Dass die Kicker von Lok Stendal etliche Jahre in der höchsten Spielklasse der DDR, der Oberliga, aktiv waren und erfolgreiche Pokalauftritte (Stichworte: Bautzen, Leverkusen) bestritten, ist weithin bekannt. Dass sie aber sogar Deutscher Meister, gesamtdeutsch wohlgemerkt, wurden, wissen nur wenige Fußballkenner.

Stendal l Peter Stolz, bis heute Vorsitzender des ESV Lok Stendal, war es, der im Frühjahr 1993 ein Fußballteam für die erste gesamtdeutsche Eisenbahnermeisterschaft der Senioren in Hannover zusammenstellte. Entsprechende Kontakte zu Sportverantwortlichen in der gastgebenden Bundesbahndirektion (BBD) hatte er bereits im Jahr zuvor hergestellt.

In Stendal gab es ein von Rolf Warschau betreutes Altherrenteam, in dem etliche ehemalige Oberliga- und Ligagrößen standen. Was lag da näher, als es zum Gerüst des geplanten Auswahlteams zu machen. Ohne sich gesondert vorzubereiten, bestritt die Truppe die Qualifikation der Reichsbahndirektion (RBD) Halle.

"Die Erwartungen waren eher gering"

Das war am 15. Mai 1993 der Fall. Die Oldies der FSV Lok Altmark gewannen mit 6:0 Punkten und 21:1 Tore (siehe Übersicht) und stellten das Gros des Auswahlteams der RBD Halle. Zusätzlich wurde der Leipziger Flügelflitzer Andreas Heyne gewonnen, der in der Auswahl die linke Seite bestrich.

Keinen Monat später fand in Hannover die Finalrunde um die Deutsche Eisenbahnermeisterschaft statt. Elf Auswahlteams waren insgesamt vertreten, davon erstmals vier aus den neuen Bundesländern.

"Unsere Erwartungen waren gering, Erst recht, nachdem wir gesehen haben, wie zum Teil penibel sich die anderen vorbereitet haben", meint Werner Kahrstedt, der zum Team gehörte und sich am Dienstagabend bei Anwalt und Lok-Fan Dirk Schultz mit den Mitstreitern Hans Zeppmeisel, Helmut Hirsch sowie Peter Stolz traf, um in Erinnerungen zu schwelgen. "Das Turnier war am Sonnabend. Am Abend zuvor haben wir uns den Maschsee und das Niedersachsen-Stadion angesehen und in der Nähe noch ein Bierchen getrunken", räumt Torwart Hans Zeppmeisel ein.

Das sah ganz nach dem Vorbild der dänischen Nationalmannschaft aus, die 1992 für die EM nachnominiert wurde und praktisch aus dem Strandkorb heraus zu Europameisterehren gelangte.

"Zeppmeisel, Dietmar Schulze, Hirsch, Franke, Heyne waren der Kern"

Tatsächlich spielten auch die Akteure der RBD Halle ein tolles Meisterschaftsturnier. Sie setzten sich in der Vorrunde gegen punktgleiche, sehr ehrgeizige Münchner und Saarbrücker durch. In der Zwischenrunde wurden Essen und Nürnberg ausgeschaltet. Das bedeutete die Finalteilnahme.

Im Endspiel war Kontrahent Frankfurt dominant. Doch die Auswahl Halle war nur schwer auszuspielen. "Hans Zeppmeisel, Dietmar Schulze, Helmut Hirsch, Detlef Franke und Andreas Heyne bildeten das Korsett", weiß Werner Kahrstedt.

Es gab nur ein einziges Tor. Das erzielte der inzwischen verstorbene Detlef Franke in Hälfte zwei. Als der Referee fünf Minuten nachspielen ließ, gab es Pfiffe von den Rängen. Mit dem Sieg war der Gewinn der Deutschen Eisenbahnermeisterschaft besiegelt. "Für uns war das ein tolles Erlebnis und erhebendes Gefühl. Und wir haben gezeigt, das wir im Osten Fußball spielen können", erinnert sich Helmut Hirsch.

Im Rahmen der ersten Sportlerehrung der Stadt Stendal am 18. März 1994 wurde das Team durch den damaligen OB Hartmut Gebhardt geehrt und erhielt eine Prämie von 150 Euro, die dem Behinderten- und Seniorensport gespendet wurde.

 

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