Berlin (dpa). UEFA-Chef Michel Platini feiert die Lebensleistung des "Kaisers", FIFA-Boss Joseph Blatter bedauert den Rückzug seines Freundes Franz. Für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dessen auf nationale Aufgaben fokussierten Präsidenten Theo Zwanziger ist Franz Beckenbauers Abschied aus dem FIFA-Exekutivkomitee aber ein ernsthaftes Problem. Der größte, aber längst nicht mehr mächtigste Sportfachverband der Welt droht auf dem internationalen Fußball-Parkett ins Abseits zu geraten.

Schon die komplizierte Suche nach einem Nachfolger offenbart die Schwierigkeiten. Der logische Kandidat Theo Zwanziger ziert sich wie schon vor seiner Wahl in die UEFA-Exekutive. Den DFB-Präsidenten "drängt es nicht in ein weiteres internationales Amt", hieß es gestern aus Verbandskreisen, "zur Not würde er aber natürlich seine Verpflichtungen erfüllen". Beckenbauer hat sich am Tag nach seiner Rückzugsankündigung festgelegt. Nur Zwanziger würde beste Chancen auf eine Wahl am 22. März durch die Delegierten des UEFA-Kongresses in Paris haben.

Ein möglicher prominenter Kandidat lehnte gestern gleich eine Bewerbung ab – und sprach sich auch für Zwanziger aus. Karl-Heinz Rummenigge steht für die Beckenbauer-Nachfolge nicht zur Verfügung. "Ich bin allein schon durch meine Funktionen beim FC Bayern München und in der ECA ein Vertreter des Clubfußballs und kein Verbandsmensch. Das ist nicht mein Ziel", sagte der Vorstandschef des FC Bayern. Im Frühjahr hatte er den schwindenden deutschen Einfluss gerade bei der UEFA beklagt. In den Funktionärszentralen in Zürich (FIFA) und Nyon (UEFA) geben Spanier, Italiener und Franzosen den Ton an.

Auch Liga-Präsident Reinhard Rauball hätte das nötige Funktionärsformat, hat aber noch keine größeren internationalen Meriten vorzuweisen. Erster Ersatz wäre somit DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, den Zwanziger schon 2009 gerne in die UEFA-Exekutive gehievt hätte.

Spätestens im Januar muss das DFB-Präsidium eine Entscheidung getroffen haben. Wird nicht Zwanziger aufgestellt, wäre dies schon ein deutlicher Hinweis auf die 2013 wohl anstehende Nachfolgeregelung an der DFB-Spitze. Niersbach werden entsprechende Ambitionen nachgesagt. Für einen Kommentar war der frühere Journalist gestern nicht zu erreichen.

Kandidiert Zwanziger doch erfolgreich für den FIFA-Job, ergibt sich für den DFB ein neues Problem, wenn der Jurist wie allseits erwartet in drei Jahren sein nationales Amt abgibt. Dann wäre der deutsche Fußball an den internationalen Schalthebeln nur durch einen Fußball-Pensionär vertreten, der für die dort übliche Kungelei kein besonderes Faible hat.