Zerbst l „Den fünften Schritt bitte kürzer“, lautet die Ansage von Trainer Franz Axel Zänsdorf. Nochmals und nochmals wird das eine lateinische Tanzelement trainiert. Der Feinschliff muss perfekt sein.

Es ist bemerkenswert, mit welcher Geduld immer und immer wieder kleinste Nuancen wiederholt werden. Hut ab vor dieser Ausdauer!

Ines und Thomas Weyland beim Training mit ihrem Trainer B Leistungssport, Franz Axel Zänsdorf, zuzuschauen, macht Spaß und gibt einen ganz kleinen Einblick in den großen Aufwand, den sie betreiben, um ihr Erlerntes bei Turnieren vorzuführen.

Walzer in der Küche

Weylands tanzen seit zehn Jahren. Beide lernten sich allerdings nicht beim Tanzen kennen. „Das wäre zu romantisch gewesen“, scherzt Ines Weyland. Ihr Mann Thomas hatte da schon einige Erfahrungen aus dem Breitensporttanz gesammelt und das Interesse seiner Frau geweckt. „Ich habe ihr den Walzer in der Küche beigebracht“, erzählt Thomas Weyland. Und „so einfach wie ich dachte, war es nicht“, bemerkt seine Frau.

Dennoch war dieser gemeinsame Walzer der Auslöser für eine tolle Karriere. Nach ihrem Kennenlernen tanzten sie erst für zirka zwei Jahre im Breitensport-Verein in Magdeburg, ehe sie anfingen, auch auf Standard- und Lateinturnieren wettkampfmäßig zu tanzen. „Zu dieser Zeit arbeitete ich außerhalb und so konnte nur an den Wochenenden trainiert werden. Am Freitag und Sonnabend haben wir in Magdeburg geübt und am Sonntag sind wir meist nach Leipzig zu Boris Rohne gefahren, um bei ihm mitzutrainieren“, erzählte der 56-Jährige.

So entstand der Kontakt nach Zerbst, denn das Profitanzpaar Boris und Madeleine Rohne ist u.a. für den Tanzclub Zerbst tätig.

Diesen Stress tat sich das Tanzpaar, das in Lostau zu Hause ist, zirka zwei Jahre an und wechselte dann 2013 zum Zerbster Tanzclub, wo es nun von Boris und Madeleine Rohne und seit Sommer 2017 auch von Franz Axel Zänsdorf trainiert wird. Es ist ein Geflecht aus Trainern, das sich in dem Paar widerspiegelt. Viermal pro Woche wird in Zerbst geübt sowie am Wochenende für drei oder gar vier Stunden, wenn keine Turniere anstehen, in Magdeburg ohne Trainer.

Hoher Aufwand

Wenn die Turniere anstehen, wird das Training noch intensiviert. „Da wir 10 Tänze machen, ist der Aufwand entsprechend höher“, erklärt Ines Weyland. Beide waren bereits ab 2011 erfolgreich und errangen bei den Landesmeisterschaften (LM) nahezu immer den Titel sowohl im Standard als auch im Latein.

Leistungskader des LTVSA

Der Erfolg wurde auch vom Landestanzsportverband Sachsen-Anhalt (LTVSA) gesehen und beide bekamen eine Einladung zum Kadertraining und sind heute Leistungskader Standard und Latein des LTVSA. Neben dem Vereinstraining üben beide in Einzelstunden bei namhaften Trainern in Berlin und Dresden, nehmen an Workshops mit nationalen und internationalen Trainern, wie beispielsweise dem bekannten und aktiven Choreograph Dirk Heidemann oder dem zehnmaligen Deutscher Meister und dreifachen Weltmeister 10 Tänze, Christoph Kies, teil.

Das Kadertraining findet immer in Dessau statt. Viermal Standard und viermal Latein werden dort pro Jahr trainiert und Weylands müssen sich auch dort den enorm hohen Anforderungen stellen.

„Ohne Fleiß kein Preis“

Nach dem Motto „Ohne Fleiß kein Preis“ hat sich das aufwendige Training bezahlt gemacht. „Es war unser erfolgreichstes Jahr. Darauf haben wir auch eine Weile hingearbeitet und wir denken auch, dass Franz einen großen Anteil daran hat“, gilt der Dank Franz Axel Zänsdorf und dem gesamten Trainerteam.

National und international waren Weyland überaus erfolgreich. Nach den drei LM-Titeln in Latein SenIII A, SenII A und SenII S erfolgte im Februar der Aufstieg in die S-Klasse. Beide ertanzten auch den LM-Titel Standard SenIII S.

Beim Deutschlandpokal, es ist die Deutsche Meisterschaft Latein SenIII, in Düsseldorf errangen beide den Bronzeplatz, dass heißt, sie sind das drittbeste Paar in Deutschland.

In der Rangliste der World Dance Sport Federation (WDSF) der SenIII-Paare Latein sind Ines und Thomas Weyland auf Platz 16 von aktuell 143 Paaren zu finden. Sie sind damit das zweitbeste deutsche Tanzpaar ihrer Altersklasse.

Einer der größten Höhepunkte 2018 war die Teilnahme an der Weltmeisterschaft Latein für SenIII in Bilbao (Spanien). Es war nach der WM SenIII Standard in Olomouc (Tschechien) im Mai die zweite WM-Teilnahme. „Wir hatten ein Jahr dafür trainiert“, sagt Ines Weyland. „Es war das größte Erlebnis, auch weil die Begeisterung der Leute dort ganz anders war. Da ging es richtig ab und wir wurden richtig angefeuert“, so Thomas Weyland. „Wir sind nun schon die ältere Generation und das guckt sich nicht jeder an. Aber die Spanier sind da ganz anders drauf und es hat sehr viel Spaß gemacht, als sie uns zugeklatscht haben“, fügt die 54-Jährige an.

Am spanischen Nationalfeiertag errangen die Zerbster in der Arena Bilbao, einer Sportstätte für 10 000 Zuschauer, einen hervorragenden 24. Platz von 86 gestarteten Paaren aus 14 Nationen (auch USA, Canada, Japan). Bereits am nächsten Tag ging es für Familie Weyland auf internationalem Parkett weiter. Dabei belegten sie von 56 Paaren einen 17. Platz und konnten damit ihr Leistungsniveau im internationalen Vergleich unterstreichen.

„Voller positiver Eindrücke und Emotionen ging es dann am nächsten Tag in Richtung Heimat. Leider verflog das Positive bereits auf dem Flugplatz Bilbao mit der Information, dass der Flug gecancelt wurde. Es folgte eine Odyssee über fast 24 Stunden, die zusätzlich dafür sorgte, dass dieses Wochenende so schnell nicht in Vergessenheit gerät“, erzählen beide ihr Erlebtes.

Auch die dritte WM-Teilnahme war ein großer Erfolg. Bei der WM SenII 10 Tänze in Wroc- law (Polen) im November erreichte das Tanzpaar einen sehr guten 21. Platz von 31 Paaren.

Diese sehr guten Leistungen und Erfolge wurden auch im großen Rahmen wertgeschätzt. Das Tanzpaar Ines und Thomas Weyland wurde bei der Sportlerehrung des Kreissportbundes Anhalt/Bitterfeld als „Mannschaft des Jahres“ ausgezeichnet.

Aufregung vor den Turnieren gibt es bei diesem routinierten Tanzpaar dennoch. „Wir sind aufgeregt, aber anders“, sagt Ines Weyland und ihr Mann ergänzt: „Ich sehe das unter dem strategischen Aspekt: Wie funktioniert es, wie komme ich durch. An dem bin ich letztens hängen geblieben, das muss ich besser machen…“

Auch bei der Bewertung durch die Leistungsrichter haben beide unterschiedliche Erfahrungen gemacht. „Gerade in Bilbao hat uns überrascht, dass wir gleich im vorderen Teil landeten, während viele andere nochmal ins Redance mussten. Und die DM Standard war auch eine Überraschung. Da waren es 114 Paare und wir waren 31. Das war ein cooles Ergebnis“, ist Thomas Weyland erfreut.

„Wir sind ein relativ kleines Paar, was für Standard ungünstig ist. Wir verkaufen ja Bewegungen und da haben wir es von unserer Größe her gesehen deutlich schwieriger. Von daher war dieses Ergebnis schon ganz cool. Es war ein super Abschluss. Wir konnten zeigen, dass wir viel in Standard gemacht haben und dass wir bei der DM so weit vorn waren, hat uns natürlich sehr gefreut“, ergänzt Ines Weyland.

Immer positiv gestimmt

Schlechte Ergebnisse und Erfahrungen gab es auch. „Das macht man nicht so fest und vergisst es dann einfach“, sind beide immer positiv gestimmt. „Manchmal fahren wir auch mit hängenden Ohren nach Hause und müssen uns wieder neu motivieren“, meint die Archivarin. „Es ist ein Geflecht von Wirkungsmechanismen, die man unter einen Hut bringen muss. Wie ist man selbst drauf, welche Konkurrenz ist da und welche Wertungsrichter“, erklärt der Software-Spezialist.

Ihre positive Einstellung und Ausstrahlung machen überhaupt erst diese großen Erfolge möglich. So hat auch einer ihrer Trainer, Franz Axel Zänsdorf, nur Gutes über Weylands zu berichten: „Ich bin sehr froh, mit den beiden trainieren zu können. Es ist ein sehr angenehmes Arbeiten, denn sie sind beide sehr motiviert und sie planen alles sehr genau. Sie kümmern sich um alles, sind sehr zuverlässig. Und da muss ich als Trainer nicht sehr viel Energie reinstecken und muss nicht über die Motivationsschiene gehen. Das macht es einfacher für mich und es zeigen auch die Ergebnisse.“

Das Tanzpaar Ines und Thomas Weyland hat zwar schon viel erreicht, doch es hat noch längst nicht genug, will sich weiter verbessern und strebt weitere Erfolge an. „Nur wenn ich tanze, kann ich mich so frei fühlen“, sehen sie wie Superstar Madonna das Tanzen als ihr Lebenselixier an.