Auf Schalke feierten sie eine rauschende Party, bei Werder trotz Europapokal-Aus zumindest den Trainer.

Gelsenkirchen/London (dpa). Obwohl die Bremer sich in London von der internationalen Fußball-Bühne verabschiedeten, sangen die Fans beim 0:3 gegen die Tottenham Hotspur Loblieder auf Chefcoach Thomas Schaaf. Die "Königsblauen" boten dagegen 45 Minuten Fußball-Feinkost und dürfen nach dem 3:0 gegen den Vorjahreshalbfinalisten Olympique Lyon für das Achtelfinale der Champions League planen.

Aus im DFB-Pokal, raus aus dem europäischen Geschäft, in der Bundesliga nur noch Mittelmaß, seit 450 Minuten ohne ein eigenes Tor – die Werder-Anhänger gehen trotzdem nicht auf die Barrikaden und fordern den Rausschmiss des Trainers. "Die Fans haben Ahnung", sagte Clubchef Klaus Allofs zu dem ungewöhnlichen Treuebekenntnis. "Sie wissen, was sie an Thomas haben. Ich habe mich gefreut, dass sie ihn gefeiert haben." Auch er glaubt weiter an Schaaf: "Wir sind davon überzeugt, dass er der bestmögliche Trainer für Werder Bremen ist."

Dabei besaß Werders Not-Elf mit zwei Amateuren in der Startformation nicht eine einzige Torchance in London. Sie verhinderte mit viel Einsatz und einigem Glück eine Blamage, mehr nicht. Die Werder-Verantwortlichen sind trotzdem sicher, dass die Kontinuität, die zu sechs Champions-League-Teilnahmen innerhalb von sieben Jahren geführt hat, weiterhin das richtige Rezept ist. Und so lange Schaaf der Chefcoach ist, wird er kauzige Antworten geben, wie etwa am Mittwoch auf die Frage, wie denn nun die mittel- bis langfristige Zielsetzung laute. "Das nächste Spiel gewinnen", sagte Schaaf. Und noch langfristiger betrachtet? "Das übernächste Spiel gewinnen."

Etwas weiter vorausplanen dürfen die Schalker, zumindest international. "Das war sicher die stärkste Halbzeit, die wir bisher gespielt haben. Die Mannschaft hat gezeigt, welch spielerisches Potenzial in ihr steckt", schwärmte Trainer Felix Magath, dessen harsch kritisierter und millionenteurer Umbau der Mannschaft allmählich sichtbare Früchte trägt.

Spielzüge wie aus dem Lehrbuch, aggressive Zweikämpfe und schnelles Umschalten nach der Balleroberung – nach dem Holperstart in die Saison zeigt der Bundesliga-15. inzwischen alles, was lange vermisst worden war und modernen Fußball ausmacht. Mit dem Einzug ins Achtelfinale der Champions League hatte der 57-Jährige bestenfalls im Gruppenfinale am 7. Dezember bei Benfica Lissabon gerechnet. "Für uns ist schon Weihnachten", sagte Magath schmunzelnd.

Es werde "auf keinen Fall eine Kaffeefahrt" nach Lissabon, betonte Manuel Neuer, "weil wir Erster bleiben wollen". Wie weit es noch gehen kann, wagte sein Coach nicht zu sagen: "Ich weiß nicht, ob wir schon so weit sind, dass wir Real Madrid oder Barcelona schlagen können. Aber bis dahin ist ja noch ein wenig Zeit." Magath ist froh, dass endlich ein Rad ins andere greift. "Es hat seine Zeit gebraucht. Auch mich hat das belastet, weil man ja nie weiß, wie lange so eine Entwicklung dauert", gab er zu. "Es zeigt sich, dass die Geduld belohnt wird." Nun gelte es, vom Europacup-Fest auf den Liga-Alltag umzuschalten.