Stendal l Bekannt geworden durch die Fußball-Berichterstattung beim Bezahlsender Premiere (heute Sky) in den 90er Jahren, ist er seit dem Jahr 2012 auch regelmäßig in Stendal zu Gast. Im Volksstimme-Interview berichtet er über die Hintergründe, Anekdoten und Schwerpunkte seiner eigentlichen Arbeit.

Volksstimme: Herr Sprenger, Sie leben in Köln – was verschlug Sie nach Stendal?

Christian Sprenger: Seinerzeit war ich häufig für das DFB-TV als Kommentator beim Frauenfußball in Wolfsburg tätig. Dort lernte ich einen jungen Stendaler kennen. Dieser sprach mich im Sommer 2012 darauf an, ob ich mir vorstellen kann, bei einem Hallenturnier in seiner Heimat zu moderieren. So entstand der Kontakt zum Post SV Stendal und seither bin ich immer bei dessen Weihnachtsturnieren dabei.

Woran erinnern Sie sich bei Ihrem ersten Auftritt?

Ich war total nervös, da ich ja niemanden kannte. Geschweige denn, dass ich je etwas von Uchtspringe, Gardelegen und Co. gehört hatte. Der Einzige, den ich persönlich kannte, war der ebenfalls eingeladene Bernd Heynemann. Die Anspannung hatte sich aber ganz schnell erledigt, alle waren herzlich, hilfsbereit und halfen bei Aussprachen und beim Turnier.

Hatten Sie bis hierhin schon Erfahrung mit Hallenturnieren?

Wir haben bei Premiere zu Beginn viel Hallenfußball gemacht. Unabhängig vom Fernsehen hatte ich aber keine Erfahrung damit. Da waren es eher Spiele zwischen Traditionsmannschaften oder Benefiz-Turniere im Sommer, die ich begleitet habe.

Sie haben es angesprochen: Seit Anfang der 90er Jahre sind Sie Fußball-Fans aus dem damaligen Premiere-Programm bekannt. Legendär ist Ihr Interview mit Lukas Podolski nach dessen erstem Bundesliga-Tor in Rostock. Können Sie sich erinnern?

Natürlich. Nicht nur, weil es kürzlich sein 15-Jähriges gefeiert hat. Wenn du in Köln lebst, wirst du ganz oft darauf angesprochen. Und das nicht nur bei FC-Spielen. Auch, wenn ich in Kölner TV-Sendungen eingeladen wurde oder jetzt noch zum FC-Stammtisch, dann ist das immer die Einführung. Kult ist ja mittlerweile vieles und wird inflationär benutzt, aber das war und ist wirklich Kult. Der kölsche Jung, den heute keiner mehr so vor die Kamera lassen würde.

Was sind heute die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Zum einen arbeite ich als Coach mit Sportlern aber überwiegend mit Sport-Moderatoren und -Reportern. Da sind dann nicht nur vielversprechende Newcomer von DAZN dabei, sondern auch arrivierte Kolleginnen und Kollegen, die die Leser nicht nur von Sky kennen. Aber – und das kommt genauso oft vor, wie die Spielerfrau, die ins Fernsehen möchte – gibt es unter den Coachlingen, wie ich sie liebevoll nenne, Studenten, die von einer großen TV-Karriere träumen. Zum anderen bin ich an Bundesliga-Spieltagen bei mindestens einer Partie für die DFL tätig. Dort geht es um Interviews, die die DFL ausländischen Rechteinhabern anbietet. Obwohl diese Interviews zumeist nicht auf Deutsch sind, laufen sie aber auch oft bei uns auf Nitro, NTV oder Welt sowie bundesliga.de.

Sie sind mit den besten Spielern und Trainern Deutschlands bekannt – was überzeugte Sie an den Weihnachtsturnieren in Stendal, dass Sie nun regelmäßig zurückkehren?

Es hat beim ersten Mal gleich alles gepasst. Das Turnier war toll, der Publikumszuspruch und alle Postler waren einfach klasse. Es dauerte bei mir zwar bis zum dritten Jahr, bis ich wusste, wer zu wem gehört, wer wessen Kinder und Partner sind, doch mittlerweile gehört es zu meinem Weihnachtsprogramm dazu. Selbst beim Sport fragen sie mich schon, ob ich traditionell nach Stendal reise. Und ich freue mich jedes Mal wieder, wenn ich „ja“ sagen kann. Das ist wie ein bisschen nachhause kommen. Und während sich im Hotel „Schwarzer Adler“ nichts geändert hat, sind viele aus meiner Anfangszeit flügge geworden. Wenn du Kinder nur einmal im Jahr siehst, fällt das richtig auf.

Kennen Sie aus Ihrer Heimat vergleichbare Veranstaltungen wie die beim Post SV Stendal?

Am Wochenende habe ich während der Bundesliga-Saison ja wenig Zeit. Deshalb konnte ich meinen Sohn, der selbst auch am Ball ist, nie zu seinen Spielen begleiten. Aber danach, zu Turnieren. Ja, die gibt es auch im Rheinland. Bei einem davon ist mir im Vorjahr erst bewusst geworden, was der Post SV Stendal mit seinem sensationellen Präsidenten auf die Beine stellt. Hier bekommt jede Mannschaft eine Urkunde und jedes Kind eine Medaille. Bei uns fuhr ich fünf frustrierte Dreizehnjährige nachhause, die nur das Finale mit 0:2 nach Elfmeterschießen verloren hatten und nichts, aber auch gar nichts mitnehmen konnten. Auch Heranwachsende freuen sich eben über eine Aufmerksamkeit oder Anerkennung!

Kinder liegen Ihnen also am Herzen. Auf Ihrer Homepage ist zu lesen, dass Sie auch Autor für Kinderhörbücher sind.

Für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika hatte der Kollege Ulli Potofski mit seiner Firma, die zahlreiche Fußball-Kinderhörbücher produziert hat, einen Vertrag mit dem DFB abgeschlossen. Es ging um eine große Fußball-Box, die drei CDs beinhalten sollte. Da Ulli aber immer viel zu tun hat und ich mit der zweiten Initiatorin, Nicole Bierhoff – Schwester des Managers der Nationalmannschaft, befreundet bin, landete Inhalt und Umsetzung bei mir.

Ein tolles Projekt! Wir schrieben zu dritt einen Fußballkrimi, in dem unter anderem Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Joachim Löw eine Sprechrolle hatten. Auf der anderen CD gaben weitere Nationalspieler wie Miro Klose Antworten auf Kinderfragen, die wir mit der vierten Klasse meines älteren Sohnes aufnahmen. Auf der dritten CD war ein Fußball Quiz, auf der weitere Promis, zum Beispiel Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus und ARD-Kommentator Tom Bartels, die richtigen Antworten gaben.