Zuzenhausen (dpa) - Die Anfahrt, die Kabine, das Stadion, die Fans, die Stimmung: Julian Nagelsmann erhält im DFB-Pokal einen Crashkurs über seinen künftigen Arbeitgeber RB Leipzig. Mit einem besonderen Empfang rechnet der 31-Jährige aber nicht.

"Da habe ich keine Erwartungen, was das Willkommen heißen angeht. Die sollen mich dann willkommen heißen, wenn ich da bin und ihr Trainer bin. Ich erwarte keine Banner oder Palmwedel oder Freudentänze", sagte der Chefcoach der TSG 1899 Hoffenheim vor dem brisanten Zweitrunden-Spiel am Mittwoch in Leipzig. Dort wird der 31-Jährige am 1. Juli das Traineramt von Ralf Rangnick übernehmen.

Im zweiten Duell gegen RB in dieser Saison hat Nagelsmann noch etwas gutzumachen. Das Heimspiel in der Bundesliga am 29. September ging mit 1:2 verloren. Die Genugtuung, es dem quasi halb so alten Kollegen gezeigt zu haben, war Rangnick damals anzusehen. Wie die beiden zwei ehrgeizigen Taktik-Freaks - Nagelsmann als Chefcoach und Rangnick als Sportdirektor - von 2019/2020 an zusammenarbeiten, das wird dann eine der spannendesten Fragen im deutschen Fußball sein.

Das Duell Rangnick-Nagelsmann will Letzterer natürlich nicht hochhängen. Grundsätzlich sei Fußball ein "Players game, kein Coaches game. Ich würde gerne gewinnen - für meine Mannschaft, fürs Weiterkommen, für diesen Club hier."

Nagelsmann hat bei den Leipzigern einen vom 1. Juli 2019 an geltenden Vierjahresvertrag unterschrieben, was beide Seiten bereits im Juni publik gemacht hatten. Im Kraichgau hatte bislang niemand Grund, Nagelsmann angesichts seines ungewohnt früh angekündigten Abgangs als "Lame duck" ("Lahme Ente") zu bezeichnen. Das erste Viertel der Spielzeit verlief zwar zeitweise schwierig für seine Mannschaft, da sie in ihrer ersten Champions-League-Saison zahlreiche Ausfälle hatte und regelmäßig beste Chancen verballerte. Zweifel an seiner Arbeit gab es aber nicht.

"Er lebt diesen Optimismus mit seinem Trainer- und Betreuerteam jeden Tag vor", lobte Sportchef Alexander Rosen in der kritischen Phase seinen Trainer. "Niemals aufgeben, aufstehen, immer weitermachen, auch wenn das Pech wie zuletzt am laufenden Band zuschlägt."

Schwieriger werden könnte es für alle Beteiligten, wenn sich die neue Spielzeit nähert - und wenn Nagelsmanns Nachfolger bekannt wird. Bis zum Winter will Rosen diesen gefunden haben. In Leipzig wird Rangnick bei der Kaderplanung die Meinung seines künftigen Chefcoaches einholen.

"Aber natürlich, sollten wir in der Winterpause an den Punkt kommen, wo wir über die Verpflichtung eines Spielers für den kommenden Sommer entscheiden, würden wir das nicht komplett über seinen Kopf hinweg tun", sagte Rangnick. Sein Hoffenheimer Kollege selbst erklärte: "Wir haben keinen Kontakt. Was der Ralf gesagt hat, schließt das nicht aus."

Mit seinem Wunschkandidaten könne es dann auch gerne zu harten Auseinandersetzungen kommen, sagte Rangnick diese Woche ein. "Hinter verschlossenen Türen dürfen gerne mal die Fetzen fliegen. Was spricht dagegen?" Auch mit den früheren Trainern Alexander Zorniger und Ralph Hasenhüttl habe es Reibungspunkte gegeben: "Das wird mit Julian Nagelsmann nicht anders sein."

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