Magdeburg. Wenn es denn so etwas geben sollte wie ein Magdeburger Box-Urgestein, dann ist es Lukas Konecny. Der kleine Tscheche gehörte schon zu jenen Faustkämpfern, die dem 1. BC Magdeburg zur Jahrtausendwende zweimal den deutschen Mannschaftstitel der Amateure bescherten.

2001 machte Konecny dann den folgerichtigen Schritt und wurde Profi. Folgerichtig in Magdeburg – beim ein Jahr zuvor aus der Taufe gehobenen SES-Team. Der Chef war allerdings derselbe geblieben: Ex-BCM-Präsident Ulf Steinforth führte mittlerweile den ersten ostdeutschen Profistall.

Nun, neun Jahre und 49 Kämpfe später, rüsten Konecny und Steinforth gemeinsam zur EM-Titelverteidigung in Prag. Morgen Abend kreuzt Europas Champion im Superfedergewicht in der Hauptstadt seines Heimatlandes die Klingen mit Herausforderer Hamlet Petrosyan aus Frankreich.

"Das wird der wichtigste Kampf meines Lebens", sagt der 32-Jährige vor dem Gefecht in der Prager Sparta-Halle (live Sport1 ab 21.00 Uhr). "Wenn ich da versage, kann ich den Traum vom Weltmeistergürtel ein für allemal begraben."

Und genau den will Konecny. Unbedingt. Einmal war er schon ganz nah dran, doch dann machten ihm im April 2008 in Dresden (gegen den Ukrainer Sergej Dzinziruk) die Kampfrichter mit einem nach Ansicht vieler Fachleute kaum nachvollziehbaren Urteil einen Strich durch die Rechnung.

Doch seinen Traum hat der Tscheche, der im September mit einem Erfolg über den Briten Matthew Hall der erste Box-Europameister seines Landes überhaupt geworden ist, längst nicht ad acta gelegt. "Ich weiß, meine Chance kommt", sagt der Boxer mit dem langen Atem, der nebenbei in seiner Heimatstadt Usti nad Labem zwei Gasthäuser betreibt und Vater dreier Mädchen (darunter ein Zwillingspaar) ist.

Doch zunächst ist der Blick des 1,73-Meter-Mannes ganz auf morgen Abend fokussiert. "Lukas hat trainiert wie noch nie", bestätigt sein Trainer Dirk Dzemski.

Doch das juckt seinen äußerst selbstbewusst auftretenden Kontrahenten Petrosyan offenbar wenig. "Konecny wird keine Chance haben", meinte er. Zum Kampf in Prag wird er, was sehr ungewöhnlich ist, erst heute anreisen. "Ich will Konecny keine Möglichkeit geben", sagt er, "mir vorher in die Augen zu schauen."