedingungen war das die beste Saisonleistung.“ Nun wartet im nächsten Jahr also im Finale der SV Braunsbedra aus der 3. Liga, der also noch eine Liga höher spielt als der USV Halle. „Das ist dann noch extremer David gegen Goliath“, schaute Schambier voraus.

Auch für den Ligabetrieb nimmt Staßfurt viel mit. „Das zeigt uns, dass wir in der Liga vor niemanden Angst haben müssen“, meinte Schambier. Obwohl der Erfolg gegen Halle alle Spielerinnen „mental und körperlich an die Grenzen gebracht hat“. Auch deshalb war nach dem Spiel kein großes Gefeiere angesagt. „Alle waren erschöpft und wollten nur noch nach Hause.“ Immerhin war aber der Gang über den Weihnachtsmarkt für einige Spielerinnen eine kleine Belohnung für die gezeigte Leistung. Nach dem größten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte.

VC 97 Staßfurt: Praßer, Lohse, Ruhnow, Moye, Pillich, Wesemeier, Rogau, Schambier, Pulver