Leipzig (dpa). Zumindest für zwei Tage rückt der arg gebeutelte Fußball-Osten wieder in den Fokus: In Leipzig, wo der Deutsche Fußball-Bund im Jahr 1900 gegründet und wo vor 20 Jahren die Fußball-Wiedervereinigung besiegelt wurde, treffen sich heute (20.15 Uhr/MDR live) die einstigen Stars von hüben und drüben zum Jubiläums-Kick.

Leipzig hat auch für den ehemaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann eine besondere Bedeutung. "Das war eine richtiger Vorgeschmack auf die WM ein Jahr später", erinnerte er sich an das begeisternde Spiel um Platz drei beim Confed-Cup 2005 gegen Mexiko (4:3). Nebenbei bekamen damals Klinsmann und die Spieler nochmals eine "Geschichtslektion", berichtete der Wahl-Amerikaner. Sportlich hätten die Leute gespürt, dass die Nationalelf mit viel Mut und Risikobereitschaft agiert. "Auch die Leute in Leipzig sind bei der friedlichen Revolution ein Risiko eingegangen. Keiner wusste, was passiert danach."

Im Ost-Fußball passierte neben jenem offiziellen Akt am 21. November 1990, als der Verband der DDR (DFV) in den DFB aufging, im Eilzugtempo ganz viel. "Das Einbinden von Profis aus dem Osten Deutschlands in die gesamtdeutsche Nationalmannschaft ging schneller als in anderen Bereichen", verweist Franz Beckenbauer auf das Positive. Nach dem WM-Titel in Rom hatte der "Kaiser" als scheidender Teamchef noch jenen Spruch geprägt, nach dem Deutschland zusammen mit den ostdeutschen Stars um Matthias Sammer, Andreas Thom, Ulf Kirsten und Thomas Doll über Jahre unschlagbar sei.

Sammer war der Protagonist der Wendezeit: Er vergeigte sechs Tage nach dem Mauerfall mit der DDR durch ein 0:3 in Österreich die WM-Quali für Italien, während Klinsmann und Co. zur gleichen Zeit Wales mit Ach und Krach besiegten. Der Ex-Dresdner Sammer gehörte im September 1990 zum übrig gebliebenen Häufchen von 14 Spielern, die in Brüssel gegen Belgien (2:0) das letzte Länderspiel für die DDR bestritten. Drei Monate später durfte der heutige DFB-Sportdirektor als erster "Ossie" gegen die Schweiz (4:0) wie auch Thom schon das Adler-Trikot tragen.