Mit dem Bundestrainer, gleichzeitig Mitglied beim SKV Rot-Weiß Zerbst, unterhielt sich die Volksstimme.

Sie hatten sich im Vorfeld nichts bei der WM ausgerechnet. Silber war sicher eine dicke Überraschung?

Ich habe ja immer so ein bisschen die Zukunft im Blick. Für mich war einfach wichtig, dass wir uns dort weiter entwickeln und dass wir uns verbessern. Gerade in Bezug auf die letzte Einzel-WM in Novigrad, die ja wirklich schlecht war und wo ich auch sehr unzufrieden war. Mit dieser Einzel-WM in Cluj haben wir einen tollen Erfolg errungen.

Sie waren mit hervorragenden 693 Kegeln Erster der Qualifikation und sind dennoch sehr früh ausgeschieden. Waren Sie etwas enttäuscht?

Am Anfang schon, weil ich mit einem guten Spiel und relativ gutem Ergebnis trotzdem ausgeschieden bin. Aber im Nachhinein hat es mich nicht weiter beschäftigt.

Wie war es so, mit Ihrem Freund Vilmos Zavarko auf dem Siegerpodest zu stehen?

Vilmos hatte wieder eindrucksvoll bewiesen, dass er unumstritten die Nummer eins auf der Welt ist und aus meiner Sicht ist auch die Distanz zu den Konkurrenten nicht klein. Wenn ich hinter dem besten Kegler als Nummer zwei auf dem Treppchen stehe, dann kann ich nicht allzu viel falsch gemacht haben.

Und die Siegerehrung an sich, dieses Feeling?

Es war zweifelsohne etwas Besonderes. Ich bin nicht dieser Einzelsportler. Für mich sind das Team und der Teamgeist entscheidend. Ich bin es auch so angegangen, dass nicht jeder auf sich guckt. Klar war wichtig, dass jeder das Optimale rausholt. Aber wir hatten schon die ganze Organisation und Vorbereitung unter dem Aspekt gesehen, dass wir nicht als sechs Einzelspieler, sondern als Team Deutschland hinfahren und so wollten wir uns da auch verkaufen. Und das ist uns auch sehr, sehr gut gelungen.

Sie sind der Trainer der Nationalmannschaft. Können Sie ein kurzes Fazit über die gesamte Mannschaft ziehen?

Man sieht, dass wir näher heranrücken und dass wir wieder einen Schritt gemacht haben. Gerade auch wenn man sieht, dass wir mit Thomas Schneider noch eine wichtige Säule der Nationalmannschaft haben, der sicherlich nächstes Jahr wieder dazu kommt. Die Spieler haben jetzt gezeigt, dass wir auf internationalem Level wirklich auf höchstem Niveau im Stande sind, eine sehr, sehr gute Rolle zu spielen. Jetzt geht es im kommenden Jahr darum, den nächsten Schritt zu gehen und als Mannschaft wieder das Bestmögliche herauszuholen.

Was nicht einfach wird?

Als Mannschaft, einmal Zweiter, einmal Dritter, haben wir es schon unter Beweis gestellt. Jetzt haben wir aber mit den drei Silbermedaillen in drei Wettbewerben, Einzel, Sprint und Kombination, jeweils einen Spieler und ich sag es mal drastisch: Serbien hat immer den gleichen Spieler.

Also ist Ihr Team auch in der Breite besser aufgestellt?

Wir haben nicht diesen Superstar. Aber wir haben in der Breite trotzdem eine sehr hohe Qualität und wenn wir die bei einer Mannschafts-WM auf die Bahn bekommen, dann wird es vom Ergebnis her nochmal anders einschlagen.

Welches Ziel verfolgen Sie?

Wir wollen nicht gleich Weltmeister werden. Aber wir wollen näher an Serbien heranrücken und die Distanz verkürzen.

Manuel Weiß hat wohl alle überrascht. Was sagen Sie zu seiner Leistung?

Es ist schon verrückt. Er hat es gelernt, von Aufgabe zu Aufgabe zu denken und nicht nach dem ersten Schritt schon an den zweiten und den dritten. Er hat auch im Tandem-Mix schon gut gespielt und ist da etwas unglücklich ausgeschieden. Er hat sein Spiel mit aller Konsequenz durchgezogen. Dass er körperlich gut beieinander ist und das durchsteht, das war mir klar. Es wird nun für ihn ganz wichtig, dass er sauber mit dem Erfolg umgeht. Aber wir werden ihm dementsprechend, vor allem in Zerbst, auch helfen. Aber diese Erfahrung und den Erfolg kann er jetzt erstmal genießen und mit dem Selbstvertrauen in die nächste Saison gehen. Er hat jetzt gesehen, wo er steht und wenn er das richtig einordnet, dann kann er noch weitere Schritte nach vorn machen.

Ist für Sie die Saison jetzt beendet?

Ich mache jetzt erstmal Pause. Die Saison in Zerbst war lang und erfolgreich. Sie hat Körner gekostet genau wie die WM und als Sportler muss man da mal ein Stück weit runterfahren. Denn dieses Level hält man auch nicht übers Jahr. Das geht nicht.

War das jetzt für Sie die letzte Einzel-WM oder bleibt es offen?

Das kann ich noch nicht sagen. Wir hatten dieses Jahr fünf Startplätze und da war der klare Plan, dass ich nicht spiele. Aber den sechsten Startplatz hatten wir geschenkt bekommen, weil andere Nationen Plätze zurückgegeben hatten. Und da hatte ich gesagt, okay, auch unter der Prämisse, dass ich als Trainer dabei bin, kann ich, falls ich ausscheide, auch in dieser Funktion noch tätig werden. Jetzt warten wir mal ab, was in zwei Jahren ist. Eins steht auf jeden Fall fest: Ich bin körperlich sicherlich in der Lage, das hinzukriegen und wenn die Leistung stimmt, dann halt ich mir das alles offen. Wichtig ist, dass man gesund bleibt und die Leistung abruft. Jetzt gehts erstmal in die Pause, dann geht die Saison mit Zerbst los und dann bereiten wir uns auf die Mannschafts-WM vor. Immer die nächsten Aufgaben angehen, ist, glaube ich, das Wichtigste.