Halberstadt/Wernigerode l Aus den bekannten Gründen wurden die Pokal-Endspiele der Landesverbände abgesetzt und werden möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. FuPa blickte passend dazu auf die Geschichte des Sachsen-Anhalt-Pokals zurück, der auch mit zwei Harzer Teams verbunden ist.

Am Sonnabend hätte im Rahmen des deutschlandweiten „Finaltages der Amateure“ auch das Endspiel um den Landespokal in Sachsen-Anhalt ausgetragen werden sollen, möglicherweise mit Harzer Beteiligung. Der VfB Germania Halberstadt war mit einem furiosen Sieg über den Halleschen FC ins Halbfinale eingezogen, hier hieß der Gegner 1. FC Magdeburg. Der Wettbewerb wurde aufgrund der Corona-Pandemie ausgesetzt, soll aber nach den Beschlüssen des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt zu Ende gespielt werden.

Wernigerode gewinnt Krimi bei der Premiere

Sollte sich die Halberstädter gegen den favorisierten Drittligisten und Rekord-Pokalsieger durchsetzen, würden sie zum fünften Mal im Finale stehen. Gewonnen hat Germania den Sachsen-Anhalt-Pokal noch nicht, dies blieb nach der Wende bisher nur einer Mannschaft aus dem Harzkreis verbehalten. Der Wernigeröder SV Rot-Weiß ging in der Saison 1990/91 als erster Cupsieger Sachsen-Anhalts in die Geschichte ein.

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In einem nervenaufreibenden Finale behielt der Nachfolgeverein der BSG Motor und Vorgänger von Germania Wernigerode am 1. Juni 1991 gegen den SV Merseburg 99 mit 3:2 nach Verlängerung die Oberhand. Bei der Premiere, und noch drei weitere Male bis zur Saison 1993/94, standen sich im Endspiel um den Landespokal noch die beiden Bezirkspokalsieger aus Magdeburg und Halle gegenüber. Dabei wurde das Duell zwischen den beiden Verbandsliga-Spitzenteams – Wernigerode wurde in diesem Jahr Vizemeister und der SV Merseburg Landesmeister – nicht etwa ein Leckerbissen, sondern ein kampfbetonter Krimi.

Potyka entscheidet Finale in der Verlängerung

Erst legten die 99er durch Andreas Meyer vor, dann drehte Rot-Weiß die Partie binnen sechs Minuten durch Marco Farwig und Thomas Schneevoigt. Kurz vor dem Ende schickte Silvio Meißner die Partie doch in die Verlängerung, in der Rot-Weiß-Torjäger Sven Potyka das Endspiel in der 116. Minute schließlich entschied. So angelte sich Wernigerode vor 800 Zuschauern an der Bernburger Krumbholzallee den ersten Landespokal der Geschichte. Es sollte zugleich der einzige bleiben, der jemals an einen Vertreter aus dem Harz ging.

In den Folgejahren verteilten sich die Titel nämlich auf die Altmark, Magdeburg und Halle. Nachdem der FSV Lok Altmark Stendal die zweite Auflage gewann, kam es im Juni 1993 zu einem Duell, das viele Wiederauflagen im Pokal erleben sollte: Erstmals standen sich der 1. FC Magdeburg und der Hallesche FC im Finale gegenüber. Vor 1100 Zuschauern in Hettstedt ging der Pokal mit einem 3:2-Erfolg erstmals in die Landeshauptstadt. Die direkte Revanche folgte im Jahr darauf, als der HFC in Thale vor gerade einmal 300 Zuschauern, bis heute niedrigste Finalkulisse, den Magdeburgern den Pokal mit einem 4:3 wieder entriss.

Lok Stendal verteidigt den Titel

Während die Trophäe in den Anfangsjahren regelmäßig die Vereine wechselte, gelang dem FSV Lok Altmark Stendal mit den Siegen 1995 und 1996 erstmals eine erfolgreiche Pokal-Verteidigung. Obwohl Stendal sowohl durch den FSV Lok Altmark als auch durch den 1. FC Lok nochmal in Endspielen vertreten war, blieb es bis heute bei drei Pokalsiegen.

Die Titel gingen nämlich seither, bis auf eine einzige Ausnahme, immer nach Halle oder Magdeburg. Einzig in der Saison 2003/04 konnte der TSV Völpke diese Serie mit einem 3:2-Erfolg über den SV Dessau 05 durchbrechen. Während die Kicker aus der Börde anschließend im DFB-Pokal mit dem FC Bayern das ganz große Los zogen, setzten die 05er damit eine ungewollte städtische Tradition fort. Es war die vierte Dessauer Endspiel-Teilnahme und die vierte Dessauer Niederlage. Zuvor musste sich schon der FC Anhalt dreimal geschlagen geben und verließ damit nach den viermal im Endspiel unterlegenen Halberstädtern am häufigsten den Finalplatz als Verlierer.

Preussen gelingt Sieg nach Elfmeterschießen

Das erste Endspiel, das über die volle Distanz von 120 Minuten plus Elfmeterschießen ging, gewann der Magdeburger SV 90 Preussen im Jahr 2005 gegen den VfB Sangerhausen mit 4:2. Einen erneuten Preussen-Titel verhinderte zwei Jahre später die Zweitvertretung des 1. FC Magdeburg, die im ersten stadtinternen Landespokalfinale ihren zweiten Pokalsieg nach 2000 feierte. So liegt der letzte Pokalsieg, der nicht an den FCM oder den Halleschen FC ging nunmehr schon 15 Jahre zurück. Sieben verschiedene Mannschaften versuchten sich seither im Finale und scheiterten an einen der beiden „Großen“. Ein zweites stadtinternes Endspiel hat es im Jahr 2015 gegeben, als sich Halle im Halbfinale zweimal gegen Magdeburg durchgesetzt hatte und der HFC das Endspiel klar mit 6:0 gegen den VfL 96 gewann.

Mit großem Abstand stehen nach der jüngsten Dominanz folglich der 1. FC Magdeburg und der Hallesche FC unangefochten an der Spitze im Tableau der Rekordsieger. Zwölfmal holte Blau-Weiß (davon zweimal die Reserve) den Cup, neunmal feierten am Ende die Chemiker. Auf dem dritten Platz rangiert noch immer der FSV Lok Altmark beziehungsweise der heutige 1. FC Lok Stendal mit seinen drei Siegen aus den 1990er-Jahren.