Wernigerode l Auch dem traditionellen sportlichen Jahresabschluss im Harzkreis ergeht es nicht anders. Den jüngsten Entwicklungen folgend, hat die Abteilung Leichtathletik des Harz-Gebirgslaufvereins den Wernigeröder Silvesterlauf abgesagt.

Seit 43 Jahren fällt zum letzten Tag des Jahres am Wernigeröder Marstall der Startschuss für den Silvesterlauf. Die Laufveranstaltung erfreute sich in den vergangenen Jahren einer immer größer werdenden Beliebtheit, doch dieses Jahr bleiben das Start- und Zielgebiet und die Crossstrecken rund um das Wernige­röder Schloss und Christianental leer. Schweren Herzens hat die Abteilung Leichtathletik des Harz-Gebirgslaufvereins den Silvesterlauf absagen müssen.

Absage ist unvermeidbar

„Nach den letzten Bestimmungen durch die Politik bestehen die Einschränkungen vorerst bis 20. Dezember. Nach einer Übergangsphase zu Weihnachten sehe ich aber für die letzten Tage vor dem Jahreswechsel keine Lockerungen. Es wäre aus meiner Sicht auch nicht der richtige Weg, in der aktuellen Situation solch eine Veranstaltung durchzuführen“, erklärt Florian Hausl, Veranwortlicher für Finanzen und Wettkampforganisation in der Leichtathletik-Abteilung, die Absage.

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„Wenn wir den Lauf überhaupt durchführen dürften, wäre dies auch nur mit großen Einschränkungen möglich. Verzögerte Starts, eine Anmeldung im Marstall im Einbahnstraßen-Prinzip, ein Ausschank von Tee und Glühwein wäre auch nicht möglich. Obwohl die Läufer sicher zur Veranstaltung kommen würden, wäre es für alle, die den Silvesterlauf kennen, nicht dasselbe“, ergänzt Hausl.

Damit musste der Harz-Gebirgslaufverein sieben seiner zehn jährlichen Veranstaltungen absagen. Lediglich das Hallensportfest vor Ausbruch der Corona-Pandemie im Februar und die Jubiläumsauflagen des Rudolf-Harbig-Gedenklaufes und Wernigeröder Stundenlaufes im September gingen über die Bühne. Zuletzt traf es auch den für den 8. November geplanten Armeleuteberglauf, der durch die zweite Corona-Welle abgesagt werden musste.

Absage belastet auch finanziell

Finanziell haben zumindest die Absagen der „kleineren Läufe“ keine Auswirkungen auf den Verein. „Zwar fehlen uns dadurch Startgelder, allerdings haben wir durch die Absagen der Veranstaltungen auch weniger Kosten. Zudem sparen wir selbst einige Startgelder ein, weil unsere Athleten nicht an Wettkämpfen teilnehmen können“, berichtet Florian Hausl. „Mit dem Harz-Gebirgslauf verhält es sich da schon etwas anders. Mit diesen Einnahmen haben wir auch laufende Kosten wie die Geschäftsstelle gedeckt. Diese Absage hat schon ein ordentliches Minus auf dem Konto verursacht, zwei, drei Jahre in Folge wäre es nicht möglich, den Harz-Gebirgslauf abzusagen“, erzählt der 35-Jährige.

Ein virtueller Lauf, wie er zumindest beim Harz-Gebirgslauf auch im Vorstand angesprochen wurde, hält Florian Hausl zumindest in diesem Jahr für wenig zielführend. „Auch hierfür wäre ein großer Aufwand nötig, man müsste sich intensive Gedanken machen, um interesssierten Läufern auch eine anspruchsvolle Variante bieten zu können“, beurteilt er eine Kosten-Nutzen-Relation aus Sicht der Vereins eher kritisch.

Nachwuchsarbeit soll gestärkt werden

Für den eigenen Nachwuchs sieht der Leichtathletik-Abteilungsleiter keine negativen Folgen aus der Corona-Pandemie. „Es ist eine komplizierte Situation, aber es sind ja alle von den Einschränkungen betroffen. Es hat ja auch einen bekannten Hintergrund, deshalb gibt es auch von allen Seiten Verständnis. Die Kinder wollen natürlich gern trainieren. Für sie ist schwer nachzuvollziehen, dass sie gemeinsam zur Schule gehen, hier auch Sportunterricht haben, aber im Verein ihrem Hobby nicht nachgehen können. Zumal Leichtathletik ja ein Individualsport ist und die Abstandsregeln eingehalten werden können. Mit der Neuregelung, die eine Erweiterung der Trainingsgruppen auf fünf Mitglieder zulässt, wird auch das Training wieder aufgenommen“, berichtet Florian Hausl von den aktiven Nachwuchsathleten der eigenen Abteilung.

Obwohl der Organisationschef die Absage privat sogar etwas entgegen kam, der zweifache Familienvater zog in sein neues Haus in die Umgebung von Braunschweig um, bedauert Florian Hausl die erneute Absage sehr. „Wir können nur hoffen, dass es im Frühjahr wieder bergauf geht“, hofft er spätestens beim Wernigeröder Waldlauf wieder Siegerpokale und Medaillen an möglichst viele Starter zu überreichen.