Weiteres Material für Archiv gesucht

Um sein Archiv zu vervollständigen, ist Thomas Mandrella weiter auf Suche nach Material wie Aufzeichnungen, Fotos, Programmhefte etc. „Diese Sachen möchte ich nur sichten und scannen, nicht behalten. Die Unterlagen können im Sportbüro von Germania Wernigerode abgegeben werden“, so Thomas Mandrella, der für Informationen per E-Mail erreichbar ist:

tmandrella73@ web.de

Wernigerode l  Ob die Waldow-Brüder in Halberstadt, die das Material vom verstorbenen Helmut Wilke übernahmen, Peter Gehlmann in Hüttenrode oder Reinhardt Wiedenbach in Heudeber. Aus der jüngeren Generation hat es sich Thomas Mandrella zur Aufgabe gemacht, nahezu alles über den Harzer und Wernigeröder Fußball herauszufinden.

Mandrella fest mit Kohlgarten verbunden

Thomas Mandrella steht wie kaum ein anderer für die Fußball-Elf vom Kohlgarten. Im Alter von neun Jahren begann er 1982 seine Karriere bei der BSG Motor Wernigerode, durchlief alle Jugend-Mannschaften und verzeichnete mit 18 Jahren seine ersten Einsätze in der ersten Männermannschaft, damals schon unter dem Namen Wernigeröder SV Rot-Weiß.

1991 folgte das wohl größte Erlebnis seiner Fußballerkarriere: das DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Köln. Vor der tollen Kulisse von 11300 Zuschauern im Sportforum verfolgte „Dassler“, wie er schon zu DDR-Zeiten aufgrund seiner Vorliebe für einen Westdeutschen Sportartikel-Hersteller genannt wurde, allerdings nur von der Wechselbank. Ab 1992 spielte der Verein unter dem Namen SV Germania 1916, zwei Jahre später folgte der Zusammschluss zum 1. FC Wernigerode.

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Vereinswechsel nach Insolvenz des 1. FCW

Auch hier war der Verteidiger über viele Jahre Stammkraft, die ersten beiden Jahre in der Oberliga NOFV waren die höchstklassigen seiner Karriere. „Spiele vor 2000 Zuschauern in Plauen oder am Stendaler Hölzchen waren schon Highlights“, erinnert sich Mandrella. Dem unglücklichen Abstieg 1996 folgten mehr oder weniger erfolgreiche Jahre in der Verbandsliga, ehe er 2002 nach der Insolvenz des 1. FCW seinen Heimatverein den Rücken kehrte. Statt Neuanfang in der Kreisliga spielte Thomas Mandrella zwei Jahre beim Blankenburger FV.

In der ersten Saison seiner Rückkehr gelang Germania Wernigerode 2005 als Kreismeister die Rückkehr auf Landesebene. Drei Jahre später stieg die Kohlgarten-Elf in die Landesliga auf. Das Intermezzo währte zwar nur ein Jahr, aber die beiden Ortsderbys gegen den FC Einheit, vor 1370 Zuschauern im Sportforum und 1012 Besuchern am Mannsberg, bleiben unvergessen. „Auch wenn beide Spiele nicht so erfolgreich waren“, blickt Mandrella auf das 1:3 und 1:4 gegen den Stadtrivalen zurück.

Heute erfolgreich im Ü40-Team

Drei Jahren in der Landesklasse folgte 2012 der Abstieg in die Harzoberliga, wo im dritten Anlauf die Rückkehr in die Landesklasse gelang. Auch in der aktuellen Saison schnürte er mit 47 Jahren im Notfall in Haldensleben noch einmal die Töppen für die Willner-Elf. Ansonsten spielt er überwiegend für die zweite Mannschaft in der Harzliga und für die erfolgreiche Ü40-Senioren, die sich in Niedersachsen fünf Jahre in Folge den Staffelsieg in der Nordharzliga sicherte.

Als akribischer Statistiker kennt er natürlich auch die Zahl seiner Einsätze genau. 642 Punktspiele (73 Tore) absolvierte er im Männerbereich von der Oberliga bis zur Harzklasse und im Ü40-Team. Mit Pokal- und Testspielen sind es sogar 979 Begegnungen.

Leidenschaft schon früh entwickelt

Neben seiner aktiven Karriere entdeckte der als Konstrukteur bei der Schneider GmbH arbeitende Thomas Mandrella schon frühzeitig die Liebe zur Fußballgeschichte. „Angefangen hat die Leidenschaft bereits in den 80er Jahren als ich aus Sportecho, Fuwo und Volksstimme alles mögliche über den englischen Fußball gesammelt habe – Geschichte und Tradition haben mich begeistert“, erzählt der Wernige­röder. „Anfang der 90er habe ich mir einige Bücher in England bestellt und war fasziniert, wie akribisch und vollständig solche Daten und Statistiken verfügbar sind. Mit der Fusion der beiden Wernigeröder Vereine 1994 begann ich für diese neue Epoche Ergebnisse und alles weitere zu verwalten. Da mir einige ältere Ordner beim Verein in die Hände fielen, beschloss ich auch zurückzublicken“, erinnert sich Thomas Mandrella an die Anfänge seiner Suche nach Dokumenten aus der Wernigeröder und Harzer Fußballgeschichte.

„Stück für Stück konnte ich Abschlusstabellen, Staffel­einteilungen und ähnliches vervollständigen. Ab Ende der 90er Jahre besuchte ich dann auch regelmäßig Zeitungsarchive, im Zeitalter des Internets konnte ich zahlreiche Kontakte knüpfen und es fand ein reger Austausch statt“, erzählt Statistik-Fan. „Irgendwann in diesem Zeitraum begann ich zusätzlich Fotos, Artikel, Programmhefte zu scannen. 2016 zum 100-jährigen Vereinsjubiläum von Germania Wernigerode ergab sich dann die Schwierigkeit, aus sämtlichen Rohdaten ein Buch zu verfassen“, berichtet Mandrella.

Dies ist ihm mehr als gelungen, auf 253 Seiten gibt das Buch „100 Jahre Germania Wernigerode“ von den Anfängen im Jahr 1900 einen tollen Einblick in die Fußballgeschichte der „Bunten Stadt am Harz“ und der Region. Auszüge daraus werden in Kürze im Harzer Sportkurier als Serie veröffentlicht.

Die Chronik ist natürlich kein Grund, die Suche einzustellen. Über eine Facebookgruppe „Fußball im Harz früher“ teilt er mit Fußballfans aus der Region seine Leidenschaft und entdeckt dabei selbst immer wieder kleine „Schätze“, egal ob Fotos, Programmhefte oder wie jüngst auch das Schreiben einer Schiedsrichteransetzung. Und das nicht nur auf die Harzregion beschränkt.

Seine Vorliebe zur Geschichte spiegelt sich dabei nicht nur im Fußball wider. Durch seinen Sohn, begeisterter Eisenbahn-Fan, stöbert Thomas Mandrella auch hier in alten Unterlagen und besucht Eisenbahnmuseen oder Zugstrecken. Die größte Leidenschaft gilt aber nach wie vor dem Fußball – und das als aktiver Kicker.