Bismark l Eigentlich wollte Michael Metzger im Sommer 2020 seine aktive Laufbahn als Fußball beenden – nach 33 Jahren. Doch nun kam alles anders. Wenn die Saison nicht mehr fortgesetzt würde, dann befindet sich der Meßdorfer bereits im fußballerischen Ruhestand.

"Ade-Tour" zum Abschluss

Wenn es nach seiner Frau gegangen wäre, dann hätte Michael Metzger die Töppen bereits am Ende der vergangenen Saison an den Nagel gehängt. Doch eine Spielzeit als „Ade-Tour“ sollte es noch sein. „Da diese nun nicht ordentlich zu Ende gehen wird, habe ich sie gefragt, ob ich noch eine Spielzeit dranhängen kann. Das aber fand sie nicht so toll“, sagt Michael Metzger mit einem Zwinkern. Denn fit fühlt er sich noch immer. „Natürlich ist die Schnelligkeit von vor zehn Jahren nicht mehr da“, so der Mittelfeldspieler des TuS Schwarz-Weiß Bismark weiter. „Deshalb konnte ich im letzten Jahr auch noch nicht aufhören.“

Jetzt soll es aber soweit sein. Die letzten 13 Spielzeiten war er in der Landesliga aktiv. Dort startete er im Sommer 2019 auch seine „Ade-Tour“. „Die Idee dazu kam mir in der Saison-Vorbereitung beim Laufen“, verrät der TuS-Kapitän. Diese wollte er zum einen nutzen, um für sich Abschied vom Landesliga-Zirkus zu nehmen, zum anderen aber auch, um dem Verein auf anderem Weg etwas zurückzugeben. Denn er begann die Tour in den sozialen Netzwerken zu dokumentieren. „Schnell hatte ich den Spitznamen ‚Insta-Metze‘ weg“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Doch über Facebook, Instagram und Co. lassen sich Jugendliche heute gut erreichen und aktuell fehlt es uns im Verein an Nachwuchs. Da müssen wir mehr machen.“

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Ergebnis steht im Vordergrund

In seiner aktiven Zeit stand für Metzger immer das Ergebnis im Vordergrund. Er war erfolgshungrig. Doch auch die Erlebnisse abseits des Spielfeldes und die Freundschaften, die über die Jahre entstanden sind, waren für den Mittelfeldmann wichtig. „Es wurde auch schon mal ‚dummes Zeug‘ erzählt, was auch dazugehört“, so der 37-Jährige.

Das Ziel seiner „Ade-Tour“ war der 8. Mai und sollte ein Höhepunkt im Rahmen der Sportwoche des TuS Schwarz-Weiß Bismark anlässlich des 100-jährigen Jubiläums sein. Vier Tage nach seinem 38. Geburtstag wollte er im Derby gegen Möringen – die Möringer feiern übrigens ebenso eine Jahrhundert Vereinsgeschichte – das letzte Mal als Aktiver auf dem Platz stehen. Ob die Partie so stattfinden wird, steht heute in den Sternen. Dass unterhalb des Profifußballs nach der Corona-Krise in dieser Saison noch einmal gespielt wird, glaubt er aber nicht. „Dann wäre mein letztes Spiel eine 0:1-Niederlage in Magdeburg-Ottersleben gewesen und ich wurde auch noch zehn Minuten vor Spiel­ende ausgewechselt“, so Metzger, der das Schicksal jedoch so hinnehmen würde.

Zahlreiche Erlebnisse mitgenommen

In jedem Fall nimmt er zahlreiche Erlebnisse und Anekdoten aus seiner Laufbahn und der „Ade-Tour“ mit in den fußballerischen Ruhestand: „Ich stehe beispielsweise mit Matthias Rhode, Kapitän von Union Schönebeck in Kontakt und wir vergleichen häufig unsere GPS-Daten der Spiele. Jeder will besser sein als der andere. Ein anderer Gegenspieler hat mich auch einmal während der Partie angesprochen, ob ich der mit den Videos bin. Kurz darauf tunnelte er mich und fragte, ob das auch in meinen Video-Bericht käme. Da sagte ich ihm, dass das Tunneln egal ist, sondern entscheidend ist, bei wem der Ball danach ankommt“, so der Mittelfeldmann.

Sollte seine aktive Laufbahn tatsächlich mit dem Spiel beim VfB Ottersleben besiegelt worden sein, so genießt er die freie Zeit, die ansonsten ohnehin gefolgt wäre. „Wie lange sie dauert, weiß ich nicht. Das können drei Wochen aber auch drei Jahre sein.“ Der dreifache Vater lässt sich damit offen, ob und wenn ja wie er in das Fußballgeschäft eines Tages zurückkehren wird. „Die Zeit wird zeigen, wie ich mich zukünftig einbringen werde.“

Kein Spiel für Altherren

Wer nun glaubt, Metzger würde künftig in den Alt-Herren-Kicks der Region für den TuS auflaufen, liegt falsch. „Das kann ich mir aktuell nicht vorstellen. Dann könnte ich genauso gut weiter um Punkte spielen.“

An die fußballfreie Zeit hat er sich in jedem Fall schon gewöhnt. „Früher habe ich jedes Spiel im Fernsehen gesehen. Danach habe ich jetzt kein Verlangen. Es gibt Wichtigeres, als Fußball“, so der Vater von drei Kindern.

Schon an die Zeit ohne Fußball gewöhnt

„Wir haben im Garten so viel geschafft, wie die letzten drei Jahre nicht“, führt er als ein Beispiel an. Daher weiß er gar nicht, ob er in dieser Spielzeit überhaupt noch einmal aktiv werden würde, sollte es weitergehen. „Vielleicht habe ich mich dann schon an diese Zeit ohne Fußball gewöhnt.“

Nach Ende seiner Laufbahn will er sich in jedem Fall seinen Spielerpass aushändigen lassen. „Ich kann so schlecht nein sagen und habe so eine tolle Ausrede, wenn man mich als Notnagel zurückholen will“, sagt er mit einem Zwinkern.