Spergau/Staßfurt l Als die Spielerinnen des VC 97 Staßfurt am Sonnabend die Halle zum Aufwärmen betraten, müssen sich einige der Zuschauer, die die Staßfurterinnen nur von hinten gesehen hatten, etwas die Augen gerieben haben. Auf dem Rücken der blauen T-Shirts war der Schriftzug „Pokalsieger 2018“ zu lesen. „Das wurde von manchen schon als etwas provokativ aufgefasst“, berichtete Betreuerin Jana Rogau. Immerhin stand für den Landesoberligisten in Spergau das Finale des VVSA-Pokals gegen den großen Favoriten aus der dritten Liga, den SV Braunsbedra, bevor.

Als sich die Spielerinnen dann umdrehten, fiel der Groschen. Vorne auf dem Shirt war neben dem Logo ein großer „Vize“-Schriftzug zu sehen. Es war ein kleiner Scherz der Staßfurterinnen. Aber er zeigt: Sie waren zwar hochmotiviert, rechneten gegen den zwei Klassen höher spielenden Gegner aber mit der Niederlage. Und so kam es auch – der SV Braunsbedra setzte sich verdient mit 3:0 (12, 22, 17) durch. „Wir sind dort nicht hingefahren, um zu gewinnen“, so Rogau. „Wir wollten uns gut präsentieren und das haben wir gemacht. Das war super, was wir abgeliefert haben. Wir sind wieder reicher an Erfahrung geworden.“

Der erste Satz wirkte mit dem 25:12 auf den ersten Blick zwar eindeutig, Rogau sagte aber: „Es war lange ausgeglichen.“ Die Zwischenstände 3:3 und 6:6 sprachen da eine klare Sprache. Doch waren die Staßfurterinnen dann einfach zu aufgeregt? Nein, das konnte Rogau nicht bestätigen. „Es gab zwar eine kleine Anfangsnervosität, die verflachte aber schnell.“ Viel mehr hat Braunsbedra dann einfach „eine Schippe draufgelegt und ist davongezogen“. Auch der zweite Satz fing für die 97er super an. Sie führten sogar, der Satz blieb bis zum Ende knapp und ging gerade so mit 25:22 an den Favoriten. „Wir mussten uns absolut nicht verstecken“, sagte Rogau. Zwar ließ der SVB dann auch Stammspielerinnen wie Kristin Rumi unten, dennoch gebührte den Staßfurterinnen Respekt. Auch im dritten Satz (17:25) gerieten sie keinesfalls unter die Räder.

Ungewohnte aber tolle Atmosphäre

Neben dem spielerischen Fortschritt war es für den VC 97 auch atmosphärisch eine ganz neue Welt. Zahlreiche Zuschauer strömten in die Jahrhunderthalle in Spergau und wollten sich das Endspiel nicht entgehen lassen. „Das sind wir gar nicht gewohnt“, so Rogau. Schon das Einlaufen und die namentliche Vorstellung aller Spielerinnen, das gibt es beides in der Landesoberliga auch nicht, waren für die Bodestädterinnen etwas Besonderes. Dazu kam ein Hallensprecher, der das Spielgeschehen begleitete. „Die Atmosphäre war einfach nur toll“, berichtete Rogau glücklich.

Und so war nach dem Spiel auch keine geknickte Spielerin auf Staßfurter Seite zu erkennen. Die 97er streiften ihre neuen T-Shirts, die von Uwe Opitz aus Güsten gesponsert wurden, über und präsentierten sich stolz vor ihrem Pokal für den zweiten Platz im Finale des VVSA-Pokals . Für die Staßfurterinnen wird dieser Tag noch lange in Erinnerung blieben. Über das Ergebnis wird bald keiner mehr sprechen. Eher über die tolle Erfahrung.