Stendal l Fritz Keller wurde, ohne dass es einen Gegenkandidaten gab, von allen 257 stimmberechtigen Delegierten gewählt. Was bedeutet diese Veränderung an der Spitze für den Fußball in der Altmark? Wir haben mit einigen Funktionären gesprochen.

Fritz Keller, Nachfolger des im April dieses Jahrs zurückgetretenen Reinhard Grindel, ist der 13. Präsident des DFB. „Ich freue mich sehr über das klare Votum und das große Vertrauen, das mir die Delegierten entgegenbringen. Wer mich gewählt hat, der hat Veränderung gewählt. Mir ist wichtig, dass wir den DFB zusammen in eine erfolgreiche Zukunft führen, mit neuen Strukturen, effizient und transparent“, sagte der 62-Jährige nach seiner Wahl.

Funktionäre beziehen Stellung

Für den neuen DFB-Präsidenten „gibt es nur einen Fußball. Von der Kreisliga bis zur Bundesliga, bis zur Champions League und den Nationalmannschaften. Man muss wissen, dass eine erfolgreiche Spitze auch gut für die Basis ist. Und umgekehrt“, so Keller. Wir haben mit einigen Verantwortlichen aus dem Gebiet des Kreisfachverbands (KFV) Fußball Altmark-Ost gesprochen und Stimmen zur Bedeutung der Wahl, Kellers Zielen und ihren eigenen Wünschen eingefangen:

Bilder

Christoph Blasig (KFV Vor. Spielausschuss)

 „Direkte Auswirkungen für den Fußballsport in unserer Region erwarte ich zunächst nicht. Das gesteckte Ziel spiegelt zumindest die oftmals auf unseren Sportplätzen offen ausgesprochenen Gedankengänge von Zuschauern, Fußballern und Vereinsverantwortlichen wider. Aus diesem Grund sehe ich diese Zielstellung als den richtigen Ansatz, aber noch nicht konkret genug. Es bleibt abzuwarten, wie dieses Ziel erreicht werden soll.“

Jens Tuchen (Vor. Eintracht Lüderitz)

„Der neue DFB-Präsident hat sich große Ziele gesetzt. Es muss sehr viel passieren, wenn er diese erreichen will. Denn seit der Weltmeisterschaft 2006 ist bei uns an der Basis keine Unterstützung mehr angekommen. Es ist eher andersrum, dass die, die sich ehrenamtlich engagieren, immer mehr leisten und erfüllen sollen. Doch wie geht es für den DFB und den Profifußball weiter, wenn an der Basis irgendwann das Licht ausgeht. Herr Keller kommt, anders als seine Vorgänger, aus einem bodenständigen Verein. Demnach habe ich schon die Hoffnung, dass er Veränderungen herbeiführen kann.“

Marko Rossnick (Vors. Saxonia Tangermünde)

„In der Vergangenheit war es bisher oft so, dass zunächst einmal viel erzählt wurde, zumeist aber nichts an der Basis angekommen ist. Daher ist meine Skepsis sehr groß, ob es zu Veränderungen kommen wird. Dabei ist es so, dass wir kleinen Vereine dringend Förderung in finanzieller Form benötigen. Tatsächlich aber müssen wir die Struktur im Fußball mit Antrittsgeldern, Gebühren und Strafen noch finanzieren. Das macht es nicht einfacher, Menschen für ein ehrenamtliches Engagement zu begeistern. Das wird auch leider nicht vom Staat unterstützt, so dass ich es als Aufgabe des DFB sehen würde, das Ehrenamt zu fördern. Das gilt aber ebenso für fußballerische Talente, die nicht Teil von Akademien der Bundesligisten sind. Für sie gibt es keinerlei Maßnahmen.“

Marco Lust (Vorsitzender Elbe Uetz)

„Ich glaube, dass die vorherigen Präsidenten ähnliche Ziele formuliert hatten. Die Ergebnisse sind aber bis heute ausgeblieben. Das finde ich traurig, schließlich ist der DFB einer der reichsten Verbände der Welt. Er müsste die Nachwuchsarbeit in den kleinen Vereinen vielmehr unterstützen. Den aktuell bleiben diese Klubs auf allen Kosten, seien es Schiedsrichter, Trainingsmaterial oder Kleidung, sitzen. Deshalb fehlt mir etwas der Glaube daran, dass sich nun etwas verändern kann.“

Thomas Adam (Vors. Medizin Uchtspringe)

„Aus den Medien war zu entnehmen, dass Herr Keller in Freiburg gute Arbeit gemacht hat. Einschätzen kann ich das aus der Ferne nicht. Doch es wäre wünschenswert, wenn er dies mit in den DFB nehmen würde. Ich würde allerdings keine Erwartungshaltung aufbauen, da unser Einfluss einfach zu gering ist. Natürlich würden wir uns über finanzielle Unterstützung, beispielsweise einer Beteiligung an den Erlösen aus dem Landespokal, freuen. Diese wurden zuletzt immer nur an höherklassige (Amateur-)Vereine ausgeschüttet.“