Prussendorf l Der Landesverband der Reit- und Fahrvereine Sachsen-Anhalts hatte als Veranstalter 43 Prüfungen bis zur Klasse S** ausgeschrieben. 41 wurden tatsächlich durchgeführt, die Eignungsprüfungen für Fahrpferde stießen auf zu wenig Interesse bei den Aktiven.

Ein ähnlicher Mangel schien leider auch bei den Zuschauern der Fall. Der Andrang hielt sich trotz noch kostenlosen Eintritts an den ersten beiden Wettkampftagen, Donnerstag und Freitag, sehr in Grenzen. Zumindest am Sonntag waren die Ränge am Springplatz aber etwas besser gefüllt, auch wenn den ein oder anderen die fünf Euro Eintrittspreis doch etwas überraschten.

Nicht ganz ideale Bedingungen

Dabei hatten die Leistungen der Sportler durchaus mehr Beachtung verdient. Das fachkundige Publikum sah bei nicht ganz idealen Bedingungen auf dem tiefen Sandboden des Springplatzes, der zwar immer wieder geschleppt, aber erst am Sonntag ordentlich verdichtet wurde, viele gelungene Ritte.

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Schärpen für den Harzkreis

Die Reiter aus dem Landkreis Harz präsentierten sich mit ihren Vierbeinern sehr erfolgreich und konnten neben vielen Schleifen sogar einige Schärpen mit nach Hause nehmen. Drei Titel der Reiter in Prussendorf landeten letztlich im Harz.

An drei Tagen war das ehemalige Landgestüt unter seinem neuen Besitzer Ausrichter der Landesmeisterschaften im Dressur und Springreiten aller Altersklassen. Während die Harzer Dressureiter, die nicht zu den stärksten in Sachen-Anhalt zählen, arbeitsbedingt oder aus anderen Gründen nicht an allen drei Tagen starten konnten, zählten vor allem die Springreiter zu den Medaillenanwärten.

Carola Schedlbauer setzt sich durch

So setzte sich Carola Schedlbauer vom Wernigeröder SV Rot-Weiß mit ihrem Carlzon bereits im Einlaufspringen, einem Zeitspringen der Klasse M* an die Spitze der Konkurrenz. Mit einem weiteren fehlerfreien Ritt am zweiten Tag und dem Sieg im Stechen des Finalspringens der Klasse M** wurde sie Landesmeisterin vor Natalia Lakomi (Helmsdorf-Gerbstedt) und Silvana Soldmann (Braunsbedra), nachdem sie in den Vorjahren die Goldmedaille verpasste.

Bei den jungen Reitern (bis 21 Jahre) – ohne Trennung in Damen und Herren – bestätigte Jessica Koch aus Westerhausen ihre gute Form, die schon bei den Hallenlandesmeisterschaften mit einem Bronzeplatz erkennbar war. Mit einem fehlerfreien Ritt am ersten Tag, dem Sieg am zweiten Tag in Springen der Kl. M* und mit vier Fehlerpunkten im Finalspringen der Klasse M** mit ihrem Wallach Call me Cassini errang sie den Titel in ihrer Altersklasse vor Lisa Marie Kreutz (Colbitz) und Ivana Lesemann (Oschersleben). Über den Erfolg von Konkurrentin Koch freute sich die Zweite, Kreutz: „Ich hatte es mir für Jessi gewünscht, denn es ist unser letztes Jahr und ich habe dieses Mal den Hallentitel geholt. Wir gönnen uns das untereinander alle und sehen es sehr sportlich.“

Children ist die jüngste Altersklasse der Reiter. 14 Jahre und jünger sind die Teilnehmer. Ab diesem Jahr dort am Start ist Kilian Römmer, der Ströbecker, der für den Verein Derenburg reitet. Bei den Hallenmeisterschaften im März wurde er, für die Konkurrenz noch völlig unbekannt, Hallenlandesmeister. Das war aber kein Zufall. Es zeigt sich, dass sein Vater Falk der selbst erfolgreich in der schweren Klasse reitet, nicht nur ein gutes Händchen für Pferde hat. Gut trainiert und gut beritten mit Florette blieb er in allen drei Springen in der Klasse A** mit dem Finale in der Klasse L fehlerfrei und musste sich nur im Stechen des Finalspringens mit dem dritten Platz begnügen und wurde mit deutlichem Vorsprung Landesmeister vor Lynn Mickelun (Wörmlitz) und Melina Ringel (Miesterhorst).

Ein kleines Missgeschick

Auch bei Vertretern aus anderen Regionen wurde gejubelt. Etwa bei Annett Lippelt aus Königsborn: „Dass es dieses Jahr so gut lief, kam schon überraschend, denn in den letzten zwei Jahren habe ich in der letzten Prüfung immer Nerven gezeigt. Ganz besonders glücklich bin ich, weil es mit Lotta geklappt hat, die wir selbst gezogen und ausgebildet haben. Sie hat nicht ganz das Vermögen wie einige andere Pferde und ganz schön mit dem Sandboden zu tun, aus dem sie ja nochmal zehn Zentimeter höher springen musste, aber sie hat sich so toll durchgekämpft.“ Mit ihrer kleinen Stute hatte sich Lippelt sogar selbst geschlagen, denn auch die Ergebnisse ihres zweiten Pferdes, Sir Hook, hätten für den Titel gereicht. „Ihn haben wir erst im Winter in Beritt bekommen. Er war sehr schwierig und sollte jetzt eigentlich nur Erfahrung sammeln – aber er hat sich so toll gemacht.“

So nahmen am Ende alle Reiter erschöpft, aber glücklich ihre erkämpften Schärpen entgegen. Ein kleines Missgeschick war den Organisatoren allerdings unterlaufen, denn offensichtlich waren nicht für alle zwölf Kategorien genügend Bänder vorhanden. Doch die Pferdesportler zeigten auch hier, dass sie Sportsgeist haben, und so wurde das Problem mit einem Tausch untereinander schnell gelöst, so dass alle zufrieden die Heimreise antreten konnten.