Wernigerode l Der Wernigeröder wird ab August die Wyoming Semenary College Preparatory School (USA) besuchen und mit einem Teilstipendium seine Karriere im American Football forcieren.

Der große Traum wird Wirklichkeit

Aktuell besucht Anton Jacobs die 11. Klasse des Stadtfeld-Gymnasiums, wenn er diese im Sommer abgeschlossen hat, wird er seine Zelte in Deutschland für eine ungewisse Zeit abbrechen. Der begeisterte American Footballer will in den USA seinen Traum leben und investiert alles, um eine erfolgreiche Karriere in einer der spektakulärsten Sportarten zu starten.

Leidenschaft schnell entfacht

2016 hatte ihn ein Kumpel das erste Mal mit zum Tackle-Team der Mountain Tigers, die Wernigerode Lynx, genommen – es wurde „Liebe auf den ersten Blick“. „Ich war erstmal etwas skeptisch“, erinnert sich Anton Jacobs an die Anfänge. „Ich bin einfach mit hingegangen und habe mich beim ersten Training in die Sportart verliebt. Es war ein Wahnsinns-Teamgefühl, ich wurde super in der Mannschaft aufgenommen, als ob ich schon immer dazu gehörte. Das kannte ich so nicht“, zog Anton Jacobs Vergleiche zu seiner Zeit beim Fußball. Sechs Jahre hatte zuvor bei Germania Wernigerode im Kohlgarten mit dem runden Leder gekickt. Das Spiel mit dem Lederei gefiel ihm von Beginn an deutlich besser. „Dazu gab es noch Lob vom Trainer, damit begann das Feuer zu lodern“ erinnert sich Jacobs an die ersten Trainingseinheiten.

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Unter den Trainern Christian Blumenthal, David Brückner, Norman Hertwig und später Silvio Feuerstacke lernte er das Football-Abc und wichtige Grundlagen, die ihn auf seinem weiteren Weg prägten. „In Braunschweig habe ich später zwar in puncto Football mehr gelernt, aber bei den Tigers hat sich der nötige Biss und die Disziplin im Training entwickelt“, blickt der 16-Jährige auf die Anfangszeit in seinem Heimatverein zurück. In den ersten Jahren galt es auch Rückschläge hinzunehmen. „Wir waren meist deutlich jünger als unsere Gegner, trotzdem konnte man im ein oder anderen Spiel glänzen“, blickt der Stadtfeld-Gymnasiast zurück.

In der folgenden Saison pausierten die Wernigerode Lnyx, da nicht genügend Spieler zur Verfügung standen. Der damals 13-Jährige bekam dank seiner guten körperlichen Statur schon beim Männerteam der Mountain Tigers die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln. „Ich wollte unbedingt schon beiden Männern trainieren, das war im Nachhinein ein großer Vorteil“, blickt das heute 1,88 Meter große und 110 Kilogramm schwere Kraftpaket zurück.

Jacobs kämpft für seinen Traum

Schon in dieser Zeit begann Anton Jacobs, sich über Social Media über die Organisationen der US-Footballer zu informieren. „Maximial 30 Spieler im Jahr werden angenommen, ich dachte nie, dass man das in Wernigerode schaffen könnte. Ich habe neben dem Football-Training intensiv im Fitnessstudio gearbeitet, dabei aber die Schule vernachlässigt. Bis ich mit 15 Jahren mein erstes Football-Camp besuchte, hier wurde mir klar gemacht, dass auch gute schulische Leistungen für die High Schools ausschlaggebend sind“, erinnert sich Jacobs. „Ich habe in der Schule richtig Gas gegeben, meinen Schnitt von 3 auf 2,3 verbessert.

Auch das nächste Football-Camp brachte den Blondschopf wieder einen Shritt nach vorn. „Ich konnte mich gut gegen ältere Spieler durchsetzen, dadurch stieg natürlich das Selbstvertrauen. Auch die nächste Saison mit den Wernigerode Lynx verlief deutlich erfolgreicher als die erste, das Jugendteam der Tigers feierte erste Siege.

Erfolgreiches Sommer-Camp als Wendepunkt

Der entscheidende Schritt folgte schließlich beim Sommer-Camp in Berlin, bei dem auch der ehemalige NFL-Profi Björn Werner vertreten war. „Ich hatte mich eigentlich ganz gut durchgesetzt, obwohl ich nicht ganz mit meinen Leistungen zufrieden war. Die Enttäuschung war groß, da mich keiner der zahlreich vertreten Highschool-Trainer angesprochen hat. Mit einem ,Wir melden uns bei Dir‘ wurde ich am letzten Abend verabschiedet“, erinnert sich Jacobs. Umso größer war die Freude, als noch am gleichen Abend eine E-Mail mit dem Inhalt „Wir sind interessiert an Dich“ eintraf. „Das war ein geiles Gefühl“, beschreibt Anton Jacobs seine Freude.

Es folgte die sportliche Veränderung, mit seinem Wechsel zu den Braunschweig Lions wollte sich Anton Jacobs sportlich weiter entwickeln. Dies kam ihm auch bei der Anmeldung auf der Website in den USA entgegen, denn hierfür benötigte Anton Jacobs ein Gametape. „So etwas hatte ich leider nicht, stattdessen habe ich ein Video von zwei Trainingseinheiten in Braunschweig geschickt“, erzählt der 16-Jährige, der sich im Nachwuchs der Lions mit bis zu drei Jahre älteren Spielern messen muss.

„Bis Januar haben mich daraufhin zehn Highschools angeschrieben. Ein wichtiger Punkt dabei war, dass ich im Oktober beim Jugend-Länderturnier der U17 mit Teams aus ganz Deutschland als bester Defense-Spieler ausgezeichnet wurde. Dadurch wurde ich zu den Try Outs der Jugend-Nationalmannschaft eingeladen, das hat natürlich eine wichtige Rolle gespielt“, berichtet der Defense-Spieler.

Gutes Gefühl bei der Wyoming Seminary School

Es folgten erste Besuche der US-Coaches in Wernigerode, „die sind das sehr gewissenhaft, das kommt einem Investment einer Firma gleich. Ich hatte schließlich drei High Schools in der engeren Auswahl, ein Problem war natürlich die Finanzierung. Es kostet um die 60000 Euro pro Jahr, das ist natürlich unbezahlbar. Über ein „Financial Aid“ bekommt man eine Art Teilstipendium, vorher wurden aber meine Eltern finanziell komplett ,durchleuchtet‘, Gehälter und alle Konten geprüft“, erzählt der Schüler.

Nach Abwägung aller Punkte entschied sich Anton Jacobs schließlich für die Wyoming Seminary College Preparatory School. „Hier hatte ich das Gefühl, am besten aufgehoben zu sein. Es war vom Football die beste Ausbildung, auch akademisch war es ein ähnlicher Standard wie in Deutschland. Dazu hatte ich einen sehr guten Eindruck vom Trainer, nicht nur vom Football, auch menschlich. Er hatte beim Sommer-Camp in Berlin mit jedem der 170 Teilnehmer einen Small Talk geführt“, erinnerte sich Anton Jacobs.

Jacobs trainiert hart

Aktuell bereitet er sich intensiv auf die Anforderungen in den USA vor. „Ich habe viel Arbeit in das Training gesteckt. Da aktuell kein Mannschaftstraining möglich ist, habe ich individuell bis zu zwölf Mal die Woche trainiert, viel an Kraft und Kondition gearbeitet“, erzählt Jacobs. Mittlerweile bietet er in puncto Ausdauer schon seinem Vater Paroli, von dem er die Sportbegeisterung in die Wiege gelegt bekam. Lorenz Kunze spielt mit über 60 Jahren noch aktiv bei den Fußball-Oldies von Germania Wernigerode, kommt dabei fast jede Woche noch in den Punktspielen des Ü40-Teams zum Einsatz. „Ich habe absoluten Respekt davor, wie mein Vater in seinem Alter körperlich drauf ist.“

Als großes Ziel strebt Anton Jacobs ein erfolgreiches Abitur und ein Football-Stipendium am Division 1-College an – damit sein Traum in den Vereinigten Staaten weiter geht.