Kuusamo (dpa). Sorgenkind und Hoffnungsträger: Wie fast immer in den zurückliegenden Jahren rätselt die Fachwelt vor dem Saisonstart über den Leistungsstand von Martin Schmitt. Optimismus versprüht der Routinier immer, doch das gehört auch zum Selbstschutz. Im finnischen Kuusamo, wo die Skispringer heute und morgen erstmals im WM-Winter um Weltcup-Punkte fliegen, ist sich Schmitt sicher: "Ich bin noch nicht bei 100 Prozent. Da fehlt noch eine ganze Menge."

Im zurückliegenden Jahr flog Schmitt meistens hinterher. Es war nicht seine Saison, auch wenn am Ende die olympische Silbermedaille im Team-Wettbewerb zu Buche stand. Die verdankte der Furtwangener eher seinen Mannschaftskollegen. Um selbst wieder die Marschrichtung vorgeben zu können, stellte er sein Training noch einmal radikal um. Im fortgeschrittenen Springeralter von 32 Jahren keine leichte Sache.

"Ich springe weiter, weil es mir Spaß macht, und ich sehe, dass ich noch Erfolg haben kann", begründet der WM-Zweite von Liberec 2009 seine Motivation, neue Dinge anzupacken. Auf sportwissenschaftlicher Grundlage wurden Athletik und Fitness umgestellt und damit ein besserer körperlicher Zustand erzielt. Wöchentlich gibt es Kontrollen, um eine Überarbeitung zu verhindern. "Ich bin so fit wie noch nie in meiner Karriere", betont der viermalige Weltmeister.

Problematischer verliefen die sprungtechnischen Veränderungen. Die Suche nach einem neuen Ski – seine bisherige Skifirma zog sich aus dem Springen zurück – war zäh. Die Absprungtechnik, sein größtes Manko im vergangenen Winter, konnte nur in kleinen Schritten verbessert werden. "Da bin ich schon manchmal ins Grübeln gekommen. Andere machten Fortschritte, bei mir ging es sehr langsam", erzählt Schmitt.

Nicht gerade förderlich für den sensiblen Sportler waren die schwachen Grand-Prix-Leistungen im Sommer. Nicht einmal schaffte er es in den Finaldurchgang.