Stendal l Der neuerliche Lockdown stellt den Amateursport ein weiteres Mal auf die Probe. Denn während der Terminkalender ohnehin schon sehr eng war, gilt es nun Lösungen für die fehlenden Spieltage im November zu finden. Darüber spricht der Vorsitzende des Spielausschusses im Kreisfachverband (KFV) Fußball Altmark-Ost Christoph Blasig mit der Volksstimme.

Volksstimme: Herr Blasig, wie geht es Ihnen?

Christoph Blasig: Mir geht es gut, danke der Nachfrage.

Im Vergleich zu vielen Ihrer Amtskollegen sind Sie noch recht jung – woher kommt Ihre Begeisterung für das Ehrenamt beim KFV?

Es begann eigentlich mit einem tragischen Zufall. Durch den plötzlichen Tod des früheren Schiedsrichter-Ansetzers Eckard Genderjahn im Jahr 2015 musste sich der Schiedsrichterausschuss neu ordnen. Die damaligen Mitglieder dieses Ausschusses suchten daraufhin das Gespräch mit mir. Ich hatte das Schiedsrichterwesen des Kreises bereits aus beiden Perspektiven, sowohl als Spieler als auch als Schiedsrichter, über viele Jahre kennengelernt. So habe ich die Herausforderung sehr gern angenommen, nicht nur am hiesigen Fußballgeschehen als Schiedsrichter teilzuhaben, sondern dieses von nun an aktiv mitgestalten zu dürfen. Besonders jene Ehrenämter mit Aufgaben, in denen eine neutrale Sicht auf die Dinge erforderlich ist und verschiedene Meinungen zusammengebracht werden müssen, erfahren wenig Zulauf von Freiwilligen. Das beobachtete ich in den letzten Jahren sehr häufig. Für mich ist das ein besonderer Reiz sowie eine tolle Möglichkeit, dem Fußball auf diese Art weiter treu zu bleiben.

Ihre Funktion hat Sie in diesem Jahr vor große Herausforderungen gestellt. Wie haben Sie die Saison-Planung nach dem ersten Lockdown erlebt?

Es war keine einfache Zeit. Niemand wusste, ab wann genau wieder trainiert geschweige denn gespielt werden konnte. Erst Anfang Juli kam die Freigabe von der Politik. So musste die Saisonplanung eng getaktet und mit wenig Vorlaufzeit vorgenommen werden. Unzählige Gespräche mit Vereinsvertretern und dem Fußballverband Sachsen-Anhalt waren notwendig, um Spielpläne aufeinander abzustimmen und bei der Erarbeitung von Hygienekonzepten zu unterstützen. Weiterhin stand der Verbandstag des KFV vor der Tür und musste ebenfalls von Juni auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden. Solch ein Jahr muss es nicht unbedingt noch einmal geben.

Haben Sie sich zu dieser Zeit schon damit beschäftigt, dass es einen erneuten Lockdown geben könnte?

Ja, in der Tat. Es wurden zumindest formal die Weichen dafür gestellt, sollte es erneut eine Phase geben, in der kein Fußball gespielt werden darf. Dafür wurde die Quotientenregel, die für die vergangene Saison noch über einen außerordentlichen Verbandstag beschlossen werden musste, nun fest in die Ausschreibungen der jeweiligen Meisterschaftswettbewerbe eingearbeitet. Zudem war die Prämisse im Hinblick auf erneute Einschränkungen von Beginn an klar - so haben wir es auch beispielsweise auf den Staffeltagen eindringlich kommuniziert –, dass wir mit sehr viel Sorgfalt mit Spielverlegungen umgehen müssen und aufgrund der wenigen Nachholtermine mitunter auch mal unkonventionelle Lösungen finden müssen, beispielsweise Begegnungen unter der Woche am Abend auszutragen.

Wie verlief die Spielzeit bisher aus Ihrer Sicht?

Vor einer Woche hätte ich noch gesagt, dass es erwartungsgemäß läuft. Die wenigen, coronabedingten Spielverlegungen bis dahin waren noch durch Nachholtermine gut kompensierbar.

Und diese Woche?

Der erneute Lockdown wirft uns natürlich ein ganzes Stück zurück und bringt nun einen vollständigen Saisonabschluss in Gefahr.

Was bedeutet der neuerliche Lockdown für den Fußball im KFV Altmark-Ost?

Der erneute Lockdown, der den Amateursport zum Erliegen bringt, stellt uns nun vor neue Herausforderungen. Die nächsten Wochen werden zeigen, wann es weitergehen kann. Alles andere wäre zum jetzigen Zeitpunkt ein Blick in die Glaskugel mit zu vielen Unbekannten für eine belastbare Aussage. Meinen Mitstreitern im KFV und mir liegt viel daran, eine landesweit einheitliche Regelung für die Abwicklung der Saison zu finden, wenngleich in Abhängigkeit von der lokalen Infektions- und Verfügungslage unterschiedlich viele Spieltage in den Kreisen am Ende absolviert sein werden.

Wie sehen Ihre Schritte aus?

Wir werden zunächst beobachten müssen, ob es bei den vier Wochen Unterbrechung bleibt. Und selbst wenn dem so wäre, müsste auch berücksichtigt werden, dass die Mannschaften nach vier Wochen Pause nicht einfach direkt einen Kaltstart hinlegen können und es nur noch drei Wochenenden bis zur Winterpause sind. Das Wetter muss dann ebenfalls noch mitspielen. Alles in allem sind das noch viele Unbekannte. Zudem werden wir einen Blick auf unsere Spielpläne und den Rahmenterminkalender werfen und eine Bewertung für unsere Spielklassen vornehmen, ob und inwieweit die Ausfälle kompensierbar sind. Weiterhin wird es einen intensiven Austausch mit dem FSA über die weitere Vorgehensweise geben. Insbesondere in der Verbands- und Landesliga mit vielen Mannschaften wird der Verband als erstes gezwungen sein, eine Lösung zu finden. Eine Übernahme solcher Lösungen bewerten wir dann ggf. auch für uns.

Es stehen nun schon einmal mindestens fünf Nachholspiele auf dem Programm – sind diese überhaupt noch realistisch umsetzbar?

Wir haben gut daran getan, die Staffeln trotz der Umstände nicht zu vergrößern. Das versetzt uns nun in die Lage, zumindest noch über Varianten wie eine Verlängerung der Saison bis Ende Juni diskutieren zu können, wie es auf Landesebene bereits jetzt schon teilweise planmäßig im Kalender steht. Weiterhin denkbar wäre ein früherer Start nach der Winterpause. Eine Bewertung, ob das sinnvoll ist, werden wir im Spielausschuss und im Präsidium vornehmen müssen. Ob es am Ende dann reicht, alle Spiele zu absolvieren, sehe ich tendenziell auch bereits jetzt kritisch. Mit jedem nun weiteren Ausfall von ganzen Spieltagen steigt aus meiner Sicht zumindest auch die Wahrscheinlichkeit für die erneute Anwendung der Quotientenregel – allerdings dieses Mal mit Absteigern.

Befürchten Sie dann keinen Ärger, weil es dieses Jahr Absteiger geben wird, im letzten Jahr aber darauf verzichtet wurde?

Nein, denn dieser Fakt wurde ebenfalls im Vorfeld der Saison explizit kommuniziert und in die Ausschreibungen mit aufgenommen. Jeder wusste also, dass in diesem Spieljahr bei einer solchen dynamischen Lage wie derzeit jede Partie die letzte sein könnte.

Haben Sie angesichts der Situation die Entscheidungen aus dem Sommer, eine Serie abzubrechen und mit einer neuen zu starten, hinterfragt oder sogar bereut?

Entscheidungen sollten immer hinterfragt werden, um deren Bestandskraft zu überprüfen. Es fiel im Sommer eine Entscheidung, bei der wir dem mehrheitlichen Meinungsbild unserer Vereine gefolgt sind, daher sehe ich keinen Grund, dies zu bereuen. Es gab in jedem Fall auch Stimmen, die für andere Lösungen plädierten. Diese werden natürlich gerade jetzt auch wieder lauter, doch das hilft uns im Endeffekt jetzt nicht weiter. Wir müssen mit der Situation umgehen, wie sie sich aktuell nun einmal darstellt.