Staßurt l Neid ist keine menschliche Charaktereigenschaft, die unbedingt erfüllenswert ist. Neidische Menschen sind negativ und voller schlechter Gedanken. Normalerweise. Manchmal aber müssen Menschen auch einmal an sich selbst denken, sich selbst gönnen können, um die seelische Balance zu halten. Man versteht also, dass Jana Rogau neidisch ist. Die ehemalige Spielerin der Landesoberliga-Mannschaft vom VC 97 Staßfurt war seit dem Januar bei den Frauen keine Spielerin mehr, sondern Betreuerin.

Und so erlebte sie das größte Highlight der jüngeren Vereinsgeschichte im März nur von der Seitenlinie aus. „Da war ich ein bisschen neidisch“, sagt sie lachend. Rogau wäre gern als Spielerin dabei gewesen, als der VC 97 am 3. März im Landespokalfinale dem Drittligisten SV Braunsbedra gegenüberstand.

Keine Tränen der Enttäuschung

Zwar verlor Staßfurt erwartungsgemäß mit 0:3. Trotzdem weinte keine Spielerin Tränen der Enttäuschung. „Das war sehr cool, auch von der Atmosphäre her. Ein echtes Highlight.“ Das eine Saison mit Gänsehaut-Feeling abrundete, die ziemlich turbulent verlief. Was weniger an den Ergebnissen und den Platzierungen lag. Die war mit Rang vier schließlich sehr ordentlich. Es lag viel mehr an den vereinsinternen Reibereien, dass der VC 97 um den Jahreswechsel nicht mit sportlichen Schlagzeilen im Fokus stand.

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Ende Dezember 2017 trennte sich Staßfurt aus vereinsinternen Gründen von Dirk Schambier und damit auch vom langjährigen Trainer verschiedener Mannschaften im Verein. Bis dahin trainierte er auch die Landesoberliga-Mannschaft. „Das war ein ziemlicher Schock“, sagt Rogau heute. Innerhalb kürzester Zeit musste eine Lösung her. Rogau, die sowieso aus Verletzungsgründen kürzer treten musste, bekam die Position der Betreuerin angeboten und sagte nach kurzer Überlegung zu.

Neue Umstände

Nicht nur sie wurde ins kalte Wasser geworfen. Die ganze Mannschaft musste ab sofort unter neuen Umständen in der Rückrunde funktionieren. Trainiert wurde die Mannschaft unter der Woche vom stellvertretenden Vorsitzenden und Trainer der Männermannschaft, Michael Frost. Am Wochenende bei den Spielen übernahm Rogau das Kommando.

Natürlich waren da manche Abläufe wacklig, stimmten die Zuordnungen nicht zu 100 Prozent. Vielleicht kassierte der VC 97 auch deswegen nach der Weihnachtspause in der Liga fünf Niederlagen am Stück. „Es ist schade, dass wir den dritten Platz nicht halten konnten. Aber die Ergebnisse waren auch eher zweitrangig“, resümiert Rogau. „Wir wollten uns als Mannschaft finden und das ist uns gelungen. Wir haben den Trainerwechsel gut verkraftet und uns gut geschlagen, das beste daraus gemacht.“

Findungsphase

Auch für Rogau selbst war es eine Findungsphase aus der Not heraus. „Ich habe ja jetzt auch nicht so viel Ahnung“, gibt die 29-Jährige zu. „Wenn ich nochmal Betreuerin wäre, würde ich vieles anders machen.“ Was denn zum Beispiel? „Ich bin selber sehr ehrgeizig, konnte das aber nicht auf die Mannschaft übertragen und die Spielerinnen nicht so motivieren. Das konnte unser Kapitän Juliane Ruhnow besser.“ Was aber auch zeigt: Die Hierarchien waren flach. „Wir haben uns als Team ergänzt“, sagt Rogau. Jeder hat das beigetragen, was er am besten konnte.

So gab es dann immerhin am Ende der Saison noch einen 3:0-Erfolg gegen den PSV Halle. Mit einem guten Gefühl ging der VC 97 aus der Saison. Und Spielerinnen wie Marlen Wesemeier und Aranka Lohse haben zudem einen spielerischen Sprung nach vorn gemacht.

Neues Betreuerteam

Wie es jetzt weiter geht? Rogau tritt auf jeden Fall kürzer. Aus privaten Gründen wird sie den Betreuerposten abgeben. Im Hintergrund stellt sich der Verein gerade im Frauenbereich neu auf. „Wir werden wohl ein Betreuerteam mit fünf oder sechs Personen haben“, erklärt Frost. Dieses soll sich um die drei verschiedenen Frauenmannschaften kümmern. Spruchreif für die Öffentlichkeit ist da aber noch nichts. Noch ist ja auch Zeit bis zum August, wenn das Training wieder intensiver wird.