Mannheim l Wenn Jure Natek, bevor es mit der Erwärmung vor einem Spiel losgeht, links neben dem Tor auf seinem Hosenboden sitzt, die Beine weit von sich gestreckt, den Rücken an eine Wand gelehnt und anscheinend mit offenen Augen schläft, dann erweckt er den Eindruck, als könne er kein Wässerchen trüben, geschweige denn ein Tor treffen. Das Ritual hat der Slowene schon vor seiner einjährigen Verletzungspause gepflegt, und auch am Samstagabend - es war erst sein drittes Spiel mit van Olphen Co. nach dem Comeback, lag für den Linkshänder in der Ruhe die Kraft. Denn wenig später stieg er wie Phönix aus der Asche auf und avancierte mit sieben Treffern zum "Man of the Match".

Dennoch ließ der Überflieger nach dem Abpfiff seine Flügel hängen und wehrte die Glückwünsche zu seiner starken Leistung ab: "Okay, sieben Tore, das war ganz gut, aber ich kann mich nicht freuen. Ich bin wie alle traurig, dass wir nicht den Sprung nach Nantes ins Final Four geschafft haben." Und Natek haderte auch ein wenig mit dem auferlegten Schicksal. "Wir haben heute nicht unseren besten Handball gespielt, aber wir hatten auch viel Pech im Wettbewerb - mit Verletzungen, mit der Auslosung und mit dem Modus."

Der Rückraumrechte hatte sich in der mit 1800 Zuschauern ausverkauften GBG-Arena langsam, aber gewaltig gesteigert. Es hatte fast den Anschein, als wolle Natek austesten, was er seiner angeknacksten Hand und dem ebenfalls wiederhergestellten rechten Knie zumuten kann. Aber eigentlich hatte der 31-Jährige eh keine Wahl. Er war nach den Ausfällen von Andreas Rojewski (Daumenfraktur) und Moritz Schäpsmeier (Mittelhandbruch) als Nummer eins früher und vor allem länger gefordert als geplant. Er musste funktionieren.

Und Linkshänder tat es: Mit seinen Toren hielt Natek sein Team lange im Spiel. So markierte sein fünfter Treffer das 12:14 (35.). Doch danach boten sich im Angriff für ihn wie auch für die Mitspieler immer weniger echte Chancen ... Das Ende ist bekannt.

"Ich bin froh, dass ich zeigen konnte, dass ich in dem einen Jahr Pause nichts verlernt habe. Aber ich bin längst noch nicht der Alte, es gibt noch viele Reserven und es liegt noch viel Arbeit vor mir. Die Saison ist noch nicht zu Ende, gegen Flensburg müssen wir es alle besser machen als heute."

In dunklen Zeiten wie diesen war auch Trainer Frank Carstens froh und dankbar über ein Licht: "Das war eine sehr starke Leistung von Jure, das gibt uns Hoffnung für den Rest der Saison."