Rio de Janeiro (dpa) - Bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro ist offenbar Schmiergeld an weltbekannte IOC-Mitglieder geflossen.

Der frühere Gouverneur von Rio de Janeiro hat erstmals Bestechung eingeräumt, um die Olympia-Bewerbung zugunsten der brasilianischen Metropole zu beeinflussen. Er habe für zwei Millionen US-Dollar Stimmen von IOC-Mitgliedern gekauft, um die Spiele für Rio zu sichern, sagte Sérgio Cabral bei einer Gerichtsanhörung. Brasiliens früherer Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva sei in die Bestechung nicht direkt verwickelt gewesen, habe aber davon gewusst.

Die in Verdacht geratenen Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees, Sergej Bubka und Alexander Popow, haben bestritten, Geld dafür bekommen haben, bei der IOC-Session 2009 in Kopenhagen ihre Stimmen Rio gegeben zu haben. Im ersten Wahlgang hatte der damalige Mitbewerber Madrid 28 Stimmen erhalten und damit zwei mehr als Rio. Ausgeschieden waren Tokio (22) und Chicago (18). Die Stichwahl gewann Rio mit 66:32 Stimmen gegen Madrid.

Das IOC kündigte eine Untersuchung der Anschuldigungen durch die unabhängige Ethikkommission an. "Die Kommission hat Kontakt zu den IOC-Mitgliedern aufgenommen, die in seiner Aussage erwähnt wurden, und ist fest entschlossen, alle Probleme zu lösen", hieß es in der IOC-Stellungnahme.

"Ich weise die falschen Behauptungen des ehemaligen Gouverneurs von Rio zurück", erklärte Stabhochsprung-Olympiassieger Sergej Bubka. Der Ukrainer gehört dem Exekutivkomitee an und hatte 2013 für das IOC-Präsidentenamt kandidiert. Auch der frühere russische Weltklasseschwimmer Alexander Popow, der nach 16 Jahren im Ringe-Orden zum IOC-Ehrenmitglied ernannt wurde, beteuerte seine Unschuld: "Ich habe an keinen Verhandlungen teilgenommen." Er sei mit den im Zuge der Vorwürfe erwähnten Personen nicht vertraut und habe keinen Kontakt mit ihnen gehabt, teilte Popow in einer Erklärung mit.

Gemeinsam mit dem Olympia-Organisationschef Carlos Arthur Nuzman und dem brasilianischen Unternehmer Arthur Cesar Soares de Menezes Filho habe er vor der entscheidenden Abstimmung bei der IOC-Session 2009 die Stimmen mehrerer Mitglieder gekauft, sagte Cabral. Der einstige Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, Lamine Diack, sowie dessen Sohn hätten dabei geholfen.

Der Senegalese Diack steht in Paris unter Hausarrest und wartet auf die Anklage durch die französische Justiz, die sich auch auf Betrügereien im IAAF-Amt beziehen. Diack und sein Sohn sollen auch für Tokio, Ausrichter der Sommerspiele 2020, Stimmen für Bares gekauft haben.

Cabral gilt als einer der korruptesten Politiker Brasiliens. In mehreren Verfahren wurde er wegen Korruption, Geldwäsche und der Bildung einer kriminellen Vereinigung zu insgesamt 198 Jahren Haft verurteilt.

Video mit Cabral Aussagen