Tangermünde l  Tangermünde ist damit völlig überraschend Vizelandesmeister geworden. Mit am Ende 31:21 Punkten war dieser zweite Platz ein unerwarteter Erfolg für den kleinen Fußballverein aus der Altmark.

Verbandsliga bis 1999

Der, das war wohl schon damals klar, nie mehr wiederholt wurde. Tangermünde spielte nach diesem Triumph in der Verbandsliga bis 1999. Danach pendelte das Team der Kaiserstädter zwischen Landesliga und Landesklasse.

Derzeit spielt Saxonia in der Landesklasse, Staffel 1 (im Moment auf Platz eins).

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Zu der erfolgreichen Mannschaft 1994/95 gehörten unter anderem: Rudolf Dobbert, Thomas Kunde, Sascha Walsleben, Sven Suckow, Jörg Braunschweig, Thorsten Netzel, Toni Horn, Sven Stolze, Lars Jazbinsek, Maik Ebeling, Dirk Schulze, Rico Matschkus, Sven Horstmann, Carsten Braunschweig, Mario Schulz, Frank Lange, Peter Weidemann und Spielertrainer Jürgen Dobberkau (gemeldeter Kader im Kasten rechts).

„Dieser zweite Platz in der Verbandsliga ist höher zu bewerten. Wir haben damals gegen Mannschaften wie Grün-Weiß Wolfen, Thale oder den 1. FC Weißenfels vier, fünf Gegentore bekommen. Jetzt haben wir diese Mannschaften geschlagen“

Aufgetaucht nach diesem Erfolg ist damals sofort der Vergleich mit dem Aufstieg von Empor (Vorgänger von Saxonia) Tangermünde 1982 in die DDR-Liga.

„Dieser zweite Platz in der Verbandsliga ist höher zu bewerten. Wir haben damals gegen Mannschaften wie Grün-Weiß Wolfen, Thale oder den 1. FC Weißenfels vier, fünf Gegentore bekommen. Jetzt haben wir diese Mannschaften geschlagen“ sagte Jürgen Dobberkau nach Abschluss der Saison im Sommer 1995.

Mannschaft war eine Einheit

Die Saxonen waren zu jener Zeit bereits einige Jahre in der höchsten Spielklasse von Sachsen-Anhalt, in der Verbandsliga, vertreten.

Die Saison 1994/95 gingen sie unter Trainer Jürgen Dobberkau praktisch mit dem gleichen Kader wie zuvor an. Mit Rico Matschkus (davor Möringer SV) und Sven Stolze (eigener Nachwuchs) gab es lediglich zwei Neuzugänge, dagegen keinen Spieler-Abgang.

Drei Wünsche zur Saison 1995

Zu Saisonbeginn gab es drei Wünsche, drei Ziele für die Elbestädter:

Ein einstelliger Tabellenplatz. Ziel war ungefähr Rang acht, die Flut der Roten Karten soll eingedämmt werden, gegen jede Mannschaft soll ein Punkt geholt werden.

Tatsächlich leisteten sich die Saxonen in den Vorserien zu viel Rote Karten, meistens wegen Meckerns. Am Ende der neuen Saison aber stand mit Toni Horn lediglich ein Tangermünder in der Kreide. Er hatte wegen wiederholten Foulspiels Gelb/Rot bekommen.

Das aber war zunächst nicht das Thema bei Saxonia und den Fans. Die Mannschaft schwächelte nämlich zu Saisonbeginn mächtig, lag nach fünf Saisonspielen mit 1:9 Punkten auf dem letzten Tabellenplatz. Nach der 2:3-Niederlage am 3. September beim ESV Lok Dessau war die Zeit zum Handeln reif. Es war überfällig, zu überlegen und an gewissen Stellschrauben zu drehen.

Eine Lösungsmöglichkeit war, dass Vollblutstürmer Frank Lange Verantwortung in der Abwehr übernahm.

Die andere bestand darin, dass Trainer Jürgen Dobberkau (damals 39) als Spielertrainer fungierte. Und diese Strategie ging auf.

Eine Serie von 13 ungeschlagenen Spielen

Unter anderem legten die Tangermünder in der Folge eine Serie von 13 ungeschlagenen Spielen hin. Es dauerte bis zum 13. Mai 1995, ehe Askania Bernburg mit einem 4:2-Sieg, diese Serie durchbrach.

Auch auf eigenem Platz überzeugten die Tangermünder ihre Zuschauer. Nach der 0:1-Niederlage am 4. Februar 1995 gegen den VfL Halle wurde nicht mehr verloren. Die Elbestädter arbeiteten sich im Verbandsliga-Klassement Stück für Stück nach oben.

Leistung sehr hoch einzuschätzen

Am Ende wurde die Mannschaft mit 31:19 Punkten Vizemeister von Sachsen-Anhalt. Das ist in der neueren Fußballgeschichte die, nach Lok Stendal, bislang beste Platzierung für ein altmärkisches Männerteam und erfüllt die zumeist bodenständigen Tangermünder heute noch mit großem Stolz.

Besonders auch Angreifer Sven Suckow, denn er wurde in besagter Serie 1994/95 mit insgesamt 18 Treffern auch noch Torschützenkönig vor Kühne (VfL Halle, 16).

„Bei meinem Beruf als Maurer habe ich für das Training wenig Zeit“, sagte Suckow damals. Er war nicht das erste Mal ganz vorn in dieser Statistik: „In der Bezirksliga war ich schon einmal Torschützenkönig“, erklärte Suckow, der neben Dobberkau unter anderem von Uwe Müller, Peter Güssau, Dieter Matschkus, Lutz Rüdiger, Hans Küchler und Rüdiger Mrohs trainiert wurde.

Rico Matschkus erzielte als zweitbester Altmärker in der Saison immerhin elf Tore. „Ich glaube, mit Rico klappt das Zusammenspiel prima. Wir haben früher schon miteinander gespielt, jeder weiß, wie der andere läuft“, analysierte Suckow 1995 das Zusammenspiel der beiden Stürmer.

Ein Ziel nicht ganz geschafft

Es wurden bei Saxonia nach dieser Saison fast alle gesetzten Ziele erreicht, nur eins nicht ganz. Gegen alle Mannschaften holte Tangermünde Punkte, nur nicht gegen Staffelsieger VfL Halle. Gegen das Team verlor Saxonia zweimal 0:1. Die Hallenser holten sich mit 45:7 Punkten souverän den Landesmeistertitel.

Im Juni 2015 fand auf dem Grundstück von Jürgen Dobberkau die Erinnerungsfeier zu diesem Erfolg statt. Die war natürlich vom Schwelgen in Erinnerungen geprägt.

Lok Altmark Stendal II auf Platz 13

Die zweite Mannschaft des FSV Lok Altmark Stendal belegte in der Saison 1994/95 Platz 13. Dieser vorletzte Rang reichte aber zum Klassenerhalt, da nur eine Mannschaft nach der Saison abstieg. Dennoch war es hauchdünn, denn die Stendaler hatten vor dem Rang­letzten Lok Dessau nur einen Punkt Vorsprung. Vorentscheidend war für die Kreisstädter der 24. Spieltag. Der Burger BSC wurde von der Lok-Reserve 3:1 bezwungen. Das reichte am Ende.

„Wir haben zu schwankend gespielt“, analysierte Trainer Lothar Briebach die damalige Saison.

Danach haben einige Spieler (Thomas Eschner oder Lars Posorski) den Verein verlassen.